Opferberater spricht über Jugendgewalt

Jugendliche, die Opfer einer Gewalttat geworden sind, leiden oft sehr lange an den Folgen des Geschehenen. Ein Opferberater erklärt, warum.

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Berät Opfer von Gewalt: Rolf Nölkes von triangel in Zug. (Bild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Berät Opfer von Gewalt: Rolf Nölkes von triangel in Zug. (Bild Dominik Hodel/Neue ZZ)

Haben Sie viele Fälle von jugendlichen Gewaltopfern zu betreuen?

Rolf Nölkes: Dass sich jugendliche Gewaltopfer bei uns melden kommt sehr unregelmässig vor. Manchmal gibt es aber ganze Serien von Übergriffen. Im Schnitt melden sich im Jahr etwa 4 bis 8 solcher Opfer bei uns – fast ausschliesslich männliche. Das ist natürlich nur die Spitze des Eisbergs. Gerade bei männlichen, jugendlichen Gewaltopfern ist die Scham über das Vorgefallene sehr gross; viele dieser Opfer ziehen sich zurück. Besorgniserregend ist, dass die Intensität der Gewalt zugenommen hat.

Wie therapieren oder beraten Sie jugendliche Opfer, so dass diese ihr Trauma überwinden können? 

Nölkes: Selbst machen wir keine Therapien mit diesem Personenkreis. Aber wir beraten und begleiten die Opfer in ihrer schwierigen Situation – oft über Jahre. Als Notfallhilfe führen wir oftmals mit traumatisierten Opfern ein «Debriefing» durch – ein strukturiertes psychologisches Gespräch. Damit eunterstützen wir ein schnelleres Bewältigen der oft auftretenden postraumatischen Belastungsstörungen. Bei den «Debriefings» handelt es sich um ein zwei- bis dreistündiges Gespräch, bei dem das Opfer die Gelegenheit bekommt, das Geschehene zu sortieren und neu einzuordnen. Richtig überwinden lassen sich solche Traumata eigentlich nie. Was der Mensch tun kann ist: das Trauma in die eigene Lebensbiographie zu integrieren und lernen, damit umzugehen. 

Haben jugendliche Opfer Angst vor frei herum laufenden Tätern? 

Nölkes: Sicher haben solche Jugendliche weiterhin Angst. Sie ändern ihre Lebensgewohnheiten oft drastisch, gehen nicht mehr aus und ziehen sich von Freunden zurück. 

HINWEIS: Rolf Nölkes (52) ist Sozialarbeiter und Leiter der Opferberatungsstelle «triangel» in Zug. Er ist auch Mitglied des Care-Teams und hat nach dem Zuger Attentat Gruppen-Beratungendurchgeführt.

Interview von Wolfgang Holz

Das ausführliche Interview lesen Sie am Dienstag in der Neuen Zuger Zeitung