Öffentlicher Verkehr
Anwohner müssen sich wieder auf Baulärm einstellen: Neuerliche Arbeiten an der SBB-Strecke am Ostufer des Zugersees

Die Züge von Zug in den Süden fahren seit dem 13. Dezember 2020 wieder auf der angestammten Strecke. Im März sind dennoch weitere Arbeiten angezeigt.

Marco Morosoli
Merken
Drucken
Teilen

Der Schienenbau ist eine hochkomplexe Sache. Der Einsatz von Spezialmaschinen ersetzt zwar weitgehend die früher notwendige Muskelkraft. Doch wer solchen Arbeiten schon einmal zugeschaut hat, bemerkt, dass trotz Maschinenkraft noch Fachkräfte braucht, um eine Eisenbahnstrecke herzurichten.

Eine Stadtbahn bei der Einfahrt in den Bahnhof Walchwil, wo vom 1. bis zum 4. März am Mittelperron gearbeitet wird.

Eine Stadtbahn bei der Einfahrt in den Bahnhof Walchwil, wo vom 1. bis zum 4. März am Mittelperron gearbeitet wird.

Bild: Maria Schmid, (23. Februar 2021)

Bald kann man sich davon ein Bild machen, denn es sind erneut Arbeiten an der Strecke Zugersee Ost auf dem Abschnitt zwischen Zug und Arth-Goldau nötig, dies in den Nächten zwischen dem 20. März und dem 26. März. Diese Tätigkeiten stehen mit den Bauarbeiten zwischen Juni 2019 und Dezember 2020 in einem engen Zusammenhang. Der SBB-Sprecher Oliver Dischoe sagt:

«Die angekündigten Schleifarbeiten planen die SBB üblicherweise in den ersten Monaten, nachdem auf einer Strecke neue Schienen gelegt worden sind.»

Dieser Feinschliff könne erst dann erfolgen, erklärt Dischoe, wenn «eine gewisse Anzahl Züge die Strecke befahren hat». Da die Strecke am Zugersee-Ostufer weiterhin mehr oder weniger einspurig ist, müssen diese Arbeiten in der Betriebsruhe zwischen Mitternacht und 5 Uhr in der Frühe erledigt werden.

Bemerkenswert ist in Bezug auf die verbauten Schienen, dass ihre Form – mit einem Fuss, einem normierten Zwischenstück, auf dem eine Art «Quadratschädel» thront – in den vergangenen 200 Jahren praktisch nicht modifiziert worden sind. Der Franzose Charles Vignoles (1793–1875) hat die Schiene im Auftrag von Robert L. Stevens, dem englischen Bahnpionier, stark verbessert.

Schienenschleifen verlängert deren Lebensdauer

Das Schienenschleifen, so erwähnt der SBB-Sprecher Oliver Dischoe, «erhöht die Laufruhe der Züge». Wie dem «Praxisbuch Fahrbahn» von Markus Barth/Sepp Moser zu entnehmen, ist «regelmässiges Schleifen der Schienen unumgänglich». Diese Schienenbehandlung helfe mit, die Lebensdauer einer Schiene zu verlängern. Die Lebensdauer solcher Stahlbänder für Züge liegt zwischen 15 und 30 Jahren. Barth/Moser schreiben weiter, dass das häufige Schleifen sich rechne, da es Schienenbrüche verhindern helfe.

Etwas verwirrend ist der Flyer der SBB zu den temporär geplanten Bauarbeiten. Dort ist von einem Probebetrieb die Rede. Dieser Ausdruck sei, so Oliver Dischoe, nicht ganz korrekt. Bevor die Strecke am 13. Dezember 2020 wieder nutzbar war, sei die Zeit für Testfahrten sehr knapp gewesen. Dischoe will in diesem Zusammenhang aber auch erwähnt haben, dass «alle vorgeschriebenen Testfahrten» gemacht worden seien. Ein Probebetrieb, so wie ihn die Bundesbahnen zum Beispiel beim Ceneri-Basistunnel zwischen Giubiasco und Lugano aufzogen, sei am Ostufer des Zugersees nicht notwendig gewesen. Der Unternehmenssprecher erläutert den Vorgang:

«Die Strecke am Ostufer ist keine Neubaustrecke. Der neu gebaute, kurze Doppelspurabschnitt verändert die Betriebsabläufe nicht wesentlich, wieso kein Probebetrieb nötig war.»

Mit etwas mehr Lärm müssen zudem die Walchwiler ab dem 1. März bis zum 4. März rechnen. Im Bahnhof machen sich Bauarbeiter jeweils von 19 bis 2 Uhr am Mittelperron zu schaffen. Der SBB-Sprecher präzisiert: «Die Strecke am Zugersee-Ostufer wurde nach Abschluss der Bauarbeiten neu vermessen. Dabei ist festgestellt worden, dass sich die schon vor dem Ausbau bestehende Perronkante in Walchwil seit der letzten Messung vor zehn Jahren leicht in Richtung Gleisbett bewegt hat.» Solche Bewegungen seien in Hanglagen wie auch in der Nähe eines Seeufers gang und gäbe, ergänzt Dischoe seine Ausführungen. Weiter betont er:

«Es bestand zu keiner Zeit ein Sicherheitsrisiko.»

Ebenfalls zum Bauprogramm entlang von Zugersee Ost gehören Korrekturen im Zuger Stadttunnel sowie an der Fahrleitungsanlage. Diese Arbeiten hätten nichts mit den Bauarbeiten während der eineinhalbjährigen Streckensperrung zu tun. Der Firmensprecher betont: «Die Qualität der ausgeführten Bauarbeiten ist gut, und es sind keinerlei Mängel oder Sicherheitsdefizite vorhanden.»