OSTERN: Er weiss wirklich, wie der Hase läuft

Der Baarer Othmar Murer ist Kaninchenzüchter aus Leidenschaft. Ein zu enges Verhältnis pflegt er zu seinen Tieren aber nicht. Denn früher oder später landen die meisten im Kochtopf.

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Der Züchter und sein Rammler: Othmar Murer mit Toni. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Der Züchter und sein Rammler: Othmar Murer mit Toni. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Carmen Desax

Der Osterhase trägt Kleider, geht aufrecht und malocht vor dem Fest so hart wie Akkordarbeiter. Kurz: Er ist mehr Mensch als Tier. Ein realistischeres Hasenbild zeigt sich beim Besuch im Stall von Othmar Murer. Wobei hier genau genommen gar keine Hasen leben, sondern Kaninchen.

Und diese sind in erster Linie Nutztiere. Noch nicht einmal einen Namen tragen die meisten. «Ausser der hier», sagt Murer und zeigt auf einen grossen silbernen Rammler. «Der heisst Toni.» Kaninchenzüchter Murer fühlt sich sichtlich ertappt. Schliesslich verfechte er die Meinung, dass Kaninchen eigentlich keine Namen bräuchten.

Grosse Vertrautheit

Während Murer von seinem langjährigen Hobby erzählt, holt er Toni aus der Box. Er hebt ihn auf einen kleinen Tisch und streicht ihm immer wieder über das weiche, silberne Fell. Man spürt: Nutztier hin oder her zwischen Mensch und Tier besteht eine grosse Vertrautheit.

Toni ist ein Kaninchen der Rasse Champagne-Silber. Damit gehört er zu den mittelgrossen Kaninchen. Neben dieser Rasse besitzt Murer auch Vertreter der Kleinsilber im Farbenschlag blau. Diese sind wesentlich kleiner als Toni. Murer erzählt von seiner Zucht und den Kaninchen mit ebenso grosser Selbstverständlichkeit wie Leidenschaft.

Lieber als Namen verwendet Murer die erreichte Zahl bei Ausstellungen. Von einem besonders erfolgreichen Rammler erzählt er als «mein 97er». Er meint damit, dass dieser 97 von 100 möglichen Punkten erreicht hat. Bewertet werden neben dem Körperbau und der Farbe auch die Pflege und die Gesundheit der Kaninchen. «In dieser Kategorie die Höchstpunktzahl zu erreichen, ist Ehrensache», erklärt Murer.

Schon als Kind ein Züchter

Er habe schon als Kind immer Kaninchen gehabt. Mitglied im ornithologischen Verein Baar und Umgebung sei er seit 1980. Weitere vier Jahre habe es aber gedauert, bis er sich an eine Ausstellung wagte. «Mittlerweilen weiss ich, wie der Hase läuft», meint er mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Zwar rede er viel von der Zucht und den Ausstellungen, das sei aber natürlich nicht die Hauptsache. Es gehe ihm um die Tiere. Er mag sie einfach. «Gute Resultate sind dann aber wie eine Be stätigung für die Mühe und Pflege während des Jahres», sagt der Rentner. Zeit nehmen die Kaninchen nämlich viel in Anspruch. Er sei jeden Tag bei seinen Tieren. Im Sommer dauere es ein bis zwei Stunden, bis er mit allem durch sei. Die Boxen müssen ausgemistet und die Kaninchen gepflegt wie gefüttert werden. «Spontan drei Tage wegfahren, das geht nicht», bringt er es auf den Punkt.

Momentan kümmert sich der Baarer um 13 ausgewachsene Zuchtkaninchen. 18 kleine Kaninchen sind bereits zur Welt gekommen. Die liegen noch im mütterlichen Nest und sind ganz schwarz. «Durchgehend silbrig werden sie erst mit sechs Monaten», erklärt Experte Murer.

Bis im Sommer wird seine Kaninchenfamilie auf 50 Mitglieder anwachsen. «Ich lasse sie so lange wie möglich bei der Mutter», so Murer. Das sei je nach Zibbe verschieden. Zibben werden die weiblichen Kaninchen genannt. Anschliessend gibt es ein erstes Auswahlverfahren, und nach den Ausstellungen wird ein Grossteil der Hasen im Winter geschlachtet. Toni als Zuchtrammler entgeht selbstredend diesem Schicksal.

Kaninchen im Kochtopf

«Wir verwenden alles vom geschlachteten Tier», sagt die Präsidentin des ornithologischen Vereins Baar und Umgebung, Maja Dübendorfer. Spezialisierte Köche geben Kochkurse für das Fleisch, und auch die Felle werden weiterverarbeitet. «Aus den Fellen der Zuchtkaninchen gibt es wunderschöne Produkte», sagt Dübendorfer.

Der Verein setzt sich sowieso für eine ganzheitliche Nutzung ein. So wird die kleine Wiese vor dem kleinen Stall im Sommer gemäht und daraus dann Heu für die Kaninchen gemacht.

Langsam hat Toni genug vom Trubel. Wie ein echtes Modell sei er vor dem Fotoshooting nervös gewesen, meint Murer. «Nun hat er sich beruhigt.» Erschöpft legt Toni sich hin. Die Ostertage werden für ihn sicher nur halb so anstrengend sein wie der heutige Termin. Er wird sich erholen und für die nächste Ausstellung bereit machen. Die schwere Arbeit überlässt er dann doch lieber dem Osterhasen.