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Die Zuger Reformierten könnten sich Trauungen von gleichgeschlechtlichen Paaren vorstellen

Die Ehe für alle wird bei den Reformierten national heiss diskutiert – die meisten Zuger Kirchen zeigen sich offen.
Fabian Gubser
Die Ehe für alle sorgt für viel Diskussion in den Zuger Kirchen. (Bild: Anthony Anex/Keystone, Bern, 1. Juli 2018)

Die Ehe für alle sorgt für viel Diskussion in den Zuger Kirchen.
(Bild: Anthony Anex/Keystone, Bern, 1. Juli 2018)

In der Schweiz können nur Paare, die bereits zivil geheiratet haben, kirchlich getraut werden. Das heisst: Selbst wenn die Kirchen wollten, dürften sie zurzeit Schwule und Lesben nicht trauen – denn homosexuelle Paare dürfen in der Schweiz nicht zivil heiraten (siehe Box). Stattdessen bieten gewisse Kirchen sogenannte Segensfeiern an, die Hochzeiten ähneln.

Vor allem bei den Reformierten wird die sogenannte Ehe für alle zurzeit rege diskutiert. Mitte August sprach sich der höchste Reformierte der Schweiz, Gottfried Locher, für die gleichgeschlechtliche Ehe aus. Locher ist Präsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (SEK). Im Juni beschäftigte sich der SEK intern mit der Frage nach der Ehe für alle. Der Schlussbericht der Arbeitsgruppe zeigte, dass die Reformierten gespalten sind. Darin ist unter anderem zu lesen: «Die Frage hat das Potenzial, unsere Kirchengemeinschaft langfristig zu belasten und zu schädigen.» Am Donnerstag, 29. August, teilte der SEK seinen Entscheid mit: Er hat in seiner Sitzung beschlossen, die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare auf zivilrechtlicher Ebene zu befürworten.

«Fürbitte und Segen sind nicht geschlechtsabhängig»

Wie steht die Reformierte Kirche des Kantons Zug zur Ehe für alle? Auf Anfrage teilen Vertreter mit, dass der eigene Pfarrkonvent in einer internen Stellungnahme die «Mutlosigkeit» und «Vagheit» des erwähnten Berichts des SEK-Rats kritisiert habe. «Wir warten das neue Papier ab und werden uns dann eingehend damit beschäftigen.» Die Zuger Reformierten schreiben in ihrer Stellungnahme, dass man selbst bis jetzt noch keine Position bezüglich der Ehe für alle erarbeitet habe.

Die Vertreter zeigen sich jedoch offen gegenüber Segnungsfeiern für Homosexuelle: Solche gebe es auch in Zug – «selbstverständlich.» Allerdings kommt dies selten vor: seit den 90er-Jahren alle drei bis vier Jahre. Wenn in der Schweiz gleichgeschlechtliche Paare zivil heiraten dürften, wären die Zuger Reformierten sogar auch für eine kirchliche Hochzeit offen. Die Vertreter erklären: «Ein Traugottesdienst ist Fürbitte und Segen für das Paar, in der Hoffnung, dass es den gemeinsamen Weg gut zu gestalten vermag. Grundsätzlich sind Fürbitte und Segen nicht geschlechtsabhängig.»

Rechtskommission will Ehe für alle

Gleichgeschlechtliche Paare dürfen in der Schweiz nicht heiraten. Zurzeit steht homosexuellen Paaren die Möglichkeit für eine eingetragene Partnerschaft offen. Diese ist aber nicht mit denselben Rechten und Pflichten verbunden. Sie erlaubt im Vergleich zur Heirat beispielsweise keine erleichterte Einbürgerung. Zudem besteht in eingetragenen Partnerschaften kein Recht auf die gemeinschaftliche Adoption von Kindern.

Dies soll sich nun ändern. Im Februar hat die Rechtskommission des Nationalrats laut einem Bericht der «Neuen Zürcher Zeitung» mit 19 zu 4 Stimmen bei einer Enthaltung deutlich für ein Gesetz gestimmt, welche die Ehe für alle ermöglichen soll. Ausgeklammert wurde dabei die Frage nach der Samenspende für lesbische Frauen. Dies, weil die Kommission eine Ungleichbehandlung zwischen lesbischen und schwulen Ehepaaren befürchtete. Bis der Gesetzesvorschlag die Räte und allenfalls eine Volksabstimmung durchlaufen hat, werde es noch mehrere Jahre dauern.

Konservative Kreise wehren sich

Konservative Kreise wie die Schweizerische Evangelische Allianz wehren sich gegen eine Öffnung der Ehe. In einer Mitteilung vom Juni schrieb die Allianz, dass die Ehe für alle dem Kindeswohl widerspreche. Die Allianz hat auch Mitglieder in Zug. Diese hingegen sind noch unentschlossen und vorsichtig, wie etwa die Freikirche Christlicher Treffpunkt Zug-Baar. Sie zählt ungefähr 130 Mitglieder. Pfarrer Daniel Bishop sagt: «Ich habe homosexuell empfindende Freunde und auch homosexuell empfindende Leute im Gottesdienst.» Die Ehe für alle werde in seiner Kirche zurzeit nicht diskutiert– zu emotional geladen sei das Thema. Ausserdem werde man nächstes Jahr bei einer Tagung eines Verbandes von Freikirchen darüber diskutieren.

Anfragen von gleichgeschlechtlichen Paaren für eine Segnung habe er noch keine erhalten. Auch die Evangelischen Freikirche Zug ist Mitglied bei der Allianz. Ihr Pfarrer, Christoph Candrian, hat erst vor zwei Wochen sein Amt angetreten. Was sagt er zur Ehe für alle? «Wir gehen davon aus, dass die Liebe von Gott für alle Menschen gilt. Bei uns sind deshalb alle Menschen uneingeschränkt willkommen.» Aber: Grundsätzlich wolle man die Ehe von Mann und Frau unterstützen. Anfragen für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren hatte er bisher keine. «Sobald eine solche vorliegt, suchen wir zuerst das Gespräch und entscheiden dann, wie wir in der konkreten Situation damit umgehen.» Zu seiner Gemeinde zählen rund 200 Erwachsene.

Das Bistum Basel zeigt sich offen

Und welches ist die Position der Katholischen Kirche Zug? Markus Burri, Gesamtleiter Fachstellen und Mitglied der Konferenz der Leitungspersonen der Pastoralräume, sagt, dass man keine eigene Entscheidungskompetenz habe und sich an die Vorgaben des Bistums Basel halte. «Grundsätzlich bin ich aber überzeugt, dass nichts dagegen spricht, Menschen auf ihrem je eigenen Lebensweg zu segnen. Wie die Praxis bei einzelnen Seelsorgern aussieht, weiss ich allerdings nicht.» Damit meint er auch Segnungen für gleichgeschlechtliche Paare.

Das Bistum Basel unterstützt das Bestreben der Rechtskommission des Nationalrates, die Ehe für alle einzuführen. Hansruedi Huber, Kommunikationsverantwortlicher des Bistums, sagt: «Wir begrüssen die vorgesehenen Regelungen, die homosexuellen Partnerschaften eine stabile und verlässliche rechtliche Absicherung geben. Wichtig ist uns, dass Kinder, die in gleichgeschlechtlichen Partnerschaften aufwachsen, einen rechtlichen Rahmen erhalten, der dem Kindeswohl dient.» Und wie beurteilt das Bistum Segensfeiern? «Diese müssen sich inhaltlich und formal von der kirchlichen Trauung unterscheiden.»

Wie gross dieser Unterschied sein soll, ist offenbar nicht klar geregelt. Als ein Pfarrer in Uri 2014 ein lesbisches Paar segnete – mit Ringen und Trauzeugen – wurde er darauf vom damaligen Churer Bischof zum Rücktritt aufgefordert. Kirchenrat und grosse Teile der Pfarrei stärkten dem Pfarrer vorbehaltlos den Rücken. Nachdem der Pfarrer dem Bischof versprochen hatte, solche Segnungen zu unterlassen, konnte er seinen Posten behalten.

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