Plastiksammeln im Kanton Zug war in den letzten Jahren nicht von Erfolg gekrönt

In Zug wurden diverse Projekte lanciert, Kunststoff separat zu entsorgen. Kein Recycling-Projekt führte bisher zum Erfolg.

Carmen Rogenmoser
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Recycling von Kunststoffverpackungen bleibt ein grosses Thema.

Recycling von Kunststoffverpackungen bleibt ein grosses Thema.

Symbolbild: Dominik Wunderli

Vor kurzem hat der Grossverteiler Migros angekündigt, einen Plastiksammelsack zu lancieren. Entsorgen könnte man damit jede Art von Plastik, etwa Folien, Joghurtbecher oder Fleischverpackungen. In Zusammenarbeit mit einem Thurgauer Unternehmen hätte der Plastik recycelt werden und aus dem gewonnenen Granulat neue Migros-Produktpackungen entstehen sollen. Der Start war für den 29. Juni vorgesehen. Es kam anders als angesagt. Die Migros stoppte das Projekt vorerst.

So oder so sorgt die Ankündigung für Diskussionen. Kunststoff lasse sich nicht mehrfach in guter Qualität rezyklieren, schreibt etwa die Umweltorganisation Greenpeace. Auch der Alleingang der Migros kommt nicht überall gut an. Ein flächendeckendes Sammelsystem fehlt aber bisher. Das bei einem Verbrauch von rund einer Million Tonnen Kunststoff pro Jahr in der Schweiz. Ein Drittel davon sind Verpackungen, Gewerbe und Industrie nicht mitgezählt.

Versuche mit Zementfabrik und Verölungsanlage

Eine Organisation, die sich mit der Plastiksammlung auskennt, ist die Zeba (Zweckverbande der Zuger Einwohnergemeinden für die Bewirtschaftung von Abfällen). Von 2006 bis 2015 war es möglich, im Ökihof in Zug Gemischtkunststoff abzugeben. Ein Teil des Plastiks wurde zu Öl verarbeitet, der Rest ging als Ersatzbrennstoff ins Zementwerk. Die Firma Plastoil in Sihlbrugg hatte zur Verölung eine Pilotanlage. «So richtig in Schwung kam das Projekt aber nicht, da die Kunststoffe zu heterogen waren», sagt Heidi Oswald, Geschäftsführerin der Zeba. Nach fast zehn Jahren wurde es beendet. Seither landet das Plastik auch in der Stadt Zug wieder im Hausmüll – mit Ausnahme von PEHD-Flaschen. Diese Polyethylen Hohlkörper, dazu gehören etwa Shampoo- und Putzmittelflaschen, werden seit 2016 separat gesammelt. «Wir orientierten uns dabei an den Grossverteilern Migros und Coop, bei denen dieser Kunststoff auch abgegeben werden kann», so Oswald.

Bei den Flaschen handle es sich um eine relativ reine Plastikart. Das beim Recycling entstehende Granulat wird für Kunststoffrohre oder Kabelummantelungen verwendet. «Neue Flaschen entstehen daraus noch nicht, der Kreislauf ist noch nicht geschlossen», sagt die Expertin. Die Gründe dafür seien die Farbe und der Geruch des recycelten Kunststoffs. «Dass der Kreislauf ganz geschlossen werden kann, ist die Zukunft», ist sich Oswald sicher. Beim PET etwa konnte das erreicht werden. «Hier entsteht hochwertiges Material, das wieder in neuen Flaschen eingesetzt wird.» Bereits 1995 wurde ein erstes Sammelsystem für alle Kunststoffe ausser PVC (das etwa für Rohre oder Schallplatten verwendet wird) eingeführt. «Der Kanton Zug war sehr früh dabei», sagt Heidi Oswald. Während fünf Jahren konnte man Plastik und Getränkekartons so gratis in Ökihöfen abgeben.

Verpackung als kleiner Teil der Umweltbelastung

1999 wurde die Rekordmenge von 1400 Tonnen Kunststoff gesammelt. «Es handelte sich dabei um eine sehr heterogene Zusammensetzung», so Oswald. Verwendet wurde der Kunststoff als Ersatzbrennstoff in der Zementproduktion. «Der Schadstoffgehalt lag bei einigen Stoffen über dem Grenzwert.» Das Experiment wurde nach fünf Jahren beendet. Im Anschluss gab es weitere Sammelversuche, die alle nach kurzer Zeit wieder eingestellt wurden.

Das Hauptproblem beim Plastik sind die verschiedenen Kunststoffarten, die sich teilweise nicht mehr trennen lassen. So zum Beispiel bei Fleischverpackungen. Zwar seien diese Verpackungen nicht mehr recycelbar, dafür sorgen sie für eine lange Haltbarkeit des Produktes, so Oswald. Entsprechend falle weniger Foodwaste aus, was wiederum der Umwelt nütze. «Die Verpackung macht lediglich 2 bis 5 Prozent der Umweltbelastung eines Produktes aus», weiss die Expertin.