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ÖV: Noch sorgt die neue rote Karte für manch rote Köpfe

Seit 1. Juni gibt es den Swiss Pass. Damit kann man Zug und Bus fahren. Wie ein Selbstversuch zeigt, ist das neue Angebot noch nicht das Gelbe vom Ei.
Marco Morosoli
Hat schon einen Swiss Pass und hat ihn kritisch unter die Lupe genommen: unser ÖV-Experte Marco Morosoli. (Bild: .Bild Maria Schmid)

Hat schon einen Swiss Pass und hat ihn kritisch unter die Lupe genommen: unser ÖV-Experte Marco Morosoli. (Bild: .Bild Maria Schmid)

Marco Morosoli

Nutzer des öffentlichen Verkehrs zeigen seit Anfang Juni Kondukteuren, Busfahrern und Kontrolleuren immer öfter die rote Karte. Damit wollen sie aber nicht etwa ihr Missfallen über das Angebot kundtun, sondern sie sind die ersten Besitzer eines Swiss Pass. Diesen in roter Farbe gehaltenen Ausweis – auf ihm prangen klitzekleine Schweizerkreuze – erhalten ab dem 1. August alle, welche ihr Halbtax- oder Generalabonnement ersetzen. Einige ausgewählte Vielfahrer haben den neuen Pass bei der Verlängerung ihres SBB-Generalabonnements schon früher erhalten. Der Schreibende gehört zu ihnen.

Sichtkontrollen nicht mehr möglich

Wer die «rote Karte» zeigt, hört dabei immer wieder dieselbe Äusserung: «Ich musste bis jetzt noch nie einen solchen Pass kontrollieren.» Kaum hat er das gesagt, nimmt er sein Mobiltelefon in die Hand und versucht, die Karte zu überprüfen. Früher war es möglich, den Ausweis in seinem Behältnis zu lassen. Mit dem Swiss Pass sind Sichtkontrollen nicht mehr möglich. Auf diesem prangt zwar ein Bild des Nutzers, auch der Name wie auch das Geburtsdatum sind darauf zu finden. Nicht jedoch, ob der Pass gültig ist oder nicht.

Datenschützer misstrauisch

Es ist auch nicht ersichtlich, ob die Fahrberechtigung für die 2. oder aber für die 1. Klasse Gültigkeit besitzt. Diese Informationen sind nur noch «virtuell» in einem Grossrechner irgendwo auf der Welt gespeichert. Das hat Datenschützer auch schon auf den Plan gerufen, dass mit dem neuen Abonnement der «gläserne Reisende» Wirklichkeit wird. Allerdings muss hier angefügt werden: Es werden wohl Namen wie auch der Zug, der genutzt wird, gespeichert, aber nicht wohin die Reise geht. Bei mehrmaligem Umsteigen kann aber mit den gesammelten Daten ein Bewegungsprofil erstellt werden.

Schnell wird zudem eines klar: Die Kontrolle dauert sicher viel länger als beim blauen Ausweis. Das zeigt eine Fahrt von Zug nach Rotkreuz.

Kondukteur bewahrt die Ruhe

Der Kondukteur zückt sein Mobiltelefon, hält den Swiss Pass wie in der Instruktionsanweisung verlangt an dessen Rückseite. Laut seiner Aussage, sollten jetzt die nötigen Informationen auf dem Display des Handys erscheinen. Aber trotz wiederholten Versuchen funktioniert die Kontrolle nicht. Der etwas ältere Zugchef mit einem Deutsch mit italienischem Akzent lässt sich aber nicht ins Boxhorn jagen. Er sagt: «Mein Arbeitgeber verlangt, dass ich das mache. Also mache ich es.» Und er nimmt es locker, versucht es immer wieder. Kurz vor Rotkreuz hat der Swiss-Pass-Inhaber dann die Bestätigung: Er darf in der 1. Klasse sitzen und hat auch einen gültigen Freipass auf dem Netz des öffentlichen Verkehrs in der ganzen Schweiz.

ZVB noch keine Kontrolle möglich

Bei den Zugerland Verkehrsbetrieben (ZVB) ist derzeit eine Kontrolle noch nicht möglich. Ein Busfahrer, dem der Schreibende seinen Freipass zeigt, schmunzelt und sagt: «Halten Sie doch ihre Karte auf dieses Terminal.» Und er fügt später an: «Das Gerät ist aber noch nicht in Betrieb.» Dies bestätigt auch die ZVB-Mediensprecherin Kathrin Howald: «Der Busfahrer weiss aber, dass diese Kartennutzer ein gültiges Ticket haben.» Da, wie sie anfügt, Generalabonnemente in dieser Form ja erst seit Juni ausgestellt werden. Ab dem 1. August kommen aber sukzessive auch die Halbtaxabonnemente hinzu. Bis zum Start werden nicht alle Busse mit den neuen Terminals ausgerüstet sein, wie Howald sagt: «Die ZVB rüsten ihre gesamte Fahrzeugflotte mit Swiss-Pass-Lesegeräten aus. Der Umbau der Fahrzeuge kann nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern braucht ungefähr zwei Monate.» Schneller im Einsatz werden die mobilen Geräte sein.

Dabei kommt der ZVB zupass, dass so oder so ihre Verkaufsgeräte in den Fahrzeugen altershalber hätten ersetzt werden müssen. So sei es, wie Howald sagt, bis jetzt nicht möglich, im Bus einen Z-Pass auszustellen. «Wir müssen für die Umstellung eine Summe im tieferen sechstelligen Bereich einsetzen.» Das heisst, bald heisst es auch in den ZVB-Bussen, die rote Karte zu zücken. Was derzeit noch gewöhnungsbedürftig ist, dürfte bald keinem mehr etwas ausmachen. Schade ist eigentlich nur, dass sich ein Erstklass- und ein Zweitklass-Generalabonnement nicht mehr unterscheiden. Die Uniformität hat auch hier gesiegt. Schade.

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