ÖFFENTLICHER VERKEHR: Warum der Flirt verkehrt verkehrt

Bei einigen Stadtbahn-Kompositionen ist die erste Klasse seit kurzem nicht mehr am gewohnten Ort. Die Erklärung dafür überrascht.

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Der enge Kurvenradius beim Bahnhof Zug führt zu einseitiger Abnützung am Fahrwerk der Stadtbahn. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Der enge Kurvenradius beim Bahnhof Zug führt zu einseitiger Abnützung am Fahrwerk der Stadtbahn. (Bild Christof Borner-Keller/Neue ZZ)

Die Zuger Stadtbahn fährt seit dem 11. Dezember 2004 erfolgreich durchs Zugerland wie auch nach Luzern, Erstfeld und Thalwil. Ihr Rückgrat bildet der Flinke Leichte Innovative Regional-Triebzug. Die Zugkomposition ist besser bekannt unter dem Kürzel Flirt.

Das Abteil der ersten Klasse war bei der Stadtbahn seither immer am gleichen Ort zu finden. In Richtung Baar zuhinterst, in Richtung Ennetsee an der Spitze.

Grossteil des Verkehrs auf einer einzigen Strecke
Seit kurzem ist dies nicht mehr so. Die Flirts wurden um 180 Grad gewendet. «Bei einer Kontrolle haben wir festgestellt, dass die Räder auf einer Seite der Flirt-Fahrzeuge stärker abgenutzt wurden», begründet SBB-Sprecher Roman Marti die Massnahme.

Bei jeder Bahn ist das Wenden von Zügen alltäglich, wie Tim Büchele, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Flirt-Produzentin Stadler Rail in Bussnang bestätigt: «Im Normalfall werden Zugkompositionen durch den ordentlichen Betrieb gewendet.» Will heissen: Die Züge sind auf verschiedenen Strecken unterwegs.

Nicht so bei der Zuger Stadtbahn. Stadler-Mitarbeiter Büchele sagt: «Dieses Netz ist insofern aussergewöhnlich, als sich der Grossteil des Verkehrs auf einer einzigen Strecke zwischen Baar - Zug - Rotkreuz - Luzern konzentriert.» Und dieser Umstand hat zu dieser ungleichen Abnützung geführt

Grund könnte dabei der sehr enge Gleisbogen in dem Bahnhof Zug sein, in der die Flirts auf ihrer Fahrt von Baar in den Ennetsee und zurück jeweils anhalten, vermutet SBB-Mann Roman Marti, denn: «Ein solcher Fall wie bei der Zuger Stadtbahn ist bei uns bis jetzt noch nie aufgetreten.»

Ersatzfahrzeuge aus dem Basler Verkehrsverbund
Das Wenden der Zuger Flirts soll, so sagt Büchele, deren Laufleistung verlängern. Zusätzlich wurde die Schmierung der Fahrzeuge verbessert, wie Stadler-Rail-Mitarbeiter Tim Büchele ergänzt: «So kann der Verschleiss verkleinert werden.»

Gegenwärtig sind zudem einige Fahrzeuge der Zuger Stadtbahn in Revision, weshalb Ersatzfahrzeuge aus dem Basler Verkehrsverbund im Zugerland unterwegs sind.

Marco Morosoli

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Dienstag in der Neuen Zuger Zeitung.