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Orgelliteratur im Sinne der Romantik

Für das 5. Konzert der Internationalen Zuger Orgeltage war Olivier Eisenmann Organisator und Interpret zugleich. Eine feste Stamm-Hörerschaft erlebte ein anspruchsvolles, vielseitiges Programm.
Jürg Röthlisberger
Olivier Eisenmann (Archivbild PD)

Olivier Eisenmann (Archivbild PD)

Als bedeutendster und bekanntester Orgel-Komponist des 19. Jahrhunderts gilt wohl der Franzose César Franck (1822–1890). Jedoch hat es Olivier Eisenmann verstanden, in seinem weiteren Umfeld zahlreiche Meister und Kleinmeister zu finden, welche mit ihrer Tonsprache den Bezug zur Romantik ausdrücken. Im gespielten Programm waren dies der Früh­romantiker Felix Mendelssohn (1809–1847), die Spätromantiker Joseph Ermend Bonnal (1880–1944), Sigfrid Karg-Elert (1877–1933) und Josef Bohuslav Foerster (1859–1951), dann der Nachromantiker Joseph Messner (1893–1969) und schliesslich der Neoromantiker Christopher Tumbling (1964–2015).

Als gewichtigstes Werk erschien die «Symphonische Festmusik» Opus 45a von Messner. Die Bearbeitung von Dietmar Klose hatte aus dem Original mit Blechbläsern und Pauken ein reines Orgelwerk gemacht; Olivier Eisenmann spielte es als Schweizer Erstaufführung. Die Bearbeitung liess die Urgestalt in Bezug auf grossräumige Gliederung und Thematik praktisch unverändert. Da die Kirchenorgel von der Klangerzeugung her ja auch ein Blasinstrument ist, konzentrierte sich der Umbau vor allem auf eine angepasste Registrierung, um die angemessene Klarheit des Originals zu erhalten. Ein weiteres Mal bewunderte man die Virtuosität des in Weggis wohnhaften Interpreten. Auch nach jahrzehntelanger Künstlerlaufbahn – es sind die 36. (!) Zuger Orgeltage – scheut er keine Mühe, auch immer wieder neue, höchst anspruchsvolle Notentexte zu erarbeiten.

Die richtige Komposition auf das richtige Orgelwerk: Gerade für die Romantik stellt sich dieses Problem stets erneut. Die behutsam und etwas verzögert ein­setzende Tongebung der Röhrenpneumatik entsprach dem Klangideal des 19. Jahrhunderts. Als die elektrischen Gebläse Ende des 19. Jahrhunderts die vorherige Winderzeugung durch das Trampeln der «Kalkanten» abgelöst hatten, stand der Weg offen für riesige Orgelinstrumente, welche oft Sinfonieorchester nachahmen sollten.

Geschickt die Register gezogen

So weit ist man in der katholischen Pfarrkirche Rotkreuz nie gekommen – vor allem auch deswegen nicht, weil ja die heutigen Instrumente Musik verschiedenster Stilepochen möglichst glaubwürdig wiedergeben sollen. Gemeinsam mit seiner Registrier-Assistentin Verena Steffen wurde Olivier Eisenmann aber klanglich doch fündig. Er erzeugte eine Vielzahl von Kombinationen verschiedenster Stimmungen, welche insbesondere der manchmal etwas unübersichtlichen Thematik einzelner Werke zugutekamen.

Der zu Beginn gespielte Mendelssohn war in dem Sinn kein absoluter Romantiker, als er sich schon als Jüngling intensiv für Barockmusik interessierte, was auch in seinen Kompositionen hörbar ist. Stimmungsvoll und in sich abgerundet wirkten Karg-Elert (trotz etwas aufdringlichem Tremulanten ganz am Schluss) und Foerster mit angemessener Gestaltung der Grossform und der rhythmischen Strukturen. Etwas ungewohnt erschien bei einmaligem Anhören das Themengeflecht von Bonnal. Leicht fassliche Formen – auch in ausgedehntem Fünfvierteltakt – präsentierten die vier Sätze von Tambling ganz am Schluss; sein Kompositionsstil mit dem an sich einfachen Thema eignete sich auch für die Zugabe.

Schon in der Einleitung dankte Olivier Eisenmann der Kirchgemeinde für die immer freundliche Aufnahme, insbesondere durch Nikolaus Jud, der das Publikum in der Einleitung kurz begrüsst hatte.

Hinweis:
6. Konzert der Internationalen Zuger Orgeltage mit Organist Bengt Wittje aus Schweden am Mittwoch, 20. Juni, 20 Uhr in der Pfarr­kirche St. Jakob, Cham.

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