ÖFFENTLICHER VERKEHR: Die längste Buslinie der ZVB ist bald Geschichte

Der Kanton will die längste Buslinie im Netz der Zugerland Verkehrsbetriebe aufsplitten. Ein anderer Kniff der Planer ermöglicht es, den Viertelstundentakt am Sonntag auszuweiten.

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Die Buslinie 8, sie verbindet im Langlauf Rotkreuz mit Baar, wird im Dezember in drei Linien aufgeteilt. (Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg See, 29. Mai 2017))

Die Buslinie 8, sie verbindet im Langlauf Rotkreuz mit Baar, wird im Dezember in drei Linien aufgeteilt. (Bild: Stefan Kaiser (Hünenberg See, 29. Mai 2017))

Marco Morosoli
marco.morosoli@zugerzeitung.ch

«Infolge hohen Verkehrsaufkommens in Cham ist auf der Linie 8 mit Verspätungen zu rechnen. Dauer: von 17.05 bis 19.05 Uhr.» Wer den Verspätungsalarm der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB) aufgeschaltet hat, bekommt diese Meldung an jedem Werktag. Und das jahrein, jahraus jeweils kurz vor der abendlichen Hauptverkehrszeit. Jetzt ist dem Kanton als Besteller der Buslinie Nummer 8, welche Rotkreuz und Baar verbindet und unterwegs durch Cham und Steinhausen fährt, der Kragen geplatzt. «Die Busse dieser Linie sind manchmal so massiv verspätet, dass Zusatzbusse eingesetzt werden müssen. Das kostet Geld», sagt Hans-Kaspar Weber. Er ist Leiter des Amtes für öffentlichen Verkehr. Trotz dieser täglichen Improvisationen seitens der ZVB kommt es aber immer noch zu Anschlussbrüchen, will heissen: Kunden verpassen die Stadtbahn oder andere Verbindungen. Für Weber ist das ein «schlechter Service für den Kunden».



Um diesem Dauerärger Einhalt zu gebieten, soll die Linie 8, sie ist die Buslinie mit dem längsten Laufweg im Kanton, zum nächsten Fahrplanwechsel am 10. Dezember aufgesplittet werden. Der bisherige Abschnitt Rotkreuz–Cham wird neu als Linie 48 isoliert im Viertelstundentakt betrieben. Ihr Laufweg zwischen den beiden Bahnhöfen führt neu durch das Gewerbegebiet Bösch. Im Normalbetrieb fährt dieser Bus dann als Linie 43 weiter zum Chamer Weiler Rumentikon.

 

«Sechser» fährt ab Dezember nach Cham

Auf dem Achter-Linienast Cham–Steinhausen besteht derzeit ein Parallelangebot, da auch die Linien 7 (Cham–Steinhausen–Zug) und 6 (Steinhausen–Zug) dort unterwegs sind. Dieses «Überangebot» wird ab Dezember eliminiert. Die Linie 6 wird neu nicht nur in den Abendstunden und am Sonntag bis nach Cham verlängert, sondern auch an Werktagen. Derweil wird die Linie 7 eingekürzt und verbindet Zug mit dem Industriegebiet Chamerried/Städtlerallmend. Diese Gebiete werden so direkter mit Zug verbunden. Im Chamerried kann jeweils auf den Sechser umgestiegen werden. Für ganz eilige Pendler gibt es die Stadtbahn zwischen Cham und Zug, deren Fahrplan sich nicht ändert.

Zu guter Letzt wird auch der derzeitige «Achter»-Abschnitt Steinhausen nach Baar neu als Linie 36 geführt. Er fährt von Steinhausen Sennweid auf dem bisherigen Laufweg zum Baarer Bahnhof. Damit verschwindet die Buslinie 8 aus dem Fahrplan. Weiterhin gibt es zu den Stosszeiten am Morgen und am Abend die Buslinie 16, die Steinhausen mit Zug verbindet. Dieses Verkehrsregime ist, wie Hans-Kaspar Weber feststellt, wohl so lange gültig, bis die Umfahrung Cham-Hünenberg fertig ist. Das Projekt ist derzeit durch Einsprachen blockiert. «Die jetzt angedachte Lösung ist pünktlicher», verspricht Hans-Kaspar Weber.

Laufwege von zwei Buslinien werden erweitert

Durchbinden von Buslinien ist auch in der Stadt Zug und in Rotkreuz Trumpf. Die Linien 14 (Inwil–Arbach–Zug) und 12 (Zug–Gimenen) werden verknüpft und zeitlich versetzt angeboten. Das hilft den Kostendeckungsgrad zu verbessern und ermöglicht am Samstag einen Halbstundentakt. Ebenfalls einen Durchlauf gibt es zwischen den Buslinien 51 (Rotkreuz–Hünenberg) und 52 (Rotreuz–Küntwil). Die Linienführung im Bereich Rony in Hünenberg wird dabei auf Wunsch des Gemeinderates angepasst.

Viertelstundentakt am Sonntag wird ausgedehnt

Im Zuge des kantonalen Sparprogramms ist der Viertelstundentakt am Sonntag begraben worden. Jetzt erlebt er eine Wiederbelebung. Auf dem Ast Zug Metalli–Schönegg ist er am Sonntag bereits seit dem letzten Fahrplanwechsel wieder im Angebot. Jetzt soll der Sechser am Sonntag während des Tages auf dem Ast Steinhausen Birkenhalde und Zug Metalli wieder im Viertelstundentakt verkehren. Diese Busse mit dem eingekürzten Laufweg fahren dabei nach einem kurzen Halt gleich weiter zur Schönegg. Wie Weber bestätigt, sei ein Nachfragepotenzial vorhanden, wenn «wenigstens die am meisten gefragte Verbindung verbessert wird». Diese Lösung hat den Vorteil, dass das lange Warten für die Passagiere der Linie 11 (Zug St. Johannes–Schönegg) wegfällt. Zudem können Reisende im Korridor Steinhausen–Zug, die nach Baar, ins Ägerital, Menzingen und umgekehrt unterwegs sind, von kürzeren Umsteigezeiten profitieren. Das macht Busreisen am Sonntag wieder attraktiver, verkürzt sich doch das Umsteigefenster im Bahnhof Zug um 15 Minuten.

Der Besteller rechnet mit einem Nullsummenspiel

Noch laufen die Verhandlungen zwischen dem Kanton als Besteller der Busleistungen und den ZVB. «Wir erwarten, dass das neue Angebot nicht mehr kostet als das bisherige», sagt Hans-Kaspar Weber.

Der am Montag vorgestellte Fahrplanentwurf geht nun bis am 18. Juni in die Vernehmlassung. Jedermann kann dazu Stellung beziehen. Allenfalls werden noch Anpassungen vorgenommen. Dann befasst sich der Regierungsrat mit dem Geschäft. Der endgültige Fahrplan ist ab dem 18. Oktober online verfügbar. Im November ist der Kantonsrat im Rahmen der Budgetberatung am Zug. Der Fahrplanwechsel ist auf den 10. Dezember festgesetzt.

Mehr zum Fahrplanentwurf auf: www.fahrplanentwurf.ch