Kolumne
Pirat oder Prinzessin?

Redaktorin Laura Sibold sinniert über ihre früheren und heutigen Verkleidungen.

Laura Sibold
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Laura Sibold.

Laura Sibold.

Bild: Stefan Kaiser

Meinen allerersten Fasnachtsumzug besuchte ich als Clown. Meine Mutter nähte mir ein knallrotes, mit drei grossen grünen Knöpfen versehenes «Gloon-Gwändli». Dazu kamen ein bunter Hut auf den Kopf und natürlich ein wohlverdientes «Tröti» in die Hand. Die Krönung war jeweils die Schminke im Gesicht: Ich liebte es schon als Fünfjährige, mit einer roten Nase, schwarz umrandeten Augen und einem breit geschminkten Lächeln durch die Strassen unseres Dorfes zu ziehen.

Das Clownskostüm wurde mir irgendwann zu klein und das «Tröti» zu kindisch, doch die Liebe für Farbe im Gesicht ist geblieben. Während sich viele meiner Freundinnen als Prinzessinnen oder Feen verkleideten, konnte ich mit Tüll und Glitzer nur wenig anfangen. Viel lieber verwandelte ich mich in einen bösen, im ganzen Dorf gefürchteten Piraten. Zerrissene Hosen, Piratenhut, Fernrohr und Schwert durften da natürlich nicht fehlen.

Doch was wäre ein richtiger Pirat ohne seine Augenklappe! Mit schwarzer Gesichtsfarbe malte ich mir diese jeweils selber auf – dazu ein paar orange Sommersprossen, eine Narbe und markante braune Augenbrauen. Das Resultat wirkte jeweils wie eine wilde Mischung aus Frankenstein und Pipi Langstrumpf.

Gewisse Eigenheiten habe ich mir bis heute bewahrt. Für einen Fasnachtsball kramte ich vergangene Woche ein Piratenkostüm hervor. Auf dem Estrich fand ich mein kleines Clownskostüm, daneben das alte Fernrohr samt Schwert und vertrockneter Kinderschminke. In einer Kiste stiess ich auch auf meinen Piratenhut, der mir noch immer ganz gut passt. Die obligate Augenklappe malte ich mir mit schwarzer Farbe selber wieder auf. Da «mein» Pirat mittlerweile etwas älter geworden ist, kam noch ein schöner Schnurrbart dazu.

Am Fasnachtsball selber wirkte ich mit meinen 162 Zentimetern wohl nicht sehr imposant – fühlte mich aber wieder wie der böseste und meistgefürchtetste Pirat weit und breit. Derweil fielen mir an diesem Abend bestimmt drei junge Frauengruppen auf, die sich allesamt als Zahnfeen oder Prinzessinnen verkleidet hatten. Ob sie ihre Flügelchen und Krönchen wohl auch seit Kindertagen mit sich herumtragen?