Die Politik hält die Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug auf Trab

Nach 2018 knackt die Ausgleichskasse Zug 2019 erneut die Milliardengrenze bei den Einnahmen.

Harry Ziegler
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Das Gebäude der Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug.

Das Gebäude der Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug.

Bild: Stefan Kaiser
(Zug, 7. Juni 2019)

1,11 Milliarden Franken konnte die Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug 2019 an Versicherungsbeiträgen verbuchen. Das ist gegenüber 2018, als die Milliardengrenze erstmals übertroffen wurde (1,04 Milliarden Franken) ein Plus von fast 7 Prozent. Aber nicht nur die Einnahmen waren so hoch wie nie. Die Versicherungsleistungen stiegen 2019 um 3,5 Prozent auf 768 Millionen Franken. 2018 betrugen diese 742 Millionen Franken. Das finanzielle Gesamtvolumen der Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug betrug 2019 rund 1,88 Milliarden Franken. Das sind 5,5 Prozent mehr als 2018 (1,78 Milliarden Franken.

«Die steigenden Versicherungsbeiträge zeigen, dass es der Zuger Wirtschaft gut geht», erklärte Rolf Lindenmann, Direktor der Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug an der Präsentation seiner letzten Jahresrechnung. Er geht Ende Juli nach 26 Jahren bei der Ausgleichskasse Zug in den Ruhestand. Seine Nachfolge tritt per 1. August Ramona Zimmermann, aktuell Leiterin des Rechtsdiensts der Ausgleichskasse und Stellvertreterin Lindenmanns, an.

Die Coronakrise wird Spuren hinterlassen

Die aktuelle Krise wird Spuren in der Wirtschaft hinterlassen und somit auch die Ausgleichskasse Zug treffen, ist Lindenmann überzeugt. Beziffern könne man die Auswirkungen allerdings noch nicht. Beziffern hingegen kann die Kasse das tägliche Geschäft. So wurden 2019 AHV-Leistungen in der Höhe von etwas über 414 Millionen Franken ausbezahlt, während in der IV rund 57,5 und beim Erwerbsersatz und der Mutterschaftsentschädigung knapp 23,7 Millionen Franken ausbezahlt wurden. Lindenmann rechnet weiter mit einem Anstieg der ausbezahlten AHV-Leistungen, dies ganz einfach, weil es immer mehr Personen im Rentenalter geben wird. Die Babyboomer kommen jetzt nach und nach ins Rentenalter. Als Babyboomer gelten in der Schweiz die Jahrgänge ab 1946 bis 1964.

Ergänzungsleistungen wurden 2019 total fast 50,4 Millionen Franken ausgezahlt, die Ausschüttung der Individuellen Prämienverbilligung betrug 2019 rund 57,8 Millionen Franken. Wobei der Regierungsrat beim Kantonsrat beantragt hat, in den nächsten drei Jahren die Ausschüttungssumme um jeweils 10 Millionen Franken aufzustocken. Die IV-Stelle weist für 2018 163 IV-Neurentnerinnen und -rentner aus. Das sind 0,2 Prozent der Zuger Bevölkerung. Zum Vergleich 2018 weist die Schweiz 15904 Neurenten aus, was 0,3 Prozent der Schweizer Bevölkerung entspricht. Die Zahlen 2019 wurden vom Bundesamt für Sozialversicherungen noch nicht veröffentlicht.

Die Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug arbeitet derart erfolgreich, dass sie als eine der wenigen Kassen mehr abliefert als sie zur Erfüllung ihrer Verpflichtungen benötigt. 2019 hat die Zuger Kasse total knapp 902 Millionen Franken an die Zentrale Ausgleichskasse (ZAS) überwiesen und erhielt knapp 450 Millionen Franken für die Rentenzahlungen zurücküberwiesen. Sie lieferte somit über 450 Millionen mehr ab, als zur Erfüllung der Verpflichtungen notwendig waren.

Zahlreiche Reformen sind umzusetzen

Gefordert wird die Ausgleichskasse auch von der Bundespolitik. Erwartet wird aus Bundesbern das Inkrafttreten zahlreicher Reformen. Auf der Agenda sind die Familienzulagen, die Reform der Ergänzungsleistungen, die Anpassung der Erwerbsersatzordnung inklusive Vaterschaftsentschädigung, Adoptionsurlaub, Betreuungsurlaub zur Pflege schwer kranker Kinder, Ergänzungsleistungen zur AHV/IV, Überbrückungsleistungen für ältere Arbeitslose, Weiterentwicklung der IV, die Stabilisierung der AHV, das CO2-Gesetz oder die Revision des Sozialversicherungsgesetzes allgemeiner Teil.

Die Ausgleichskasse und IV-Stelle Zug ist das Durchführungsorgan all dieser Reformen – und der entsprechenden personalintensiven Umsetzungsarbeiten. «Die Stelle wird dies umsetzen», erklärt Lindenmann, allerdings bereite ihm die Entwicklung Sorgen. «Die Sozialversicherungen sind eigentlich Massenversicherungen», so der Direktor. Politisch aber werde immer mehr aufgrund von Einzelfällen revidiert. Meist verursache eine solche Revision zwar wenig Kosten, der administrative Aufwand steige aber stark. «Ich stelle fest, dass immer mehr auf der Mikroebene geregelt wird.»