PILZE: Sie spüren Delikatessen auf

Urs Inglin und Pizzo sind derzeit oft in den Schweizer Wäldern unterwegs auf der Suche nach Trüffeln. Dabei braucht das Team viel Geduld.

Samantha Taylor
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Sie sind ein eingespieltes Team: der Baarer Urs Inglin und sein Dalmatiner Pizzo. (Bild Maria Schmid)

Sie sind ein eingespieltes Team: der Baarer Urs Inglin und sein Dalmatiner Pizzo. (Bild Maria Schmid)

«Er ist ein Naturtalent», sagt Urs Inglin und lächelt stolz. Pizzo scheint sich über das Kompliment zu freuen und schaut sein Herrchen erwartungsvoll an. Urs Inglin und der dreieinhalbjährige Dalmatiner-Rüde sind ein eingespieltes Team. Gemeinsam sind sie oft stundenlang in den Schweizer Wäldern unterwegs, immer auf der Suche nach einem der edelsten Pilze überhaupt. Trüffel. «Ich selbst bin Mitglied des Pilzvereins und bin so draufgekommen», sagt Urs Inglin. Mit Pizzo habe er dann mal einen halbtägigen Kurs mit dem Titel «Trüffeln für Nichttrüffler» besucht. «Dort konnte man einfach mal testen, ob der eigene Hund überhaupt dafür geeignet wäre oder Talent hätte», erzählt der 49-Jährige. Schnell zeigte sich: Pizzo hat Talent. Innert kürzester Zeit spürte der damals etwa halbjährige Rüde gleich drei vergrabene Trüffel auf. «Ich habe ihn dann selbst weiter ausgebildet», erzählt Inglin. Ganz spielerisch. «Ich habe erst einen Spielball mit etwas Trüffelöl eingerieben. Dann habe ich angefangen, kleine Trüffelstücke in Schachteln zu verstecken.»

Pizzo hat schnell gelernt. «Natürlich auch, weil er immer eine feine Belohnung bekommen hat», ist Inglin sicher. Für jeden Fund gibt es nämlich einen Finger voll ‹Le Parfait›. Das möge er besonders. «Aber nur das Original. Ich habe von einer Bekannten, der ich Trüffel geschenkt habe, mal eine Tube aus der Migros bekommen. Das frisst er nicht», erzählt Inglin und lacht. Trotzdem sei er überrascht, dass es so gut funktioniere. «Ich kenne keinen anderen Dalmatiner, der das macht. Meist werden Lagottos zum Trüffeln eingesetzt.»

Es kann auch mal ein Kilo sein

Die dritte Pilzsaison bestreiten Urs Inglin und Pizzo in diesem Herbst. Derzeit ist Trüffel-Hochsaison. «Ich bin fast jedes Wochenende unterwegs», sagt Inglin. Es gebe einige bekannte Gebiete wie etwa das Frick- oder Seetal. «Letztes Jahr konnte ich zum ersten Mal auf ‹meine Plätzchen› zurückgreifen. Das macht Freude», berichtet der Sozialarbeiter. Wo sich diese befinden, das verrät Inglin natürlich nicht, obwohl er, wie er versichert, kein klassischer Pilzer sei, der alles für sich behalte. «Aber bei den Trüffeln bin ich schon etwas vorsichtig.»

Vor allem, weil es gar nicht so einfach ist, welche zu finden. Der Ertrag nach einem Tag im Wald fällt für Inglin immer unterschiedlich aus. «Meist finde ich zwischen 200 und 500 Gramm. An einem richtig guten Tag kann es auch mal ein Kilo sein. Aber das ist eher selten.» Grundsätzlich wächst in den Schweizer Wäldern der Burgundertrüffel. Der Kilopreis für die Delikatesse liegt – je nach Qualität und Nachfrage – derzeit zwischen 500 und 1000 Franken. Die Pilze spriessen vor allem in kalkhaltigen Böden, in der Regel in Laubwäldern. «Buchen, Eichen und Eschen sind immer gute Indikatoren für Fundorte», gibt Inglin preis. Trotzdem seien er und Pizzo oft stundenlang unterwegs. «Meist reisen wir etwa 45 bis 60 Minuten an, und dann spazieren wir einfach durch den Wald, bis der Dalmatiner angibt.» Und wenn es dann so weit ist, dann gelte es, schnell zu sein. Denn wenn Pizzo richtig losbuddle, bestehe die Gefahr, dass er die Pilze kaputtmache. «Er hat auch schon viele gefressen. Vor allem die kleinen, die an der Oberfläche liegen. Wahrscheinlich hat er schon mehr Trüffeln gegessen als ich», erzählt der Hundefreund und tätschelt seinen Gefährten.

Vieles kommt auf den Teller

Mit seinen Funden geht der Baarer äusserst sorgfältig um. Er habe zwar schon Restaurants in der Umgebung beliefert. Das komme aber nicht so oft vor. «Vor allem seit die weissen Trüffel Saison haben, sind die einheimischen kaum mehr gefragt.» Manchmal verkaufe er auch an Private. Auch schon hat er sich auf Bestellung auf die Suche begeben. «Die meisten Stücke verschenke ich aber, oder sie kommen daheim auf den Tisch. Gerade gestern gab es ein Poulet, gefüllt mit Trüffeln. Das war wunderbar.»