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PFLEGE: Homosexuelle meiden das Altersheim

Immer mehr Schwule und Lesben leben in Alters- oder Pflegeheimen. Doch nicht immer sind sie dort auch wirklich willkommen.
Bernard Marks
Ein Blick in ein Pflegeheim (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Ein Blick in ein Pflegeheim (Symbolbild). (Bild: Keystone)

Bernard Marks

Beim Regenbogen-Umzug durch die Innenstadt von München werden Karten verteilt, die einen jungen Mann mit nacktem Oberkörper zeigen und dem Spruch: «Jung, schwul. Liebe leben.» Auf der Rückseite ist ein älterer Herr mit einem Pfleger und dem Satz «Alt. Schwul. Leben lieben.» abgebildet. Ziel der Aktion: Menschen, die ohnehin ihre Homosexualität für einen grossen Teil ihres Lebens bereits verschweigen mussten, dürften in den Heimen nicht zu guter Letzt diskriminiert werden. «Wir wollen keine schrägen Blicke, wenn in einem Zimmer die Enkel eines Bewohners und im anderen der Lebenspartner zu Besuch ist», sagt ein Teilnehmer.

In den USA wurden bereits separate Heime für Homosexuelle eingerichtet. Auch in der Schweiz wird das Thema zunehmend diskutiert. «Homosexuelle wollen sich im Altersheim nicht verstecken», heisst es in einem Artikel der NZZ. Denn in den kommenden Jahren komme eine selbstbewusste Generation von Lesben und Schwulen in die Schweizer Alters- und Pflegeheime. Die Einrichtungen sind auf die steigende Zahl an homosexuellen Senioren nicht vorbereitet. Ähnliches gelte für Menschen mit HIV beziehungsweise Aids, wie eine Studie der Fachhochschule St. Gallen zeigt. Diese ist zusammen mit dem Schwulenverband Pink Cross und der Lesbenorganisation LOS sowie der Hochschule Luzern und der Berner Fachhochschule entstanden.

Kein Handlungsbedarf in Zug

Im Kanton Zug hat man zwar von der Studie Kenntnis, doch das Problem wird nicht als solches wahrgenommen. «In Zug beobachten wir Diskriminierung von Homosexuellen derzeit nicht», sagt Käty Hofer, Mitglied der Zuger Konferenz für Langzeitpflege und Sozialvorsteherin in Hünenberg. Sie sieht deshalb aktuell keinen Handlungsbedarf für eine Anpassung der Konzepte in Zuger Heimen. «Wir müssen uns aber in Zukunft darüber Gedanken machen, wie wir mit Homosexuellen in Heimen umgehen», sagt sie weiter.

Peter Arnold sieht das ähnlich. «Wir werden das in Zukunft diskutieren müssen», sagt der Präsident der kantonalen Sektion des schweizerischen Heimverbandes Curaviva. Neben anderen Themen wie Migranten in Altersheimen sollte man auch die Problematik der Diskriminierung von Homosexuellen in Heimen nicht unterschätzen. Arnold denkt aber, dass die heutigen Leitbilder der Pflegeheime eine Diskriminierung von Homosexuellen nicht zulassen. «Man würde heute schon auf die Homosexuellen Rücksicht nehmen», ist er überzeugt.

Viele geben sich nicht zu erkennen

Vincenzo Paolino, Co-Präsident des Zürcher Vereins Queeraltern, hat in diesem Zusammenhang andere Erfahrungen gesammelt. «Ich glaube, dass sich viele Homosexuelle heute in traditionellen Heimen nicht zu erkennen geben», sagt er. Deswegen glaube man möglicherweise in Zug, dass das Problem nicht vorhanden sei. «Tatsache ist, dass viele unserer Mitglieder sich nicht vorstellen können, in ein konventionelles Heim zu gehen», sagt Paolino. Auch wenn man in der Schweiz weiter als andernorts sei, so seien doch die meisten Pflegeheime von einem alten Geist geprägt. «Auf dem Papier ist die Toleranz da, aber sie existiert oftmals nicht wirklich», sagt Paolino. Der Verein sucht nach Lösungen für älter werdende Homosexuelle, die Pflege bedürfen. Dafür will der Verein eine Pflegeeinrichtung in Zürich aufbauen. «Das Geld dafür aufzubringen, wird nicht das Problem sein», erzählt Paolino. Auch das Konzept steht. 25 Wohnungen und zwei Wohngruppen sollen entstehen. Zudem sollen sich in das Haus Verbände einmieten. «Wir wollen, dass in dem Haus verschiedene Generationen ein und aus gehen. Auch Heteros sind bei uns willkommen, wenn sie sich wohlfühlen», sagt Paolino. Jetzt sucht der Verein die geeignete Liegenschaft.

Langfristig umdenken

«Wir wollen ein Leuchtturm sein, damit das Leben für Homosexuelle in einem normalen Heim besser wird», sagt Paolino. Vorbild ist für den Verein Queeraltern eine der wenigen Wohnsiedlungen für Schwule in Berlin. Dort leben ältere und jüngere Homosexuelle mit einigen Heterosexuellen unter einem Dach. Dazu gibt es eine betreute Wohngemeinschaft für pflegebedürftige schwule Männer. Das Angebot ist sehr begehrt: Mehr als 250 Personen stehen auf der Warteliste. Ähnlich sieht die Situation in Zürich aus. Auch hier würden viele Homosexuelle lieber früher als später einen Platz in einer solchen Einrichtung reservieren. «Aber wir können bei uns in Zürich nicht alle homosexuellen Pflegebedürftigen in der Schweiz aufnehmen. Langfristig müssen deshalb andere Heime ihr Konzept anpassen», ist Paolino überzeugt.

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