PARLAMENT: Finanziert die Stadt Zug Quacksalberei?

Ein grünliberaler Gemeinderat will wissen, wie viel die Stadt Zug bislang in Granderwasseranlagen investiert hat. Dies auch darum, weil er nicht an deren Wirksamkeit glaubt.

Charly Keiser
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Charly Keiser

charly.keiser@zugerzeitung.ch

Welcher Logik folgt die Installation von Wasserbelebungsanlagen in der Stadt Zug? So titelt der grünliberale Gemeinderat Stefan Huber seine Fragen zu Granderwasseranlagen, in die die Stadt Zug investiert hat.

An der Januarsitzung des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug (GGR) sei in einem Votum zum einmaligen Investitionskredit für die Alterswohnungen Waldheim gesagt worden, dass mit Steuergeld der Zuger auch eine Grander-Wasseraufbereitungsanlage beziehungsweise -Wasserbelebungsanlage mitfinanziert worden sei, beginnt Huber die Begründung für seine Fragen. Und vor knapp fünf Jahren habe ein Ratsmitglied in einer Interpellation nach Anzahl und Kosten bereits installierter Grander-Wasserbelebungsanlagen gefragt. «Der Stadtrat gab zur Antwort, bis im April 2012 bereits zehn Anlagen installiert zu haben. Eine genaue Kostenaufstellung über alle installierten Anlagen fehlte leider.» Doch bereits die Kosten von sieben Anlagen, die in den Überbauungen Frauensteinmatt und Roost installiert worden seien, bezifferte der Stadtrat auf über 65000 Franken. «Es kann darum angenommen werden, dass die Gesamtkosten aller Anlagen diese Zahl massiv übersteigen. Diese beträchtlichen Ausgaben wurden vom Stadtrat mit guten Erfahrungen in Baar begründet», schreibt Huber weiter und betont: «Im Widerspruch zu solchen subjektiven Erfahrungen existiert bis heute keine einzige wissenschaftliche Studie, die einen objektiven Effekt von Wasserbelebungsanlagen auf die Wasserqualität nachweist.»

Studien belegen Wirkungslosigkeit

Es würden jedoch zahlreiche Studien existieren, welche die Wirkungslosigkeit von solchen Anlagen aufzeigen würden, führt Stefan Huber weiter aus. Auch die Bundesanstalt für Wassergüte komme in ihrem Gutachten über die Wirkung der Geräte zur Wasserbelebung zum gleichen Schluss. Die Vertreiber von Granderwasser seien bereits wegen Irreführung verurteilt und ihre ­Methoden als «Quacksalberei» und «Pseudowissenschaft» disqualifiziert worden.

«Fakt ist», doppelt Huber nach: «Wasserbelebungsanlagen sind objektiv gesehen völlig wirkungslos, und nur selten gibt es einen derart überwältigenden wissenschaftlichen Konsens für die Wirkungslosigkeit einer Technologie.» Wenn der Stadtrat die Installation zahlreicher teurer Anlagen mit positiven Erfahrungen in Baar begründe, so müsste dort die Wirkung messbar nachgewiesen und der Nutzen der Investitionen in der Stadt Zug überprüft worden sein. «Jede und jeder darf an die mythischen Kräfte von belebtem Wasser glauben. Der individuelle Glaube ist Privatsache und darf nicht mit Steuergeldern (mit)finanziert werden.»

«Wie hoch sind die Kosten?»

«Wie viele Wasserbelebungsanlagen wurden bis 2017 in Projekten, an denen die Stadt Zug beteiligt ist, installiert, und wie viel haben diese jeweils gekostet?» Dies fragt Huber den Stadtrat und bittet um eine tabellarische Aufstellung mit Auflistung der Kosten für jede Anlage. Huber will vom Stadtrat zudem wissen, wie hoch die wiederkehrenden Kosten für diese Anlagen sind, ob allfällige Lizenzgebühren bezahlt und ob Reparatur- und Ersatzkosten anfallen. «Falls solche wiederkehrenden Kosten existieren, unter welchem Budget werden diese abgerechnet?»

Wann halte der Stadtrat eine Installation einer Wasserbelebungsanlage für nötig und wann nicht, fragt der Parlamentarier weiter: «Und warum entschied sich der Stadtrat in der Vergangenheit für die Grander-Technologie und nicht für mögliche günstigere Konkurrenzprodukte?»

Huber fragt ausserdem nach einem allfälligen systematischen Konzept für Wasserbelebung in der Stadt und zu welchen Ergebnissen der Stadtrat bei der Evaluation zur Wirkung der installierten Anlagen gekommen sei. Zu guter Letzt fragt er: «Wie erklärt sich der Stadtrat die Diskrepanz zwischen subjektiven Erfahrungen wie jenen in Baar und objektiven Messungen wie in sämtlichen Studien?»