Poeten buhlten ums Publikum am Open-Air-Poetry-Slam in Baar

Am Open-Air-Poetry-Slam der «Zebrafanten» zelebrierten neun Poetinnen und Poeten aus der Schweiz die Kunst des gesprochenen Wortes. Es ging unter anderem um den Titel «Meister der Savanne».

Daniela Sattler
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Markus Werner war einer der Poeten, welche sich ans Mikrofon wagten. (Bild: Roger Zbinden (Baar, 22. Juni 2019))

Markus Werner war einer der Poeten, welche sich ans Mikrofon wagten. (Bild: Roger Zbinden (Baar, 22. Juni 2019))

Beim Poetry-Slam treffen Gedichte auf Sprachgesang, Rap auf Storytelling und Tiefsinn auf Witz. Der Verein Zebrafant hat sich der Aufgabe verschrieben, die Kunst des gesprochenen Wortes zu fördern. «Wir wollen in Zug eine Slam-Szene aufbauen», erklärte Debora Baumgartner, deshalb fand am Samstagabend ein klassischer Poetry-Slam im Freien statt, unterstützt von «Baar macht Kultur».

Baumgartner habe diesen Verein allerdings bereits 2017 gemeinsam mit Robert Henrik von Dewitz gegründet. Inzwischen zählt die Herde sieben Zebrafanten und lädt mit Veranstaltungstrilogien im Frühling und Herbst jeden dritten Mittwoch im Monat zum Slam ins «Chicago» in Zug ein. Diese Anlässe sind keine klassischen Slams, sondern Poetry-Shows. Die Slammer messen sich dort nicht im Wettstreit, sondern tragen ihre Texte wertungsfrei vor. Die Feedbacks bei den klas­sischen Slams seien manchmal knallhart, erklärte Baumgartner. «Daher möchten wir möglichst viele Poeten gewinnen, die ihren ersten Schritt bei uns wagen.»

Neun Poetinnen und Poeten jeden Alters entführten die Gäste vor dem Kunstkiosk im Robert-Fellmann-Park in Baar mit kurzweiligen Episoden auf eine Reise durch Gedichte und Geschichten. Dafür kamen sie aus den verschiedensten Orten der Schweiz. Sechs Minuten standen den Wortkünstlern zur Verfügung, um das Publikum für ihre selbst geschriebenen Texte zu begeistern.

Es geht nicht ums Gewinnen

Zebrafant Henrik erklärte erst den Ablauf und die Spielregeln. Als Schiedsrichter achtete er während der Darbietungen dann darauf, dass alle Teilnehmer die Zeit einhielten, und entschied, bei welchem Slammer der Beifall lauter war. Das Publikum bestimmte nämlich mit Rufen und Klatschen, wer zum «Meister der Savanne» erkoren wurde und den ersten Schluck aus der Whisky-Flasche nehmen durfte.

Das Publikum hatte Spass und ergötzte sich am Humor der Poeten. Geboten wurde alles, was das Genre hergibt: nachdenkliche Texte, persönliche Betrachtungen und Stücke mit viel Witz. Dazu gab es kühle Getränke und Feines vom Grill.

Ins Finale slammte sich Lukas Becker aus Zürich mit einem Beitrag gegen «Selbstoptimierung und Burn-out». Mit seinem wortgewandten Text über «Alkohol» konnte sich auch Claude Ziehbrunner aus Zürich ins Endspiel qualifizieren. Die Dritte im Bunde war Lea Walker aus Vitznau, die im Ostschweizer Dialekt Ortschaftsnamen eine neue Bedeutung gab. Mit ihrer auf Kinderliedern aufgebauten Geschichte um «Hans, die Tochter einer Hippie-Mutter», holte sich Lea Walker dann den Titel «Meisterin der Savanne».

Aber es gehe hier gar nicht ums Gewinnen, meinte Walker. «Es geht ums Mitmachen.» So sieht es auch Luisa Viggiano aus Luzern. Sie hatte es nicht ins Finale geschafft. «Inzwischen kennt man sich in der Szene und freut sich darauf, gemeinsam Spass am Spiel mit der Sprache zu haben», meinte sie.