Post in Oberägeri: Wie stehen die Chancen?

Die Empfehlung der Kommission PostCom zur Schliessung in Oberägeri wird innerhalb des nächsten halben Jahres erwartet. Seit 2012 hat die Behörde der Post in sechs Fällen vorgeschlagen, auf eine Schliessung zu verzichten.

Rahel Hug
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Die Poststelle in Oberägeri (im Bild) soll geschlossen werden. Der Gemeinderat wehrt sich dagegen.

Die Poststelle in Oberägeri (im Bild) soll geschlossen werden. Der Gemeinderat wehrt sich dagegen.

Bild: Stefan Kaiser (9. Dezember 2019)

Die Veränderungen im Schweizer Postnetz sind unaufhaltbar. Weil die Kunden ihre Postgeschäfte vermehrt elektronisch erledigen, schliesst die Post immer mehr Filialen. Auch in Oberägeri soll die Poststelle an der Poststrasse 3 zumachen. Stattdessen möchte die Post im Coop eine «Filiale mit Partner» einrichten. Doch der Oberägerer Gemeinderat wehrt sich mit allen Mitteln gegen den geplanten Schritt. Er lässt den Entscheid durch die Kommission PostCom überprüfen. Dieses Rechtsmittel steht betroffenen Gemeinden offen. Oberägeri ist die erste Gemeinde im Kanton Zug, die sich für diesen Schritt entschieden hat.

Doch was genau prüft die unabhängige Behörde? Und wie sind ihre Empfehlungen an die Post in der Vergangenheit ausgefallen? Wie gross sind die Chancen, dass Oberägeri «seine» Post behalten kann? Wie die Nachfrage beim Kommunikationsbeauftragten Andreas Herren zeigt, eröffnete die Post im Jahr 2018 25 Standortgemeinden und 8 mitbetroffenen Gemeinden einen Entscheid über die Versorgung. 25 Gemeinden haben in der Folge eine Empfehlung der PostCom verlangt. Das entspricht laut Jahresbericht ungefähr dem Vorjahreswert. «Es wurden 18 Empfehlungen erlassen und ein Grossteil der Fälle konnte im Einvernehmen mit den Gemeinden bereinigt werden», gibt Herren Auskunft.

Post befolgt Empfehlungen «in aller Regel»

Die PostCom prüft gemäss der Postverordnung, ob die Post die Gemeinde angehört und eine einvernehmliche Lösung gesucht hat; ob der Entscheid die regionalen Gegebenheiten berücksichtigt; ob nach Umsetzung des Entscheids das Netz für 90 Prozent der Bevölkerung eines Kantons innert 20 Minuten zu Fuss oder mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar bleibt und ob in städtischen Gebieten und Agglomerationen gemäss Bundesstatistik mindestens ein bedienter Zugangspunkt gewährleistet ist. Wird die Schwelle von jeweils 15000 Einwohnern oder Beschäftigten überschritten, so ist ein weiterer bedienter Zugangspunkt zu betreiben.

In den Berichtsjahren 2012 bis 2019 gab es insgesamt sechs ablehnende Empfehlungen, wie von Andreas Herren zu erfahren ist. Er erklärt weiter: «Die Post befolgte die Empfehlungen der PostCom in aller Regel.» Einzige Ausnahme sei bisher der Fall der Poststelle Castagnola (Tessin), wo die Post und die Gemeinde nachträglich eine einvernehmliche Lösung gefunden haben.

Auf die Frage, wann mit einem Entscheid in Sachen Schliessung der Poststelle in Oberägeri gerechnet werden könne, sagt Herren: «Die Abgabe einer Empfehlung hat innert sechs Monaten nach Eingabe der Gemeinde an PostCom zu erfolgen.» Zum aktuellen Stand im Fall Oberägeri könne man keine Angaben machen. Die Empfehlungen der Kommission sowie die Jahresberichte sind online einsehbar, unter www.postcom.admin.ch.

Nutzung in allen Bereichen ist rückläufig

Der Oberägerer Gemeinderat argumentiert unter anderem mit der Ortsplanungsrevision, die ab 2020 startet. Im Rahmen dieses Prozesses sei auf dem ZVB-Areal im Zentrum eine publikumsorientierte Überbauung vorgesehen, eine Poststelle würde laut der Exekutive ideal dazu passen. Auch die Bevölkerungszahl wird ins Feld geführt: Gemeinsam mit Unterägeri erreiche man die Einwohnerzahl von 15000.

Markus Flückiger, Verantwortlicher regionale Kommunikation Mitte bei der Post AG, sagt dazu: «Eine Zunahme der Einwohnerzahl in einer Gemeinde oder einem Dorf bedeutet für die lokale Postfiliale nicht zwangsläufig höhere Frequenzen und mehr Postgeschäfte.» Die Post erachte eine Filiale mit Partner als zukunftsorientierte und kundenfreundliche Lösung. «Die Post bleibt mit ihren Dienstleistungen in Oberägeri vor Ort.»

Auf die Frage nach Zahlen der Kundenfrequenzen in der Zuger Gemeinde erklärt Flückiger: «Mit Ausnahme der Paketpost ist die Nutzung in allen Bereichen seit Jahren anhaltend rückläufig.» So seien die Einzahlungen seit 2010 um mehr als einen Viertel zurückgegangen, die Briefe sogar um mehr als die Hälfte.

Im ganzen Kanton Zug stehen den Post-Kunden laut dem Mediensprecher 39 «Zugangsmöglichkeiten» zur Verfügung: 17 Filialen (davon 8 Filialen mit Partner), 3 Hausservice, 6 Geschäftskundenstellen, 10 Aufgabe-/Abholstellen und 3 My-Post-24-Automaten. «Die Post baut ihr Netz an Zugangspunkten um, weil es nicht mehr den heutigen Kundengewohnheiten gerecht wird», führt Flückiger aus. Man schliesse keine Filiale ersatzlos, ohne dass eine alternative Lösung vorliege. Neue Lösungen entwickle die Post immer im Dialog mit den betroffenen Gemeinden und der Bevölkerung.