PFLEGEPLÄTZE: Neue Studie hat Folgen für Gemeinden

Der Ausbau von ambulanten Pflegeangeboten zeigt Wirkung. Der Bettenbedarf im Kanton ist bis 2020 gedeckt. Deshalb muss Risch über die Bücher.

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«Es ist erfreulich, dass weniger Plätze gebaut werden müssen.» Urs Hürlimann, Gesundheitsdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

«Es ist erfreulich, dass weniger Plätze gebaut werden müssen.» Urs Hürlimann, Gesundheitsdirektor. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Lange Wartelisten für den Eintritt in Alters- und Pflegeheime scheinen der Vergangenheit anzugehören, dies besagt die neuste Studie des Schweizerischen Gesundheitsobservatoriums (Obsan) über die Situation im Kanton Zug. Die Obsan-Studie 2014 ist die Grundlage für die kantonale Gesundheitsdirektion, wenn es um die Pflegeheimplanung für die Jahre 2016 bis 2020 geht. Die Studie besagt, dass für diese Periode im Kanton Zug jetzt schon genügend Pflegebetten vorhanden sind. Bis Ende 2015 sind 1077 Betten in Betrieb. Von Gesetzes wegen sind die Kantone dazu verpflichtet, den Bedarf zu planen und periodisch zu überprüfen. Bereits in den Jahren 2005, 2008 und 2011 hat das Obsan Studien für den Kanton Zug gemacht. Die nächste wird voraussichtlich 2017 folgen.

Bevölkerung wächst

In der aktuellen Obsan-Studie fällt auf, dass der Bevölkerungsanteil der über 65-Jährigen zunimmt. Vor allem in den Gemeinden Risch, Neuheim, Hünenberg, Oberägeri und Cham wird dies voraussichtlich stärker der Fall sein als in den restlichen Zuger Gemeinden. Die anderen Gemeinden liegen entweder im kantonalen Durchschnitt oder gar darunter. Dass künftig aber nicht mehr Senioren nach Pflegeplätzen verlangen, liegt vor allem am Ausbau der Spitex und weiteren ambulanten Behandlungsangeboten. «Heute schon kann festgestellt werden, dass das Durchschnittsalter bei Eintritt stetig steigt und die Aufenthaltsdauer im Heim sinkt», erklärt Urs Hürlimann, Gesundheitsdirektor. Niemand habe vorausgesehen, dass dies so schnell eine Veränderung zeigen würde. «Es ist erfreulich, dass weniger Pflegeheimplätze gebaut werden müssen», so Hürlimann.

Risch ist flexibel

Trotz erfreulicher Entwicklung hat die neue Studie in Steinhausen für rote Köpfe gesorgt (wir berichteten). Die Gemeinde musste auf die Erweiterung des Seniorenzentrums Weiherpark verzichten: «Die Arbeitsgruppe hat gute Arbeit geleistet, und jetzt ist einfach Schluss. Das ist frustrierend für alle», sagte Barbara Hofstetter, Gemeindepräsidentin Steinhausen, gegenüber unserer Zeitung.

Neben Steinhausen geht nun auch Risch nochmals über die Bücher. Denn die Gemeinde plant eine Erweiterung zum bestehenden Alterszentrum Dreilinden in Rotkreuz. An der kommenden Gemeindeversammlung werden dafür die Stimmberechtigten über die Gründung einer neuen Trägerschaft, die Gemeinde Risch Immobilien AG (Griag), entscheiden. Im Neubau sind neben Alterswohnungen, wo die Bewohner noch selbstständig leben, auch Pflegeplätze für betreuungsbedürftige Senioren angedacht.

Inzwischen wurde die Gemeinde jedoch über die Pflegeheimplanung für die kommenden Jahre informiert.
Im Gegensatz zu früheren Trends sind bis 2020 keine neuen Betten nötig. «Dieser Paradigmenwechsel ist für unsere Gemeinde sehr einschneidend», so Peter Hausherr, Gemeindepräsident. Die Planungen für den Erweiterungsbau werde aus diesem Grund flexibel gehalten.

Denn Faktoren, wie Alter der Bevölkerung, Betreuungsangebote, sei es ambulant oder stationär, aber auch die Pflegebettenplanung an sich könnten sich in den kommenden Jahren wieder ändern: «Wir möchten die Zeit bis zur nächsten Bedarfsstudie nicht ungenutzt verstreichen lassen», so Hausherr. Risch habe momentan zwar eine eher junge Bevölkerung, dies werde sich aber ändern. So sehe er eindeutig Potenzial für künftig zusätzliche Pflegebetten. Immerhin habe die Gemeinde Risch gegenüber dem kantonalen Durchschnitt proportional nur halb so viele Pflegeplätze.

«Wenn wir unsere Einwohner nicht anderweitig platzieren möchten, wird ein Ausbau von Nöten sein», sagt er weiter. Deshalb sei es die falsche Strategie, jetzt die Arme zu verschränken. Hausherr könne sich auch vorstellen, dass gewisse Zimmer oder Wohnungen erst später mit einfachen Massnahmen zu Pflegeplätzen umfunktioniert werden könnten. «Auch in diese Richtung werden Modelle geprüft», sagt der Gemeindepräsident.

Unnötige Kosten eindämmen

Mit der Pflegeheimplanung will der Kanton verhindern, dass leer stehende Betten die Gemeinde unnötig finanziell belasten. Die bereitgestellte Infrastruktur und das Personal verursachen Kosten, auch ohne dass sie gebraucht werden. Zudem sind die Institutionen, die aufgrund der kantonalen Planung auf der Pflegeheimliste stehen, berechtigt, ihre Leistungen über die soziale Krankenversicherung abzurechnen. Daher haben die Gemeinden ein Interesse, ihre Pflegeplätze mit dem Kanton abzustimmen.

Ein Problem bleibt allerdings noch zu bewältigen, denn momentan besetzten laut Pflegeheimplanung des Kantons rund einen Viertel nicht oder nur leicht pflegebedürftige Bewohner. Das heisst die Senioren benötigen höchstens 40 Minuten pflegerische Unterstützung pro Tag. Daher spielt der Regierungsrat mit dem Gedanken, die Betten für Personen in den Pflegebedarfsstufe 1 und 2 nicht mehr in die Planung aufzunehmen. Doch entschieden werde darüber erst in der nächsten Periode.

Andrea Muff

Neben Steinhausen geht auch Risch nochmals über die Bücher. Die Gemeinde plant eine Erweiterung zum bestehenden Alterszentrum Dreilinden in Rotkreuz. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Neben Steinhausen geht auch Risch nochmals über die Bücher. Die Gemeinde plant eine Erweiterung zum bestehenden Alterszentrum Dreilinden in Rotkreuz. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)