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Diese Zugerin baut ein linkes Medienprojekt mit auf

Obwohl es journalistische Neueinsteiger schwer haben, stellt Natalia Widla ein Online-Magazin auf die Beine.
Fabian Gubser
Kann jetzt über Themen schreiben, die sie in anderen Medien vermisst: die Journalistin Natalia Widla. (Bild: Maria Schmid, Zug, 25. Juli 2019)

Kann jetzt über Themen schreiben, die sie in anderen Medien vermisst: die Journalistin Natalia Widla. (Bild: Maria Schmid, Zug, 25. Juli 2019)

Noch nie waren die Hürden kleiner, um journalistisch tätig zu werden: Etwas Handwerks-Wissen und ein Laptop mit Internetzugang genügen. Gleichzeitig war es schon lange nicht mehr so schwierig, dafür Geld zu erhalten: Firmen inserieren heute wegen der höheren Reichweite lieber bei Google und Facebook als bei Online-Medien. Trotzdem gibt es immer wieder neue Gründungen, zum Beispiel 2013 «Zentralplus» in der Zentralschweiz und 2018 die «Repu­blik» in Zürich.

Auch die Zugerin Natalia Widla gehört zu jenen, die sich voller Hoffnung für einen neuen Titel ins Zeug legen: Seit zwei Jahren schreibt die 25-Jährige als Co-Chefredaktorin für das Zürcher Online-Magazin «Das Lamm». Es entstand vor etwa zehn Jahren als Blog, in dem Studierende, viele davon aus dem Bereich der Naturwissenschaften, über «grüne Themen» berichteten.

Widla, die seit einigen Jahren in einer WG in Zürich wohnt, erzählt in der Redaktion der Zuger Zeitung, was sie antreibt: «Ich kann Sachen, die mich interessieren, verfolgen und auch noch halbwegs davon leben. Ich habe die Freiheit, zu machen, was ich will. In der Redaktion haben wir tolle Diskussionen und ich lerne viele spannende Leute kennen.»

Redaktion und Fundraising sind getrennt

Widla, die bereits für «Watson» («dort wurde ich für schlechten Humor bezahlt»), SRF und die «Zuger Zeitung» gearbeitet hatte, kam über ein Inserat zum «Lamm». Dort habe man sich in den letzten zwei Jahren professionalisiert: Man gebe beispielsweise viel auf journalistische Standards wie Unabhängigkeit und deshalb die Trennung von Redaktion und Fundraising.

Auch die Themenauswahl hat sich verändert. «Ein Bekannter bezeichnet das, was wir machen, als‹ activism-journalism›», sagt Widla, auf deren Laptop ein Frauenstreik-Sticker prangt. Scrollt man durch die Website, tauchen tatsächlich viele Kommentare mit eher linker Ausrichtung auf, etwa über die Wohnbedingungen von Armutsbetroffenen. Gleichzeitig fallen auch aufwendig recherchierte Berichte auf, zum Beispiel ein Gespräch mit einem Schweizer Diamantenhändler über nicht rekonstruierbare Lieferketten. Die Montagsmails, kritische Anfragen an Unternehmen, welche die DNA von «Das Lamm» von Anfang an mitprägten, seien auch heute noch wichtiger Bestandteil des Ganzen.

Der Lieblingsartikel von Widla erzählt die Geschichte einer geflüchteten Eritreerin, die sexuelle Gewalt erlebte. Seit Widla in ihrer Teenie-Zeit feministische Literatur in die Hände bekam, interessiert sie sich für Frauenrechte. «Es wurde ein Selbstläufer.» Passend dazu steht auf ihrer Autorenseite, dass sie zurzeit mit ihrem Master in Politikwissenschaften und Genderstudies an der Uni Zürich beschäftigt sei.

Diese Artikel lesen pro Monat rund 16000 bis 18000 Menschen. Um seine Unabhängigkeit zu erhalten, schaltet das als Verein organisierte Projekt keine Werbung. Die Finanzierung übernahmen bis jetzt vor allem Stiftungen und Kleinspenden. Aktuell sei die Unterstützung bis November gesichert. Seit kurzem kann man gegen einen geringen Beitrag Mitglied werden.

Der Verein bezahlt heute sechs fest Angestellte und – wie alle Medien – viele freie Mitarbeitende. Natalia Widla erhält für ihr 50-Prozent-Pensum gerade mal 1700 Franken Lohn. Sie mag ihren Job dennoch: «Selber etwas aufzubauen, ist mega grossartig.»

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