Öffentliche Mitwirkung
Viele Baarer beteiligen sich digital an der Weiterentwicklung ihrer Gemeinde

Über 1100 Interessierte haben sich die Infoveranstaltung zur räumlichen Entwicklungsstrategie der Gemeinde angesehen. Bei der öffentlichen Mitwirkung kamen 825 Stellungnahmen zusammen – ein unerwarteter Erfolg für den Gemeinderat.

Carmen Rogenmoser
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Die Aufwertung des Zentrums in Baar wurde bei der öffentlichen Mitwirkung ebenfalls thematisiert.

Die Aufwertung des Zentrums in Baar wurde bei der öffentlichen Mitwirkung ebenfalls thematisiert.

Bild: Stefan Kaiser
(19. August 2020)

Bis Anfang Mai konnten sich alle Baarerinnen und Baarer in einer öffentlichen Mitwirkung zur Räumlichen Entwicklungsstrategie der Gemeinde einbringen. Die Strategie ist elementarer Bestandteil der Ortsplanungsrevision und Grundlage der neuen Richt- und Nutzungsplanung, mit der im Herbst 2021 gestartet wird. Als Auftakt fand eine interaktive Informationsveranstaltung statt. Insgesamt rund 1100 Interessierte haben die Live-Übertragung oder die Aufzeichnung dieser verfolgt. 121 Personen beteiligten sich an der öffentlichen Mitwirkung. 825 Stellungnahmen wurden eingereicht.

«Das Interesse an der Informationsveranstaltung und die Anzahl der Rückmeldungen in der Online-Mitwirkung haben uns positiv überrascht»,

sagt Gemeinderat Jost Arnold, Abteilungsvorstand Planung und Bau. So konnten weit mehr Baarerinnen und Baarer erreicht werden: An einer «klassischen» Informationsveranstaltung hätten erfahrungsgemäss wohl nur 200 bis 300 Personen teilgenommen. «Das ist äusserst erfreulich. Die positive Resonanz auf die digitalen Kanäle wird in unsere Überlegungen für die weitere Information und Mitwirkung zur Ortsplanungsrevision, aber auch für andere Themen einfliessen», so Arnold.

Jost Arnold, Gemeinderat.

Jost Arnold, Gemeinderat.

Bild: Jakob Ineichen

Der Gemeinderat könne sich etwa vorstellen, Informationsveranstaltungen, die nach dem Abklingen der Pandemie wieder im Gemeindesaal durchgeführt werden, aufzuzeichnen und online aufzuschalten. Die Online-Mitwirkung werde neben gängigen Mitwirkungsformen auch in Zukunft eine grosse Bedeutung einnehmen. Die Plattform mitwirkung-baar.ch wird zudem für die gesamte Ortsplanungsrevision eingesetzt, aber auch generell für den Einbezug der Bevölkerung bei verschiedenen Themen genutzt.

Fragen wurden digital, per E-Mail oder Telefon gestellt

Trotz der digitalen Aufrüstung vieler während der Coronazeit und dem angewöhnten Umgang damit bringt diese Kommunikationsform auch Hürden mit sich. In Baar aber war man gut vorbereitet. So sagt Jost Arnold: «Es war ein konstruktiver Austausch möglich – aber in einer anderen Form. An der virtuellen Informationsveranstaltung konnten die Zuschauerinnen und Zuschauer digital Fragen stellen, welche die anwesenden Fachleuten beantworteten.» Ebenso wurden Fragen beantwortet, die per E-Mail oder Telefon gestellt worden sind.

Wie Arnold erklärt, gibt es zudem zwei Arbeitsgruppen: Das Reflexionsgremium, bestehend aus Vertreterinnen und Vertretern der Parteien und von Interessengruppen, sowie das Begleitgremium mit rund 50 interessierte Baarerinnen und Baarer. In diesen habe ein den Umständen entsprechender Austausch stattfinden können. «Wir haben versucht, die beiden Gremien so gut wie möglich mit Umfragen und Videokonferenzen einzubeziehen. Den direkten Austausch können diese digitalen Kanäle aber nicht ersetzen. Wir sind überzeugt, dass wir das Beste aus der Situation gemacht haben», so Arnold. Zudem sei im persönlichen Gespräch der direkte Austausch immer möglich.

Sein Fazit: Angesichts der Umstände sei eine fruchtbare Diskussion zur räumlichen Entwicklung der Gemeinde Baar möglich gewesen.

«Aber auch wir freuen uns darauf, uns wieder direkt und persönlich mit den Baarerinnen und Baarern austauschen zu können.»

Die bekannte Dorf-Stadt-Diskussion

Die Dienststelle Siedlungs- und Verkehrsplanung analysiert nun die zahlreich eingegangenen Rückmeldungen und wird im Anschluss die Räumliche Entwicklungsstrategie überarbeiten und finalisieren. Angesichts der grossen Zahl an Rückmeldungen ist auch die thematische Bandbreite gross.

Als wichtige Themen herauskristallisiert haben sich unter anderem das Wachstum der Gemeinde, die immer wieder auftauchende Diskussion, ob Baar noch ein Dorf oder doch eher eine Stadt ist, die Klimaziele, die soziale Durchmischung und der preisgünstige Wohnraum. Auch erwähnt wurden die Qualität der Freiräume und deren Infrastrukturen, die Förderung des Fuss- und Veloverkehrs und im Gegenzug der Umgang mit dem motorisierten Individualverkehr. «Dabei handelt es sich um Fragestellungen, die die Diskussion in Baar bereits in den letzten Jahren geprägt haben. Die öffentliche Mitwirkung hat uns bestätigt, dass wir wissen, wo der Schuh drückt», so Arnold.

Nach der Auswertung und der Anpassung der Strategie wird der Gemeinderat die Räumliche Entwicklungsstrategie verabschieden. Dies sollte im Sommer der Fall sein. Die Räumliche Entwicklungsstrategie ist die strategische Grundlage für die behördenverbindlichen Richtpläne sowie die grundeigentümerverbindliche Nutzungsplanung und die Bauordnung. «Zum Start der Richt- und Nutzungsplanung wird nach den Sommerferien 2021 eine öffentliche Informationsveranstaltung durchgeführt, wobei auch die finalisierte Räumliche Entwicklungsstrategie vorgestellt wird», führt Arnold aus. Die Erarbeitung der Richt- und Nutzungsplanung wird im Austausch mit dem Begleit- und dem Reflexionsgremium erfolgen. Auch die Bevölkerung wird wiederum mit einbezogen.