Interview

Sportzentrum OYM in Cham: Hans-Peter Strebel könnte schon morgen mit loslegen

Die Coronavirus-Pandemie bremst die Betreiber des Sportzentrums OYM in Cham. Jetzt liegt ein Konzept vor, wie ein Start möglich wäre.

Marco Morosoli
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Bauarbeiter legen bei der Umgebungsgestaltung des OYM-Gebäudes in Cham Hand an.

Bauarbeiter legen bei der Umgebungsgestaltung des OYM-Gebäudes in Cham Hand an.

Bild: Matthias Jurt (Cham, 17. Januar 2020)

Die Bauarbeiten zum Sportzentrum «On your marks» (OYM) in Cham sind Anfang 2020 pünktlich zu Ende gegangen. Die U18-Eishockey-Nationalmannschaft der Schweiz wäre der erste Kunde gewesen, welcher das 100 Millionen Franken teure Sport-Kompetenzzentrum genutzt hätte. Der vom Bundesrat verfügte Lockdown im Zuge der Coronaviruspandemie hat den Betreibern jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Hans-Peter Strebel, er ist der Bauherr der Anlage und Verwaltungsratspräsident der OYM AG und des EVZ, hat das verfügte Aussetzen von sportlichen Tätigkeiten sinnvoll genutzt. Zusammen mit Marco Toigo und seinem Team hat er ein Betriebskonzept auf die Beine gestellt, das alle Vorgaben des Bundes in Bezug auf das «social distancing» berücksichtigen kann. Toigo ist ein bekannter Muskelphysiologe und der wissenschaftliche Leiter des OYM in Cham.

Praktisch deckungsgleich mit dem Eröffnungstermin hat der Bund auch Ihr Kompetenzzentrum für Spitzensport und Forschung, das OYM, eingefroren. Wie haben Sie reagiert?

Marco Toigo

Marco Toigo

Bild: Stefan Kaiser

Marco Toigo: Wir wollten loslegen und inmitten unserer Vorbereitungen für die ersten Kunden hat der Bundesrat verfügt, dass auch im Spitzensport nichts mehr geht. Durch die gesetzten engen Leitplanken war sofort klar, dass keine Eröffnung stattfinden kann.

Hans-Peter Strebel

Hans-Peter Strebel

Bild: Stefan Kaiser

Hans-Peter Strebel: Die oberste Richtschnur für unser Tun ist die Wahrung der Gesundheit. Das gilt sowohl für die Sportler, die zu uns kommen, aber auch für das Personal, welches im OYM arbeitet. Auf dieser Basis haben wir kurz nach dem Herunterfahren der Aktivitäten durch den Bund nach Wegen gesucht, wie wir die strengen Vorgaben des Staates umsetzen könnten.

Ihr Geschäftsplan hat eine Pandemie wie derzeit durch das Coronavirus sicher nicht vorgesehen. Wie sind sie dann vorgegangen?

Marco Toigo: Zuerst haben wir uns die Frage gestellt, ob es praktisch überhaupt möglich wäre, nach den strengen Vorgaben des Bundes einen Trainingsbetrieb aufzuziehen. Es hat sich dann schnell gezeigt, dass wir es schaffen können, ohne dass wir bei der wissenschaftlichen Betreuung Abstriche machen müssen, was wir in keinem Fall wollten. Nach rund zwei Wochen hatten wir unser wissenschaftlich-medizinisches Konzept so weit aufgestellt, um es den zuständigen Stellen präsentieren zu können. Eine Blaupause hatten wir dafür nicht. So haben wir auch hier Neuland betreten.

Wie viele Athleten könnten gemäss ihrem Konzept an einem Tag im OYM trainieren, ohne ihre Gesundheit zu gefährden?

Marco Toigo: Klar ist, dass wir ein Zentrum für Spitzensport sind. Deshalb haben wir beim Konzept mit den vorgenannten Einschränkungen darauf geschaut, dass in jedem Fall der physiologische Zweck der Trainings- und Ernährungsmassnahmen erfüllt werden könnte. Wir verfügen über die Infrastruktur und das Know-how, um unter den gegebenen, ausserordentlichen Voraussetzungen maximal 40 Athleten unter Berücksichtigung der strengsten Bundesvorgaben über den Tag verteilt zu trainieren. Dies auch deshalb, weil wir die wissenschaftlichen Trainingsmethoden überall anwenden und zudem im OYM räumlich gut voneinander trennen können.

Befürchten Sie denn nicht, dass ein Athlet das Coronavirus von ausserhalb ins OYM einschleppen könnte?

Hans-Peter Strebel: Im OYM können wir Athleten auch auf das Coronavirus testen und hätten in etwas mehr als zwei Stunden das Ergebnis. Da bekannt ist, wo der positiv getestete Athlet sich überall aufgehalten hat, könnten wir auch exakt nachvollziehen, mit wem er im OYM und ausserhalb vom OYM in Kontakt gekommen ist. Für Verdachtsfälle haben wir einen BAG-konformen Algorithmus entwickelt. Abgesehen davon, würden wir die Athleten beim Empfang über Ihren Gesundheitszustand befragen und eine Fiebermessung durchführen. Beim Eintritt und an verschiedenen Orten im Gebäude müssten plangemäss die Hände desinfiziert werden. Das Personal trüge Schutzmasken und der Zugang zu allen Räumlichkeiten wäre kontaktlos, das heisst ohne Berühren von Türklinken oder ähnlichem, möglich.

Wie viele Athleten könnten pro Tag im OYM trainieren, wenn keinerlei Aufgaben gemacht würden?

Marco Toigo: Die maximale Kapazität liegt über alle Trainings-, Therapie-, Ernährungs- und Testbereiche betrachtet bei Normalbedingungen bei mindestens dem 4-fachen. Unabhängig vom Coronavirus interessiert uns aber nicht primär die Anzahl Athleten im Haus, sondern dass wir unsere Athleten bei der Ausschöpfung des individuellen athletischen Potenzials optimal unterstützen können.

Haben Sie denn das Konzept für das OYM im Coronavirus-Modus schon jemandem gezeigt?

Hans-Peter Strebel: Wir haben unser fertiges Arbeitspapier zusammen mit der Gesundheitsdirektion des Kantons Zug angeschaut. Die Einschätzung ist positiv. Es ist uns jedoch durchaus bewusst, dass ausschliesslich der Bundesrat entscheidet. Heute tagt das Gremium wieder in Bern. Hoffentlich ist der Spitzensport in dieser Sitzung ein Thema. Unser wissenschaftlich-medizinisches Corona-Konzept steht schon lange, und wir sind überzeugt davon, dass es als ein gutes Beispiel für ein fundiertes Corona-Konzept stehen könnte. Bei einem Ja des Bundesrats könnten wir bereits morgen loslegen.

Rundgang durch das Sportzentrum (24.9.2019):

Neben der Führungsfunktion beim EVZ ist Hanspeter Strebel auch noch Bauherr des multifunktionalen OYM (On your marks/ Auf die Plätze, Fertig, Los) Spitzensportcenters in Cham. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
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Auf der Ebene -2/ auf einer Etage des Untergeschosses gibt es einen letzten Blick auf die Kühlröhrchen, mit welchen noch in diesem Jahr eine Eisfläche aufbereitet werden soll. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Bevor dies aber gestartet werden kann, braucht es noch einen Deckel über den Leitungen, welche insgesamt rund 42 Kilometer messen. Verbunden sind diese mit rund 3500 Schweissnähten. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Hanspeter Strebel ist an drei bis vier Tagen pro Woche auf der Baustelle anzutreffen. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Die Anlage soll am 23. März 2020 eröffnet werden. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Blick im Gebiet Lorzenpark in die Natur. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Schweizweit aktuell einzigartig ist auch die Dreifachsporthalle im Ennetseer Spitzensportzentrum. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
In diese bauen die Fachleute einen Glasboden ein. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Aussenansicht auf das neue Gebäude. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Blick auf die künftigen Schulungsträume. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
Einblick in die künftigen Garderoben. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)
(Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)

Neben der Führungsfunktion beim EVZ ist Hanspeter Strebel auch noch Bauherr des multifunktionalen OYM (On your marks/ Auf die Plätze, Fertig, Los) Spitzensportcenters in Cham. (Bild: Stefan Kaiser, Cham, 23. September 2019)