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Bei den Ladenöffnungszeiten im Kanton Zug fehlt der Konsens

Die Initiative «+1» der bürgerlichen Jungparteien fordert, dass Läden im Kanton Zug abends eine Stunde länger offen haben können. Pikant: Während Gewerbeverband und die Vereinigung Pro Zug den Vorstoss unterstützen, weisen ihn viele Detailhändler entschieden zurück.
Laura Sibold
Längere Öffnungszeiten haben in Zug (im Bild die Neustadt-Passage) einen schweren Stand. Besonders kleinere Betriebe wehren sich, während Grossverteiler für eine Liberalisierung sind. (Bild: Patrick Hürlimann, Zug, 18. Oktober 2019)

Längere Öffnungszeiten haben in Zug (im Bild die Neustadt-Passage) einen schweren Stand. Besonders kleinere Betriebe wehren sich, während Grossverteiler für eine Liberalisierung sind. (Bild: Patrick Hürlimann, Zug, 18. Oktober 2019)

Werktags bis 20 Uhr, samstags bis 18 Uhr: Im Kanton Zug sollen die Läden eine Stunde länger offen haben. Dies fordert die Initiative «+1» der bürgerlichen Jungparteien, die am 30. September eingereicht worden ist. Innerhalb dieser Zeit könnten Ladenbesitzer ihre Öffnungszeiten weiterhin flexibel gestalten. Die Jungparteien rechtfertigten ihren Vorstoss mit dem veränderten Kundenbedürfnis – auch Zuger würden abends länger einkaufen wollen. Doch was sagen Gewerbler, Angestellte und Detailhändler zur Forderung?

Eine Umfrage in über 15 Stadtzuger Läden fördert viel Skepsis zu Tage. Ob Coiffeursalon, Schmuck-Familienbetrieb, Schuhgeschäft oder grosse Kleidermarke – für alle steht fest, dass längere Öffnungszeiten in Zug nichts bringen. «Wir können nicht noch länger offen haben. Das würde vom Umsatz her nicht rentieren», sagt etwa Manuela Elsener, die im «Naegeli Tabakfass» in der Einkaufsallee Metalli arbeitet.

Kundenbedürfnis scheint nur begrenzt vorhanden zu sein

Ähnlich klingt es in der Neustadt-Passage. Ab 18 Uhr kämen nur noch wenige Kunden und der Abendverkauf lohne sich kaum mehr, betont Myriam Auf der Maur, Verkäuferin im Uhren- und Schmuckgeschäft Victoria. «Die kleinen Läden müssen so schon ums Überleben kämpfen. Mit längeren Öffnungszeiten würden nicht die Einnahmen steigen, sondern die Personalkosten.» Man müsste neue Leute einstellen oder Schichten einführen, mutmasst Auf der Maur. Zudem würde die Freizeit leiden. Arbeitskollegin Selina Dietrich pflichtet ihr bei: «Dann habe ich noch weniger Zeit für meine Familie.»

Mit Unverständnis reagieren auch diverse Modegeschäfte entlang der Bahnhofstrasse. «Vor 10 Uhr morgens und nach 17 Uhr abends läuft bei uns fast nichts», sagt Schuhverkäuferin Maria Barbara Pungitore. Seit Juni habe man daher den Abendverkauf eingestellt. Und auch Biljana Pumpalovic, die bei einer grossen Kleidermarke arbeitet, bestätigt:

«Bei uns kämen nicht mehr Kunden, wenn wir eine Stunde länger offen hätten. Falls die Initiative durchkommt, müssten wir uns wohl aber anpassen, weil auch die Konkurrenz bis 20 Uhr offen hätte.»

In der Altstadt und Zeughausgasse ist es ums Einkaufen generell schlecht bestellt. «Seit Post und Stadtverwaltung ausgezogen sind, fehlen uns Kunden», bedauert Heidi Niederröst vom Einrichtungsladen Scan. Sie sei klar gegen die Initiative. Dasselbe sagen Diana Schläpfer von der Boutique Inkognito und Frieda Bucher, die in der Altstadt den Coiffeursalon Lifestyle führt. Ein paar Meter weiter wünscht sich ein Detailhändler mehr Flexibilität. Bei Anlässen wie der Jazz-Night oder dem Märlisunntig würde es sich für die Altstadt-Läden lohnen, spontan zu öffnen.

Eine andere Idee kommt im Modegeschäft The Dressing Room am Kolinplatz zur Sprache. «Täglich bis 20 Uhr offen zu haben, würde nicht rentieren. Aber ein Abendverkauf pro Monat in der Altstadt wäre als Versuch sinnvoll», schlägt Geschäftsführerin Gunita Derungs vor. Die Idee wird von der IG Freunde der Zuger Altstadt geprüft, wie Christoph Utesch weiss. Er ist Inhaber von Event Optik Zug und steht der Initiative «+1» ebenfalls skeptisch gegenüber. «Die Möglichkeit längere Öffnungszeiten zu bieten, finde ich gut. Ich bezweifle aber, dass sich viele Läden anpassen würden», so Utesch. Denn es gebe keinen Bedarf, abends noch eine Brille oder einen anderen Gegenstand zu kaufen. Einzig Lebensmittel wolle man am Abend noch erwerben.

«Statt klagen mit Initiative einen Versuch wagen»

Ein Blick auf Tankstellen und Geschäfte im Bahnhof stützt diese These. Tankstellenshops und Bahnhofsläden sind nicht dem Ruhetags- und Ladenöffnungsgesetz unterworfen, sondern richten sich nach dem Arbeitsgesetz. Entsprechend können sie länger offen haben, was sich auszahlt, wie Trigona Zuka, die im Coop am Bahnhof Zug arbeitet, verrät. «Am meisten Umsatz machen wir frühmorgens oder abends – immer dann, wenn die anderen Läden geschlossen haben.» Gestopft voll sei die Coop-Filiale jeweils abends zwischen 19 und 21 Uhr, dann wolle jeder noch rasch etwas einkaufen. Gearbeitet werde im Zwei-Schichtbetrieb, wobei die Morgenschichten deutlich beliebter seien als jene bis 22 Uhr.

Längere Öffnungszeiten seien ein Kundenbedürfnis, teilen die Grossverteiler Coop und Migros mit.

«Im Kanton Zug würden wir eine zeitgemässe, moderate Anpassung der Ladenschlusszeiten an Samstagen und an den Abenden unter der Woche begrüssen», sagt Migros-Mediensprecherin Lisa Savenberg.

Gerade am Samstag mache man an anderen Standorten gute Erfahrungen mit Öffnungszeiten bis 18 Uhr. Darüber hinaus würden Einsätze in den Abendstunden von Studenten oder Teilzeit-Mitarbeitenden geschätzt.

Ähnlicher Meinung wie die Grossverteiler sind zwei Interessenvertreter des Gewerbes. «Das Bedürfnis eine Stunde länger einkaufen zu können, ist vorhanden. Neue Familienstrukturen und geänderte Arbeitsformen bezeugen dies», betont Roland Staerkle, Präsident des Gewerbeverbandes Kanton Zug. Um das lokale Gewerbe zu fördern, unterstütze man die Initiative «+1». Auch die Dachorganisation der Zuger Geschäfte, die Vereinigung Pro Zug, steht hinter dem Vorstoss. Präsidentin Johanna Margraf sagt: «Die Initiative ist eine Chance. Wir wollen den Kunden die Möglichkeit geben, zu anderen Zeiten einzukaufen. Die Läden könnten ihre Öffnungszeiten weiterhin selber bestimmen.» Statt sich über fehlende Kundschaft und schwindende Erträge zu beklagen, könne man mit der Initiative einen Versuch wagen. Der Vorstoss ist für die Kantonsratssitzung am 31. Oktober traktandiert.

Luzern ist restriktiver, zehn Kantone liberaler

(ls) Bezüglich Öffnungszeiten ist die Schweiz ein Flickenteppich. Acht Kantone haben keine eigene Regelung und richten sich nach dem Arbeitsgesetz, wonach Läden von Montag bis Samstag von 6 und 23 Uhr öffnen können. Dazu zählen Zürich, Aargau, Baselland, Appenzell Innerrhoden, Glarus, Schwyz sowie Ob- und Nidwalden. Auch Bern und Thurgau sind liberaler als der Kanton Zug. In der Zentralschweiz haben neben Zug nur Luzern und Uri ein eigenes Gesetz.

Luzern hat das restriktivste Ladenschlussgesetz der Schweiz: Werktags schliessen die Läden um 18.30 Uhr, samstags bereits um 16 Uhr. Nun liegt jedoch ein Kompromiss vor: An einer seiner nächsten Sitzungen wird der Luzerner Kantonsrat in erster Lesung über die minimale Änderung des Ladenschlussgesetzes von plus 30 Minuten beraten. Demnach sollen Luzerner künftig von Montag bis Freitag bis 19 Uhr und am Samstag bis 17 Uhr einkaufen können, dafür im Gegenzug auf den zweiten Abendverkauf verzichten müssen (Ausgabe vom 10. Oktober).

Auch im Kanton Zug ist die Forderung nach längeren Ladenöffnungszeiten eine altbekannte. Allerdings schoben die Zugerinnen und Zuger einer Ausweitung der Öffnungszeiten bereits 1997 und 2002 den Riegel. 2002 lehnten die Einwohner eine Liberalisierung mit 54,5 Prozent der Stimmen knapp ab. Der letzte Versuch einer einheitlichen nationalen Regelung scheiterte 2016: Der Ständerat versenkte eine Vorlage, die landesweit Öffnungszeiten wochentags zwischen 6 bis 20 Uhr und samstags von 6 bis 18 Uhr ermöglichen wollte. Seither wird in den Kantonen regelmässig über das Thema abgestimmt.

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