Öffentlicher Verkehr in Zug: Optimieren sorgt auch für Verlierer

Die Stadtbahn S2 bedient das Zugersee-Ostufer an Werktagen jede halbe Stunde. Deshalb fahren weniger Busse.

Marco Morosoli
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Halte bei der Haltestelle Oberwil Räbmatt sind im neuen Fahrplan ab dem 13. Dezember seltener.

Halte bei der Haltestelle Oberwil Räbmatt sind im neuen Fahrplan ab dem 13. Dezember seltener.

Bild: Patrick Hürlimann (Zug, 9. November 2020)

Es kommt sehr häufig vor, dass Menschen für etwas kämpfen, das lange Zeit da war, aber irgendwie regelmässig vergessen ging. Ins Bewusstsein zurück kommt diese Angelegenheit – in diesem Falle bei den potenziellen ÖV-Nutzern – erst, wenn sie ein Ablaufdatum hat. Der Stein des Anstosses: Mit dem Ende des Ausbaus der SBB-Strecke am Ostufer des Zugersees am 13.Dezember ist der Halbstundentakt zwischen Oberwil und Walchwil Geschichte.

Die südlichen Quartiere von Oberwil verlieren dadurch fast die Hälfte ihrer Verbindungen von und nach Zug. Mit dieser Problematik hat sich der Stadtrat von Zug in diesem Jahr bereits zweimal aufgrund von Postulaten auseinandergesetzt. Die SVP reichte im März einen diesbezüglichen Vorstoss ein. Die FDP zog Ende Juni nach.

Drei verschiedene Lösungen durchgerechnet

Bei der Antwort, welche der Zuger Stadtrat am 27. Oktober verabschiedete, liegen jetzt gar noch drei verschiedene Modelle vor. Die «Deluxe-Lösung» umfasst einen siebentägigen Halbstundentakt bis am Abend um 19 Uhr. Am Sonntag wäre bereits eine Stunde früher Schluss mit dem Halbstundenfahr­service. Die zweite Angebotsvariante böte am Morgen, Mittag und Abend zu den Pendlerzeiten mehr Bus für Oberwils Süden. Eine abgespeckte Variante sähe am Morgen und am Abend jeweils drei Verbindungen zum bereits bestehenden Stundentakt am Ostufer des Zugersees vor. Die Kostennote für diese Mehr-Bus-Variante ist dem Vorstoss auch gleich angehängt. Das teuerste Fahrregime schlägt mit rund einer halben Million Franken zu Buche. Das «Billig-Modell» wäre für 146000 Franken zu haben.

Interessant ist bei den Antworten des Zuger Stadtrats, wie detailliert sie ausgefallen sind. Beim FDP-Vorstoss rechnet die Stadt vor, dass an den drei Haltestellen Oberwil Räbmatt, Oberwil Murpfli und Walchwil Lotenbach im Tagesgang lediglich 44 Reisende ein- und deren 43 aussteigen. Gemäss der Auslegeordnung des Stadtrats bedienen Busse diese Haltepunkte 66-mal. Nach dem Fahrplanwechsel sind es noch 38 Halte südlich von Oberwil. Weiter ist im Papier zur Beantwortung des FDP-Vorstosses zu lesen, dass die kantonalen Fachstellen davon ausgehen, dass rund 80 Prozent der ÖV-Nutzer in diesem Gebiet dem Bus treu bleiben. Der Rest bewege sich mit dem Velo in Richtung Oberwil Bahnhof. Dort fährt viertelstündlich ein Bus zur Haltestelle beim Metalli-Zentrum. Dazu kommen – an Werktagen – noch die Verbindungen mit der Stadtbahn S2. Diese schnelle Verbindung gibt es ab dem Fahrplanwechsel am 13. Dezember im Halbstundentakt zwischen Walchwil und Baar Lindenpark. Die Züge halten ab diesem Datum auch regelmässig in Walchwil Hörndli.

Eine weitere Überlegung, welche die Stadt Zug auch noch ins Feld führt, ist der tiefe Kostendeckungsgrad. Der Stadtrat schreibt dazu: «Bei all diesen Varianten sind die finanziellen Ausgaben aufgrund der dargelegten sehr niedrigen Nachfrage durch die Billettverkäufe nicht refinanzierbar. Jedes zusätzliche Angebot wäre sehr stark defizitär.»

Die Stadt will keine Begehrlichkeiten schaffen

Die Schwelle liegt gemeinhin bei 40 Prozent Kostendeckungsgrad. Diesen Wert könnte das Angebot Zug Oberwil Süd nicht erreichen, wie der Stadtrat vorrechnet. Dabei denkt er nicht nur ans Portemonnaie, wenn er schreibt: «Auch darf die präjudizielle Wirkung auf die übrigen Quartiere in der Stadt Zug nicht unterschätzt werden.» Interessant dürfte im Zusammenhang mit der teilweisen Neuordnung der Verkehrsströme am Ostufer des Zugersees sein.

Die gewichtigste Änderung betrifft die Buslinie 5, welche von Walchwil in Richtung Zug über die Oberdorfstrasse geführt wird. Auch hier hat der Kanton angekündigt, genau hinzuschauen, wie sich die Nutzerzahlen bei der Verbindung entwickeln, die die Walchwiler sich so sehr wünschten. Das geschehe jeweils im Rahmen des übergeordneten Leitspruchs, dass der Kanton einen attraktiven, nachfrageorientierten öffentlichen Verkehr wolle. Im aktuellen Oberwiler Fall verlieren drei Haltestellen Abfahrten, aber nicht die Verbindung.