Leserbrief

Pensionskassen sind wichtige Investoren

Zu Dividenden und Mietzinserlassen in der Coronakrise

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In letzter Zeit liest man immer wieder, dass es wegen der Coronakrise für Unternehmen unangebracht sei, Dividenden zu auszuschütten und auf Mietzinsforderungen zu bestehen. Dabei werden wichtige volkswirtschaftliche Auswirkungen solcher Behauptungen einfach beiseitegelassen.

Es ist wohl auch ein unglückliches Zusammentreffen der «Generalversammlungssaison» mit den Corona-bedingten Sicherheitsmassnahmen, die solche Forderungen bewirken. Dazu kommen die, in vielen Fällen immer noch überhöhten, Saläre und Boni für Geschäftsleitungen und Verwaltungsräte, die in denselben Generalversammlungen abgehandelt werden wie die Dividenden. Es besteht jedoch ein grosser Unterschied zwischen den beiden Traktanden.

Die Saläre und Boni für die Geschäftsleitungen und die Verwaltungsratshonorare werden weitestgehend in gegenseitiger Absprache der direkt beteiligten Gremien festgesetzt, was offensichtlich dazu verführen kann, die Entschädigungen für beide Gremien gegenseitig hochzuschaukeln. Wie wenig dies mit grosser Verantwortung zu tun hat, zeigen die kaum vorhandenen und zudem auch noch kaum erfolgreichen Verfahren bei Verantwortlichkeitsklagen.

Die Dividenden sind die Entschädigung für das zur Verfügung stellen von Risikokapital im vergangenen Geschäftsjahr, sofern das Unternehmen am Jahresende, notabene nach dem Bezahlen der Arbeitslöhne inklusive Sozialabgaben der Arbeitnehmer und allen Kosten und Steuern und der Bildung der notwendigen Rückstellungen, noch Mittel dafür übrig hat. Demnach wird sich die Coronapandemie bei den Dividenden im nächsten und wohl auch übernächstem Geschäftsjahr automatisch periodengerecht in einigen Branchen auswirken; dies ohne Staatsintervention. Ohne Risikokapital ist die Wirtschaft schnell zerstört und die Arbeitsplätze sind weg, denn das Risikokapital stellt die langfristige finanzielle Basis für das Unternehmen sicher. Deshalb darf die Dividende nicht einfach willkürlich vom Staat gestrichen werden. Wir haben kein kommunistisches Planwirtschaft-System.

Was bei der Diskussion um Dividendenzahlungen und Mietzinserlass-Forderungen ganz ausser Acht gelassen wird, ist, dass die Pensionskassen, zusammen mit den Immobilienfonds und den Versicherungen, zu den wichtigsten Investoren unserer Wirtschaft gehören. Dies bedeutet, wenn diesen Marktteilnehmern die Einkommensbasis geschmälert wird, sich dies unweigerlich in weiteren Kürzungen der Umwandlungssätze für die Berechnung von Renten, allenfalls auch von Prämienerhöhungen und von notwendigen Mietzinserhöhungen niederschlagen wird. Irgendwie müssen sich die genannten Institutionen ja finanzieren, weil sie bei Negativzinsen auch von der andern wichtigen Einnahmequelle, den Zinseinnahmen, abgeschnitten sind. Zu erwähnen sind hier auch der AHV-Ausgleichsfonds und die zahlreichen Rentner, die sich das Alterskapital auszahlen liessen und somit die arbeitstätige Bevölkerung nicht belasten. Auch für sie ist die Dividende eine wichtige Einnahmequelle.

Felix Häcki, alt Kantonsrat SVP, Zug