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PRÄNATALDIAGNOSTIK: Schwierige Fragen vor der Geburt

Vorgeburtliche Untersuchungen gehören für Schwangere heute zum Standard. Wer aber verunsichert ist, welche Tests gemacht werden sollen, kann sich bei einer Zuger Fachstelle melden.
Livio Brandenberg
Ein Ultraschalluntersuch im fünften Schwangerschaftsmonat. (Symbolbild) (Bild: Christian Beutler/Keystone (3. Juni 2014))

Ein Ultraschalluntersuch im fünften Schwangerschaftsmonat. (Symbolbild) (Bild: Christian Beutler/Keystone (3. Juni 2014))

Livio Brandenberg

livio.brandenberg@zugerzeitung.ch

Für viele Frauen geht mit der Schwangerschaft ein zentraler Wunsch in Erfüllung. Doch kaum schwanger, gilt es, diverse – bisweilen schwierige – Entscheidungen zu fällen. Eine davon ist, welche vorgeburtlichen Abklärungen gemacht werden sollen. Standardmässig gehören dazu etwa die Ultraschalluntersuchung, zu der die Nackentransparenzmessung (Nackenfaltenmessung), die Nasenbeinmessung und das allgemeine Ausmessen des Fötus zählt. Aber auch die Untersuchung von Hormonkonzentrationen im mütterlichen Blut.

Welche Tests gemacht werden sollen, ist grundsätzlich jeder erwartenden Frau beziehungsweise jedem Paar überlassen. Für viele gehören die pränatalen Abklärungen dazu. Andere wiederum sind unsicher. Und einige Frauen entscheiden sich auch, gar keine Untersuchungen betreffend die Entwicklung oder potenzieller Krankheiten des Ungeborenen vornehmen zu lassen. Vor dem moralischen und ethischen Hintergrund zu einem Entschluss zu kommen, kann schwierig sein. Hilfe holen können sie sich in Zug beim Kanton. Denn dieser unterhält eine Beratungsstelle für Pränataldiagnostik. Genau genommen wird die Beratung von der Sexual- und Schwangerschaftsberatungsstelle des Kantons angeboten. Die Stelle gibt es bereits seit 1978, seit 1992 hat sie ihren heutigen Namen.

Kantone müssen Beratung anbieten

Der Auftrag für die Beratung zu Pränataldiagnostik wurde mit dem Bundesgesetz über genetische Untersuchungen beim Menschen begründet. Dieses trat 2007 in Kraft und verpflichtet die Kantone, «Informations- und Beratungsstellen für pränatale Untersuchungen» zu schaffen, respektive diese Aufgabe anerkannten Schwangerschaftsberatungsstellen zu übertragen.

Vorgeburtliche Untersuchungen würden den Frauen oder Paaren eine Möglichkeit bieten, über die Entwicklung ihres Kindes Informationen zu erhalten, sagt Esther Käch, Sozialarbeiterin beim Zuger Fachzentrum Eff-zett, welches auch für die Sexual- und Schwangerschaftsberatung zuständig ist. «Die Ergebnisse der Untersuchungen können Betroffene aber auch vor ethische und/oder existenzielle Fragen stellen.» Allenfalls seien diese Personen dann verunsichert durch unterschiedliche Expertenmeinungen und die mediale Informationsfülle. «Für eine umfassende Sichtweise fehlt den Gynäkologinnen und Gynäkologen möglicherweise die Zeit, oder die Frauen sind gehemmt, ihre Bedenken und Ängste zu äussern.» Die Beratungsstelle in Zug unterstütze darum schwangere Frauen sowohl dabei, welche pränatalen Tests sie machen lassen wollen, wie auch nach einem Testergebnis. Es gehe darum, dass schwangere Frauen oder Paare eigene Standpunkte, Werte und Ziele in der Auseinandersetzung mit vorgeburtlichen Untersuchungen entwickeln können. Käch: «Sie sollen befähigt werden, für ihre Entscheidungen und Handlungen Verantwortung zu übernehmen und die Folgen der Entscheidung zu tragen.»

Was tun, wenn ein Test positiv ist?

Konkret heisse dies, es könne um Verständnisfragen zu verschiedenen vorgeburtlichen Untersuchungsmethoden gehen, wenn die Informationen der Frauenärztin allenfalls zu komplex waren, nicht ausreichend verstanden wurden und die Betroffenen sich nicht getrauten, nachzufragen. Weiter sollen Betroffene eben bei der Entscheidung unterstützt werden, ob und welche Tests sie vornehmen lassen wollen. «Dabei werden Themen angesprochen wie, welche Konsequenzen ein positives Testergebnis haben könnte für die Betroffenen, aber auch, dass es das Recht auf ein ‹Nichtwissen› gibt», erläutert Käch.

Je nach Zeitpunkt der Beratung, wenn etwa der Test bereits erfolgt und ein positives Ergebnis die Folge ist – das Kind also eine Beeinträchtigung oder Krankheit haben könnte –, begleiten die Beraterinnen die werdenden Eltern im Entscheidfindungsprozess für oder gegen die Schwangerschaft (Schwangerschaftsabbruch). Falls sich die Eltern für ein Kind mit einer Beeinträchtigung entscheiden, dann helfe man ihnen beispielsweise, «eine Vorstellung zu entwickeln über ein Leben mit dem Kind, und ‹vernetze› sie bereits vor der Geburt mit entsprechenden Beratungsstellen», so Käch.

Viele kennen Zuger Fachstelle gar nicht

Laut der Sozialarbeiterin haben allerdings bisher nur wenige Paare oder Frauen die Beratungsstelle um Hilfe gebeten. Das dürfte daran liegen, dass es sich «grundsätzlich um ein freiwilliges Angebot» handle. «Schwangere müssen von den Ärzten darauf aufmerksam gemacht werden. Sie müssen selber gewillt sein, sich kritisch und reflektiert mit den vorgeburtlichen Untersuchungen und den Folgen der Testergebnisse auseinanderzusetzen.» Die eher tiefe Beratungszahl zeige sich aber nicht nur im Kanton Zug, sondern in der gesamten Schweiz, so Käch. Da liegt die Vermutung nahe, dass bisher auch zu wenig bekannt war, dass es im Kanton eine Fachstelle für diese Anliegen gibt. Wäre diese da nicht auch in der Pflicht, auf sich aufmerksam zu machen? «Wir bewerben alle unsere Angebote der Sexual- und Schwangerschaftsberatung immer wieder und haben auch Flyer dazu», sagt Käch. Diese Infoblätter verschicke man natürlich auch an gynäkologische Praxen. «Ob diese die Flyer auflegen, ist ihnen überlassen», so Käch.

Zu den verschiedenen Themen im Zusammenhang mit Sexualität und Schwangerschaft suche die Fachstelle auch den Kontakt zur Gynäkologie des Zuger Kantonsspitals sowie zu einzelnen Frauenärztinnen und -ärzten im Kanton Zug. Ein Austausch oder gemeinsame Projekte scheitern laut Käch teilweise aber an den zeitlich knappen Ressourcen beider Seiten.

In Zürich nehmen die Beratungen zu

Kächs Aussage, dass die Fallzahlen in der ganzen Schweiz eher tief seien, kann Franziska Wirz, Leiterin der Beratungsstelle Appella, nicht bestätigen. Die Stelle nimmt die Dienstleistung im Auftrag des Kantons Zürich wahr. Laut Wirz nimmt die Zahl der Beratungen im Zusammenhang mit Pränataldiagnostik bei Appella zu. «Im letzten Jahr waren es 148.» Anhand der Zahlen sehe man, dass es die Stelle immer mehr brauche, «auch weil das Angebot an vorgeburtlichen Tests immer grösser wird», sagt Wirz. So sei vor ein paar Jahren etwa der nicht-invasive Pränataltest dazugekommen, bei dem Chromosomen-Abweichungen des Kindes aus dem mütterlichen Blut nachgewiesen werden können. «Durch diese Erweiterung wird die Verunsicherung der Schwangeren grösser.»

Die Zusammenarbeit mit den Frauenärzten funktioniere allerdings nicht wunschgemäss. «Wir haben beispielsweise vor ein paar Jahren auf unsere Anerkennung als unabhängige Beratungsstelle durch den Kanton aufmerksam gemacht und unsere Broschüre an alle gynäkologischen Praxen im Kanton verschickt. Doch die Ärzte sehen uns als Konkurrenz, dabei sollten wir ja ergänzend wirken», sagt Wirz.

Hinweis

Die Zuger Fachstelle finden Sie unter www.eff-zett.ch.

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