RELIGION UND KIRCHE
Pfarreiblätter haben Zukunft

Seit 20 Jahren ist Eugen Koller für Layout und Inhalt des «Pfarreiblattes Uri Schwyz» verantwortlich. Er kennt die Herausforderungen für kirchliche Publikationsorgane. Und er ist überzeugt, dass es sie auch künftig brauchen wird.

Andreas Faessler
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Seit 20 Jahren ist er Mantelredaktor des Pfarreiblatts Uri Schwyz: Eugen Koller arbeitet hauptsächlich von seinem Zuhause in Luzern aus.

Seit 20 Jahren ist er Mantelredaktor des Pfarreiblatts Uri Schwyz: Eugen Koller arbeitet hauptsächlich von seinem Zuhause in Luzern aus.

Bild: Boris Bürgisser (Luzern, 09. März 2021)

Sie sind die Sprachrohre der örtlichen Kirchgemeinden und vermitteln kircheninterne Informationen aus erster Hand: Pfarreiblätter haben eine lange Tradition und stehen in Sachen Struktur und Organisation den Massenmedien kaum mehr nach. Eugen Koller ist einer derjenigen, welcher mit Sinn und Zweck und gleichermassen mit der Herstellung solcher kirchlichen Publikationsorgane besonders vertraut ist.

Der gebürtige Schwyzer Theologe ist auf mehreren Gebieten erfahrener Seelsorger und zeichnet seit 20 Jahren als Mantelredaktor für Inhalt, Layout und Endredaktion des «Pfarreiblattes Uri Schwyz» mit seinen acht Regionalausgaben verantwortlich.

Der anfängliche Überlebenskampf

Sein Interesse am regionalen kirchlichen Geschehen hatte der heute 62-Jährige bereits als junger Pastoralassistent im Kanton Nidwalden, wo er damals mitwirkte, ein eigenes Pfarreiblatt auf die Beine zu stellen. Beim «Pfarreiblatt Uri Schwyz» schrieb er anfänglich als freier Mitarbeiter, und bereits ein gutes Jahr später übernahm er den verantwortungsvollen Posten, den er bis heute mit viel Freude und Elan wahrnimmt. «Das Pfarreiblatt als Medium hat mich seit jeher interessiert», sagt Eugen Koller. «Genau wie die grossen Medien hat unter Blatt eine enorme Entwicklung hinter sich, was das Layout – heute mit einem Redaktions­system – angeht, das Druckverfahren und die Produktion.» Jedoch wie so oft der Fall im Medienbereich, sei auch das «Pfarreiblatt» stets damit beschäftigt, sein Überleben zu sichern. «Vor allem in den ersten Jahren stand alles auf der Kippe, da waren wir defizitär», blickt Koller zurück. Heute könne die Existenz dank bezahlter Abonnements durch die Kirchgemeinden und privaten Abonnements, welche einen Drittel ausmachen, gesichert werden. Dank des technischen Fortschritts seien Einsparungen möglich gewesen. So hat Koller sein angemietetes Büro in Goldau auflösen und den Arbeitsort an seinen Wohnsitz in Buochs und später an seinen jetzigen Wohnort Luzern verlegen können. «Aktuell sind wir gut genug situiert, sodass ins Produkt investiert werden kann.» Und doch: Auch die Pfarreiblätter können sich nicht zurücklehnen, wie Eugen Koller weiss.

«Es ist schwierig, eine jüngere Leserschaft zu gewinnen. Sie haben wohl Interesse am kirchlichen Geschehen, aber unsere Abonnentinnen und Abonnenten gehören grösstenteils zur älteren Generation.»

Ohnehin sei ein Abonnementsschwund auszumachen. Das stelle man insbesondere dann fest, wenn wieder mal irgendwelche Skandale aus der Kirche publik werden. «Dies lässt sich leider nicht mit der Tatsache abfangen, dass die lokalen Pfarreien sich vor allem durch ihr grosses Engagement für die Gemeinde verdient machen und mit dem jeweiligen Eklat nichts zu tun haben», gibt Koller zu bedenken.

Themenwahl als Gratwanderung

Eine Herausforderung, um nicht zu sagen Gratwanderung, sei es vor allem für das «Pfarreiblatt Uri Schwyz» seit Anfang gewesen, wenn es um die Berichterstattung um das Bistum Chur ging. Da herrsche grosses Konfliktpotenzial unter der Leserschaft. «Ohnehin bergen kirchenpolitische Fragestellungen oft viel Zündstoff in einer Region, wo viele konservativ-gläubige Menschen leben.» Deshalb ist Eugen Koller stets erpicht, für eine ausgewogene Themenwahl und sachliche Berichterstattung zu sorgen, manchmal aber auch zu kommentieren. «Ich habe das grosse Glück, dass mir die Redaktionskommission mehrheitlich den Rücken stärkt und mich stützt in meinen Entscheidungen.» Ohnehin sei der Pfarreiblatt-Journalismus heute viel offener als einst.

«Wir sind kein Hofpublikationsorgan
und entscheiden selber, worüber wir berichten.»

Und da hat der langjährige Redaktor klare Vorstellungen: Der Inhalt seines Blattes soll auf einer zeitgemässen, fortschrittlichen Theologie und Pastoral basieren unter Einbindung aller Menschen. «Die Kirche soll auf die Fragen der heutigen Zeit zukunftsfähige Antworten geben. Sie soll sich stets am Evangelium orientieren und nicht in alten Traditionen verhaftet bleiben.»

Pfarreien haben einen Informationsauftrag

Auf die Frage hin, ob Pfarreiblätter Zukunft haben, gibt sich Eugen Koller trotz wachsender Herausforderungen zuversichtlich. «Man liest hier, was sonst nirgends steht und was für das regionale kirchliche Leben und darüber hinaus relevant ist. Wir bilden das gesamte kirchliche Themenspektrum ab, während in den weltlichen Medien das Thema Kirche immer dünner wird.» Die Pfarreien hätten zudem einen klaren Informationsauftrag, und da sei das Pfarreiblatt die erste Wahl. «Ich bin sicher, dass das Pfarreiblatt als Medium nicht so schnell aussterben wird», zieht Koller Fazit.