Plakate gehören zum Wahlkampf – Fairness auch

«In einer Nacht- und Nebelaktion wurden Gesichter überklebt» sowie, «Verschont uns bitte mit dieser Plakatiererei» Ausgaben vom 14. und 17. September

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In der «Zuger Zeitung» wurde in einem Leserbrief kritisiert, dass im Wahlkampf die Plakate mit den Kandidierenden die Landschaft verunzieren. Stattdessen sollen die Politiker besser auf Dorfplätzen mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen. Gleichzeitig werden Plakate von Kandidaten überklebt, weil sie keine Frauen sind. Wir, die Parlamentarier, die erneut zur Wahl antreten, nehmen gerne dazu Stellung. Plakate gehören zum Wahlkampf. Würden wir keine aufstellen, käme der Vorwurf, wir würden uns gar nicht engagieren für die Wahlen. Es ist richtig: Kein Plakat ersetzt den Dialog mit der Bevölkerung. Deshalb sind wir praktisch täglich und praktisch zu jeder Tageszeit präsent, an Veranstaltungen, an Bahnhöfen, an Dorfmärkten, an Parteianlässen. So können möglichst viel Menschen, die uns kennen lernen wollen, mit uns diskutieren wollen, dies auch tun. Kaum ein Land in Europa hat Politikerinnen und Politiker, die so leicht erreichbar sind, mit denen die Menschen in Kontakt treten können, und dies nicht nur während des Wahlkampfs. Dass Aktivistinnen nun einzelne Plakate überkleben, weil sie eine andere, weibliche Vertretung in Bern wollen, ist aus unserer Sicht bedauerlich. Es gibt auf allen Listen gute und fähige Frauen, die sich zur Wahl stellen. Diese verdienen die Unterstützung bei den Wahlen. Aber unfaire und anonyme Sachbeschädigung an Plakaten, nur weil man eine andere Meinung hat, ist nicht der Stil, mit dem in der Schweiz Wahlkampf gemacht wird. Wir freuen uns auf die letzten Wochen fairen Wahlkampf und stehen gerne allen, die das wünschen, für Dialog und Diskussion zur Verfügung. Und wir versprechen: Am 21. Oktober werden die Plakate, die es nicht mehr braucht, möglichst zügig wieder entfernt werden.

Thomas Aeschi, Nationalrat SVP, Baar, Gerhard Pfister, Nationalrat CVP, Oberägeri, Peter Hegglin, Ständerat CVP, Menzingen



Vor den anstehenden National- und Ständeratswahlen werden landauf und landab Plakate im Grossformat aufgestellt, um in eigener Sache Werbung zu machen. Es fällt auf, dass die Plakate der SVP-Kandidaten in regelmässigen Abständen mutwillig verändert, besprayt oder abgerissen werden. Das kann doch kein Zufall sein. Es zeugt von wenig Intelligenz, in einer Nacht- und Nebelaktion Plakate zu zerstören. Vielleicht kann man sich damit irgendwo brüsten und gilt auch noch als «cool». Die SVP und alle anderen politischen Parteien im Kanton Zug sind bestrebt, einen fairen Wahlkampf zu führen. Solche Aktionen sind unnötig und dienen der Sache nicht. Ich bin überzeugt, dass hinter diesem Vandalismus Personen stehen, die nichts mit sachlicher Politik zu tun haben. Sie würden sonst ihre Meinungen und Ansichten über die Partei oder den Kandidaten öffentlich in einem Leserbrief kundtun. Der Aufwand, für etwas Sinnvolles einzustehen, benötigt mehr Zeit und Engagement als Vandalismus!

Christian Rogenmoser, Menzingen



Bürger gegen Bürger (Plakate mit Maden und Würmern), Frauen gegen Männer (überkleben von Gesichtern), Frauen gegen Frauen (Brief von Karen Umbach in der «Zuger Woche»), der Wahlkampf zeigt sich in diesen Beispielen von seiner hässlichen Seite. Die CSP Zug missbilligt solche Aktionen klar und deutlich und setzt sich für faire Politik ein. Leider findet eine Amerikanisierung des Schweizer Wahlkampfs statt. Grenzen des Anstandes werden überschritten, verletzende Angriffe werden toleriert und publiziert. Auf internationalem Parkett ist diese Taktik äusserst erfolgreich. Politiker mit einem losen Mundwerk und dickem Portemonnaie kommen an die Spitze. Alleinige Macht einer vermeintlichen Elite ist wichtiger als Ausgewogenheit zum Wohle aller. Machthungrige oder Benachteiligte greifen zu unwürdigen Methoden. Die Zugerinnen und Zuger haben die Wahl einen Gegentrend zu setzen. Die Zeit ist überreif für eine Frauenvertretung im Bundesparlament. Auch die Linke hat einen berechtigten Anspruch auf einen Zuger Sitz. Was ausschlaggebend sein soll, ist die politische Erfahrung und das Profil und Engagement einer Person. Unser Glaube und unsere Hoffnung liegen darin, dass die Wählerinnen und Wähler die Konkordanz verstehen und wissen, dass diese in unserem politischen System eine unabdingbare Notwendigkeit ist. Ohne die faire Berücksichtigung aller Parteien und Geschlechter wird unser stabiles Politsystem in einen Krieg zwischen den Fronten abdriften und Angriffe werden zunehmen. Nachweislich hat die Bereitschaft, Probleme gemeinsam zu lösen, in der Schweiz nachgelassen. Die Stabilität und das Wohlergehen werden darunter leiden. Ob es bei diesen Wahlen Fairness in der Zuger Politik gibt und ob Frauen und die breite politische Palette in Bern vertreten sein werden, wird sich am 20. Oktober 2019 zeigen.

Barbara Müller Hoteit, Gemeinderätin, Co-Präsidentin CSP Zug