Kommentar

Wenn die Freiheit ganz plötzlich wieder begehrt ist

Das Gefühl, wenn das gesellschaftliche Leben zu einem abrupten Stillstand kommt, das kennen nun weite Teile der Schweizer Bevölkerung, schreibt Harry Ziegler, Chefredaktor der «Zuger Zeitung». Der Bundesrat hat diesen Stillstand richtigerweise vor dem Hintergrund der schnellen Ausbreitung der Ansteckungen durch den Corona-Virus verfügt.

Harry Ziegler
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Harry Ziegler.

Harry Ziegler.

Bild: Stefan Kaiser

Nun allerdings gibt es die Schlaumeier, die mit gewagten Interpretationen einen wirtschaftlichen oder einen ihnen vermeintlich zustehenden Vorteil in der persönlichen Freiheit ergattern wollen. Und dann gibt es die Gruppe, die die Gefahr für andere, die vom Virus ausgeht negiert, weil sie nicht zur Risikogruppe gehört.

Es ist bedenklich, dass in dieser Zeit der Krise die persönliche Freiheit, tun und lassen zu können, was man möchte, plötzlich wieder dermassen begehrt ist, dass man ihr Vernunft und Solidarität wider besseres Wissen unterordnet. Plötzlich gilt nicht mehr, was in «normalen» Zeiten gilt – nämlich, dass die Freiheit des einen dort endet, wo diejenige des anderen beginnt. Aktuell gilt nur die eigene Freiheit. Die der anderen? – Pah, was soll’s.

Natürlich handelt nur ein geringer Teil der Bevölkerung so unverbesserlich und unsolidarisch. Aber es sind halt eben genau die wenigen Leute, die dafür sorgen, dass der Bundesrat nicht anders kann, als seine Anordnungen weiter zu verschärfen. Demokratie verkehrt sozusagen. Für einmal diktiert die Minderheit, nicht die Mehrheit das Vorgehen. Und das ist falsch. Absolut falsch.