Politik
«Ich möchte jungen Kräften Platz machen»: Der Steinhauser Gemeindepräsident Hans Staub äussert sich zu seinem Rücktritt

16 Jahre hat der Mitte-Politiker im Gemeinderat politisiert, vier davon als Gemeindepräsident. Amtsmüde sei er keineswegs, sagt er im Interview – trotzdem sei der Zeitpunkt für einen Rücktritt richtig.

Interview: Rahel Hug
Drucken
Hans Staub wird im Dezember 2022 64 Jahre alt.

Hans Staub wird im Dezember 2022 64 Jahre alt.

Bild: Stefan Kaiser (Steinhausen, 10. Januar 2019)

Der Steinhauser Gemeindepräsident Hans Staub (Mitte) hat angekündigt, im Herbst nicht zur Wiederwahl anzutreten. Er sitzt seit 2007 im Gemeinderat, vor vier Jahren wurde er zum Gemeindepräsidenten gewählt. Im Interview nimmt er Stellung zu den Gründen für seinen Rücktritt.

Es ist eher ungewohnt, dass ein Gemeindepräsident nur vier Jahre im Amt ist. Weshalb haben Sie sich entschieden, nicht mehr anzutreten?

Hans Staub: Ich möchte jungen Kräften Platz machen, im Dezember werde ich 64 Jahre alt. Der Rücktrittsentscheid ist schon länger gereift, jetzt ist für mich der richtige Zeitpunkt gekommen. Ich wurde vor 16 Jahren in den Gemeinderat gewählt, das ist eine lange Zeit.

Trotzdem: Ihr Entscheid kommt überraschend. Als Sie vor vier Jahren für das Gemeindepräsidium kandidierten: Wussten Sie bereits, dass Sie per Ende 2022 aufhören möchten?

Nein, diese Überlegungen habe ich damals nicht gemacht. Es hat sich richtig angefühlt zu kandidieren, und jetzt fühlt es sich richtig an, nicht wieder anzutreten. Ich habe mich wohl gefühlt in diesem Amt und bin keineswegs amtsmüde.

Zuletzt erlebten Sie eine turbulente Gemeindeversammlung, bei der Schulraumplanung sowie bei der Entwicklung des Bahnhofareals musste der Gemeinderat Niederlagen einstecken. Auch die Durchgangsstation, die nun neu gebaut wird, ist ein Dauerbrenner. Wie gingen und gehen Sie als Gemeindepräsident damit um?

Niederlagen gehören dazu und sind Teil des Geschäfts. Klar, als Gemeindepräsident braucht man vielleicht eine etwas dickere Haut, Kritik kommt häufiger als Lob. Ich gebe zu, dass ich auch schlaflose Nächte hatte, aber im Grossen und Ganzen konnte ich gut damit umgehen, etwas stärker im Fokus der Öffentlichkeit zu stehen. Und ich habe viele positive Erfahrungen gemacht, diese überwiegen klar.

An welche denken Sie? Wo konnten Sie als Gemeindepräsident Pflöcke einschlagen?

Im Baubereich konnten wir einige Projekte umsetzen, etwa bei der Aussensanierung des Schulhauses Sunnegrund 4, beim Musikschulzentrum Sunnegrund 1 oder beim Rathaus, das umgebaut wurde. Ich werde auch den Kontakt mit der Bevölkerung und den Austausch mit dem Kanton und den anderen Gemeindepräsidenten in guter Erinnerung behalten.

Neben dem Gemeindepräsidium stehen Sie der Abteilung Schulen/Bildung vor. Wie sind die Steinhauser Schulen aufgestellt, abgesehen vom Platzproblem in der Schulanlage Sunnegrund?

Die Schulen sind sehr gut aufgestellt. Wir haben eine gute Leitung und beständige Teams. Die Lehrpersonen sind treu und arbeiten gerne bei uns. Ich bin zudem positiv eingestellt, dass es mit der Gesamtschau für die Schulanlage Sunnegrund im dritten Anlauf klappen wird. Eine Herausforderung ist nach wie vor der Schwimmunterricht. In Steinhausen haben wir zu wenig Wasserflächen, das wird in den kommenden Jahren ein Thema sein.

Gerät Ihre Partei nun in Turbulenzen, weil ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, um eine mögliche Nachfolge aufzubauen?

Wie gesagt: Ich habe mir einen Rücktritt schon länger überlegt und der Entscheid ist sehr eng mit der Partei abgesprochen.

Wie geht es für Sie persönlich weiter nach Ihrer Zeit im Gemeinderat?

Bis Ende Jahr bin ich natürlich noch mit vollem Einsatz im Amt. Danach freue ich mich auf eine etwas dünnere Agenda. Sicherlich werde ich mich sportlich wieder mehr betätigen, etwa beim Ski- oder Velofahren. Und ich führe ja noch eine kleine feinmechanische Werkstatt im Einmannbetrieb. Dort denke ich noch nicht ans Aufhören.

Aktuelle Nachrichten