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Baarer Treuhänder muss Schadensersatz leisten

Der Treuhänder, gegen den im Zuge des Piccor-Betrugsskandals ermittelt wird, wurde in Deutschland zur Zahlung von 100'000 Euro verurteilt. Das Zivilurteil kann zwar in der Schweiz vollstreckt werden, zu holen gibt es aber wohl nicht mehr viel.
Christopher Gilb

Es ist ein vermuteter Anlegerbetrug gigantischen Ausmasses. Mehr als 316 Millionen Euro sammelte eine Gruppe unter Namen wie Picam, Piccor und Piccox von deutschen Anlegern ein. Sie warben mit «Vermögensmanagement nach Schweizer Qualität» und versprachen mit ihren Geldanlagen, sogenannten DAX-Futures, Renditen von bis zu 30 Prozent. Ende 2017 blieben Zahlungen aus. Seitdem warten rund 2500 Anleger auf ihr Geld. Die wohl in nichts mehr als ein ausgeklügeltes Schneeballsystem investiert hatten. Der Fall beschäftigt Staatsanwälte in Berlin aber auch im Kanton Zug. Denn einer der Verdächtigen ist ein Baarer Treuhänder, über den wir schon mehrfach berichtet haben. Er war nicht der Kopf der Gruppe und ob er überhaupt von deren Machenschaften profitierte, ist auch nicht geklärt. Aber er war der einzige Verwaltungsrat der inzwischen liquidierten Piccor AG mit Sitz in Baar, die als Zahlstelle fungierte. Entsprechend richtet sich das Augenmerk der Anleger auch auf ihn, da sie offiziell ihre Verträge mit genau dieser Piccor abgeschlossen hatten.

Nun liegt ein rechtskräftiges Urteil gegen den Treuhänder vor. Erstmals wurde damit auch er in den verschiedenen Zivilprozessen, die parallel zu den Strafuntersuchungen laufen, zur Zahlung einer Schadensersatzsumme verurteilt. Gemäss Urteil des Landgerichts Ellwangen muss er eine Zahlung von 100'000 Euro an die Mandanten der Kanzlei «Witt Rechtsanwälte» leisten.

Vollstreckung übers Betreibungsamt

Dies wie Anwalt Hans Witt gegenüber unserer Zeitung erklärt, weil das Angebot der Piccor nach deutschem Zivilrecht eine sogenannte «unerlaubte Handlung» gewesen sei. «Es ging also um die Durchsetzung zivilrechtlicher Ansprüche, die durch Straftaten entstanden sind.» Vereinfacht gesagt, weil das Geschäft der Piccor AG nicht ordnungsgemäss abgelaufen sei, hafte der Treuhänder nun dafür. Auch habe der Piccor eine Lizenz gefehlt, um überhaupt Kundengelder anzunehmen. Dieses Urteil hat nun auch in der Schweiz Gültigkeit. Denn nach dem sogenannten Lugano-Übereinkommen werden Entscheidungen, die in Deutschland ergangen sind, grundsätzlich ohne erneute rechtliche Prüfung in der Schweiz anerkannt. «Wir werden demnächst die Vollstreckung über das zuständige Betreibungsamt in der Schweiz einleiten», kündigt Witt an. Der Baarer Treuhänder hafte in diesem Fall voll, also auch mit seinem Privatvermögen. Ob die geprellten Anleger über diesen Weg wirklich zu ihrem Geld kommen, ist aber fraglich.

Denn: Zum Urteil angefragt, teilt der Treuhänder schriftlich mit, dass die Zahlung des Schadensersatzes seine finanziellen Dimensionen übersteige. Er habe erst am Dienstagmorgen vom Urteil erfahren. Beim Urteil handelt es sich um ein sogenanntes Versäumnisurteil, was beutetet, dass der Treuhänder sich nicht gegen die Klage verteidigt hat. «Leider war und ist es mir nicht möglich, mich rechtlich vertreten zu lassen. Es wären Anwaltskosten entstanden, die ich nicht bezahlen kann.» Es würden in diesem Zusammenhang Dutzende Verfahren laufen, die auch ihn betreffen würden.

Privatbesuch von Anlegern

Anscheinend geben sich aber einige der geprellten Anleger nicht mit dem Rechtsweg zufrieden. Wie der Treuhänder berichtet, hätten ihm einige schon privat einen Besuch abgestattet. «Die konnten sich dann auch überzeugen, dass ich nichts habe.» Eine direkte Verwicklung in den mutmasslichen Anlegerbetrug hatte er gegenüber unserer Zeitung immer bestritten. Vielmehr vertrat er die Position, dass die Deutschen Eigentümer der Firmen ohne sein Wissen Unrechtmässiges mit diesen gemacht hätten.

Bekannt wurde jedenfalls zuletzt, dass die deutsche Finanzaufsicht Bafin bereits 2014 über Unregelmässigkeiten informiert worden war, den Vorgang dann aber auf die Seite legte. «Wieso gelangte das nie an mich?», beklagt sich der Treuhänder.

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