Platznot: Der Erfolg der Schülerbetreuung in Walchwil kennt eine Kehrseite

Die von der Gemeinde lange vernachlässigten Angebote werden mittlerweile so gut genutzt, dass improvisiert werden muss. Auch darüber hinaus benötigt das Dorf mehr Raum für die Schule.

Raphael Biermayr
Drucken
Teilen

Lange Zeit war die Gemeinde Walchwil in einem Bereich vergleichsweise rückständig: Die schulergänzende Betreuung, die über den Mittag hinausreicht, wurde erst auf das Schuljahr 2018/19 hin eingeführt. Damit folgte man offenkundig einem Bedürfnis. Denn die Anmeldungen gingen zahlreich ein und schon ein Jahr später wurde die Lücke am Mittwochnachmittag geschlossen.

Heute nutzen zur Spitzenzeit, am Dienstagmittag, nach Angaben des zuständigen Gemeinderats Manuel Studer (CVP) 120 Schüler das Angebot. Das entspricht nur knapp weniger als der Hälfte aller Kindergärtler und Schüler im Dorf.

Oberstufenschüler müssen ausweichen

Dieser Erfolg kennt eine Kehrseite: Der Raum für die schulergänzende Betreuung ist zu knapp. So nehmen die Oberstufenschüler ihr Mittagessen laut Studer nicht wie die anderen im Sternenmattschulhaus, sondern im nah gelegenen Altersheim Mütschi ein.

Um der Platznot Herr zu werden, plant die Gemeinde gemäss dem Schulpräsidenten «in naher Zukunft» den Bau eines Provisoriums, das die Situation für die folgenden Jahre entschärfen würde. Auch hierbei wird allerdings der Platz zum Problem. Die Frage kommenden Areale im Bereich der Schulhausstrasse seien nämlich für andere Projekte reserviert. Es sind dies namentlich der neue Ökihof sowie ein neues Schulhaus.

Jenes könnte auf dem gemeindeeigenen Grundstück zwischen Feuerwehrdepot und Kirchgasse entstehen. Nach Angaben von Manuel Studer sei ein Planungsbüro derzeit dabei, die verschiedenen Bedürfnisse für neue Räumlichkeiten abzuklären.

Auf dem freien Areal zwischen Kirchgasse und Feuerwehrdepot (im Hintergrund) könnte ein neues Schulgebäude entstehen.

Auf dem freien Areal zwischen Kirchgasse und Feuerwehrdepot (im Hintergrund) könnte ein neues Schulgebäude entstehen.

Bild: Stefan Kaiser (Walchwil, 8. Juli 2020)

Lange wurden nur «Bergkinder» mittags verpflegt

Die Situation erinnert an den Sommer 2004. Damals sprach die Gemeindeversammlung (GV) Geld für die Erweiterung der unter Platznot leidenden Schule sowie den Umbau des Schulhauses Sternenmatt. Dort wurden fast 40 Jahre lang im Rahmen der sogenannten Schulsuppe die Kinder der Walchwiler Bergregion über den Mittag verpflegt. Dies nicht aus Platz-, sondern aus Zeitnot: Diese Kinder schafften es bis zum Wiederbeginn des Unterrichts schlichtweg nicht in ihr entlegenes Zuhause und zurück.

Als Folge des positiven GV-Bescheids gab es seit dem Schuljahr 2004/05 an Stelle der Schulsuppe den Mittagstisch. Dort wurden auch die Kinder aus dem Dorfteil verköstigt. Der Mittagstisch wurde vor zwei Jahren um Morgen- und Nachmittagsbetreuungsangebote erweitert.

Was in Walchwil hingegen nach wie vor fehlt, ist eine Ferienbetreuung. Besteht daran nach der Einschätzung des Gemeinderats kein Interesse? «Es gibt wohl schon Eltern, die das wünschen», sagt Manuel Studer, «aber die Nachfrage ist derzeit nicht gross genug».