ÖKIHÖFE: Fremde sollen draussen bleiben

Zuger sind vorbildliche Recycler. Grosszügige Sammelstellen erleichtern dies. Diese locken auch viele Auswärtige an.

Wolfgang Holz
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Nicht alle sind Zuger: Auch gestern herrschte grosser Andrang von Abfallentsorgern im Chamer Ökihof. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Nicht alle sind Zuger: Auch gestern herrschte grosser Andrang von Abfallentsorgern im Chamer Ökihof. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Wer nach Weihnachten auf der Sinserstrasse Richtung Cham gefahren ist, musste sich die Augen reiben. Es gab einen regelrechten Rückstau von Autos, die den Ökihof ansteuerten – so viele wollten ihren Abfall loswerden. Der Recycling-Platz in der Furenmatt ist besonders beliebt – kann man doch mit dem Wagen bis direkt vor die Container fahren und dort dann seinen Abfall wegkippen. Hilfsbereite und gut gelaunte Mitarbeiter tragen dazu bei, dass nicht nur Chamer gerne diese moderne Sammelstelle in Lindencham anfahren. Auch Stadtzuger wurden schon gesehen.

15 bis 20 Prozent Auswärtige

Vor allem aber nutzen sehr viele aus dem Freiamt den Ökihof jenseits der Kantonsgrenze, um ihren Müll gratis zu recyceln. Grund: Im nahen Sins betreibt die Gemeinde noch immer keine eigene Wertstoff-Sammelstelle. Dabei kreuzen nicht nur Aargauer, sondern auch Luzerner und Zürcher regelmässig im Ennetsee auf, wenn man sich die Kennzeichen der dort geparkten Autos anschaut. «Bei 15 bis 20 Prozent liegt der Anteil an fremden Ökihof-Besuchern», bestätigt der Chamer Gemeinderat Markus Baumann den Trend.

Kontrollen nicht nur für Aargauer

Doch damit soll nun Schluss sein. «In einer konzertierten Aktion mit anderen Ökihöfen im Kanton Zug wollen wir ab dem Frühjahr Massnahmen einleiten, dass möglichst keine Auswärtigen mehr Zuger Sammelstellen anfahren», so Baumann. Dabei werde zuerst auf Information gesetzt. Es soll aber auch Kontrollen geben. «Denn schliesslich haben wir inzwischen ein massives Kapazitätsproblem. Zudem sollen eben auch nur die unsere Ökihöfe nutzen, die diese mit ihren Steuern finanzieren.»

Nicht nur der Chamer Ökihof wird von zahlreichen Abfall-Touristen aus anderen Kantonen heimgesucht. Auch andere Zuger Ökihöfe werden laut Zeba – dem Zweckverband der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen – bevölkert. Die Ökihöfe in Unterägeri und Walchwil von Schwyzern, in Risch von Luzernern und Schwyzern, in Baar von Zürchern.

Dabei sind die Zuger selbst schon fleissige Abfallverwerter und tauchen regelmässig in ihren Ökihöfen auf. Schliesslich werden zwei Drittel aller Abfälle in Zug recycliert – der Schweizer Durchschnitt liegt nur bei 48 Prozent. Unterm Strich entsorgte die Zeba in den zwölf Zuger Ökihöfen, deren flächendeckende Entsorgungsidee ab Mitte der 90er-Jahre umgesetzt wurde, im Jahr 2011 rund 55 000 Tonnen Abfall.

Sins soll – und wird bauen

An dieser Menge wird sich laut Zeba-Geschäftsführer Hans-Ulrich Schwarzenbach wohl nichts im abgelaufenen Jahr geändert haben – für das die aktuellen Zahlen noch nicht vorliegen. «Zwar wird es brutto etwas mehr Abfall sein, doch wir haben auch den Bevölkerungszuwachs zu berücksichtigen.» Grundsätzlich macht er klar, dass die Zuger Ökihöfe «technisch bei der Entsorgung am Anschlag» seien. Die Pressen würden rund um die Uhr laufen. «Andere Gemeinden wie etwa Sins oder Mettmenstetten müssen deshalb endlich selbst Ökihöfe bauen», so Schwarzenbach. Und nicht nur das. Er nimmt auch den Handel in die Pflicht. «Ideal wäre es, wenn es bei jedem grösseren Einkaufszentrum entsprechende Entsorgungssysteme gäbe – dann wären die Ökihöfe entlastet.»

Und tatsächlich. Die Nachbargemeinden erhören den Wunsch der Zeba. «Wir werden in Sins noch diesen Frühling ein Provisorium für einen Ökihof realisieren. Den Standort haben wir bereits. Es steht aber noch nicht fest, mit wem wir zusammenarbeiten werden», versichert auf Anfrage Gemeindeammann Josef Huwiler.