Präsident des Fischereivereins Zug: «Fischen liegt im Trend»

Der Kanton Zug ist eng mit der Fischerei verbunden, auch wenn er mittlerweile für anderes bekannt ist. Der Fischereiverein freut sich über einen regen Zulauf – und eine ausserordentlich gute Saison des Hauptfischs.

Raphael Biermayr
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Die Jungfischer präsentieren stolz ihre Fänge, was sich auch online grosser Beliebtheit erfreut.

Die Jungfischer präsentieren stolz ihre Fänge, was sich auch online grosser Beliebtheit erfreut.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. August 2020)

Der Tag hat sich offensichtlich gelohnt. Eine Gruppe Jungs posiert hinter dem Zuger Siehbachsaal mit ihren Fängen, die sie am Bootsfischertag des lokalen Fischereivereins erbeutet haben. Die Schuppen von Hechten, Egli und Felchen glitzern im Sonnenlicht, die Jungfischer aus den Kantonen Zug und Uri sind augenscheinlich glücklich und stolz. Anschliessend lernen sie von Daniel Gloor und dessen Kameraden, wie man die Fische ausnimmt, um sie für das Kochen vorzubereiten.

Gloor ist der Präsident des Fischereivereins Zug. Jener wurde 1888 in der Stadt, die wohl nach dem Wort «Fischzug» benannt wurde, gegründet. Dies zum Zweck, den wegen der Gewässerverschmutzung und der gebauten Wasserkraftwerke rückläufigen Fischbeständen entgegenzuwirken. Der Verein führt das Fischereimuseum und die dazugehörige Schaubrutanlage in der Unteraltstadt. Überdies kümmert er sich durch Kurse und Aktivitäten wie den eingangs erwähnten Fischertag aktiv um Nachwuchs. Die Nachfrage ist gemäss Gloor gegeben. «Für die Jungfischergruppe für Teilnehmer von acht bis 18 Jahren führen wir eine Warteliste, die Fischerei liegt im Trend.»

Stark variierende Zahlen

(bier) Dass das Fischen bei Jugendlichen im Kanton im Trend liege, wie der Zuger Fischereivereinspräsident Daniel Gloor sagt, lässt sich mittels der Zahlen der ausgegebenen Jahrespatente für Jugendliche und Erwachsene nicht belegen. Die Werte schwanken in den letzten zehn Saisons (eine solche beginnt am 1. November und endet am 31. Oktober des Folgejahrs) stark: im Zugersee beispielsweise von total 800 (2009/10) über 694 (2016/17) und 774 (2015/16) bis hin zu 699 (2018/19). Im Ägerisee muten die Zahlen der verkauften Jahrespatente ähnlich zufällig an: Der Höchstwert in jüngerer Vergangenheit stammt ebenfalls aus der Saison 2009/10 (356), den Tiefstwert verzeichnete man im Zeitraum 2012/13 (258). Eine Saison später waren es 309, 2018/19 deren 264. Auch die Aufteilung nach Patenten für Erwachsene und Jugendliche ändert den Gesamteindruck nicht.

Die Trophäen werden mit der Welt geteilt

Zur Stützung dieser Zuger Tradition trage ausgerechnet die moderne Technologie bei. Einerseits bezieht Gloor das auf Social-Media-Kanäle. Diese würden zur Verbreitung von Fängen dienen.

Während andere bei Instagram und Co. also ihre vermeintlich einzigartigen Aufnahmen vor einem Alpsee mit der Welt teilen, ihre Muskeln oder ihre aufgemotzten Autos in Szene setzen, nutzen Fischer diese Möglichkeiten zur Zurschaustellung ihrer Trophäen. Gloor drückt es anders aus: Es gehe darum, die «Fänge zu präsentieren und die damit verbundenen Naturerlebnisse zu zeigen».

Welse im Zugersee gefangen

(bier) Der Wels ist der grösste reine Süsswasserfisch in Europa. Vor wenigen Tagen hat ein Schleppfischer im Murtensee ein fast 2 Meter langes Exemplar gefangen. 2019 sind erstmals auch im Zugersee nachweislich Welse gefangen worden. Wie der Zuger Fischereivereinspräsident Daniel Gloor weiss, hat ein Berufsfischer deren drei in seinen Netzen gefunden. Das kantonale Amt für Wald und Wild bestätigt die Fänge dreier Welse. Seither habe es keine weiteren entsprechenden Meldungen mehr gegeben. Die Welse sind in der offiziellen Fangstatistik 2019 allerdings nicht aufgeführt. Warum nicht? «Bis jetzt ist der Wels nicht im Zugersee vorgekommen und wird daher auch nicht in der Fangstatistik der Berufsfischer aufgelistet. In der Fangstatistik wurden die Welse deshalb in der Kategorie ‹andere Fischarten› erfasst», schreibt Roman Keller, der Abteilungsleiter Jagd und Fischerei. Im Kanton Zug gebe es nach Kenntnisstand des Amts jedoch seit längerem Welse, gemäss Keller nämlich in der Reuss und Unteren Lorze bis zum Kraftwerk Frauenthal. Wie die drei Welse in den Zugersee gelangten, ist Gegenstand von Spekulationen. Laut Fischervereinspräsident Gloor sei denkbar, dass sie ausgesetzt worden seien.

Der Wels – hier eine Aufnahme im Bodensee – ist der grösste reine Süsswasserfisch Europas.

Der Wels – hier eine Aufnahme im Bodensee – ist der grösste reine Süsswasserfisch Europas.

Bild: Tino Dietsche (1. November 2018)

Auch die Videoplattform Youtube helfe nach Daniel Gloors Erfahrung dabei, Jungfischer zu gewinnen und bei der Stange zu halten: «Darauf werden ihnen Techniken und Köder gezeigt, die sie selbst ausprobieren können und die mehr Erfolg versprechen. Durch Fänge steigt die Motivation.» Der 31-jährige Vereinspräsident, der in Zug aufwuchs und in Steinhausen wohnt, weiss, wovon er spricht.

Vor einigen Jahren gelang ihm sein denkwürdigster Fang, als er – vom Ufer des Zugersees aus – einen 1,13 Meter langen Hecht an Land brachte.

Weit häufiger als Hechte werden im Zugersee Felchen gefangen. Sie sind die Hauptfische in den Fangstatistiken und auf den Tellern und dieses Jahr besonders zahlreich, hört man aus Fischerkreisen. Daniel Gloor bestätigt das. «Die Fangzahlen sind geradezu explodiert, auch bei den Berufsfischern. Seit 20 Jahren sind sie nicht mehr so gut gewesen, sagen sie.» Warum das so ist, kann Gloor sich nicht erklären, aber es gebe Gerüchte: «Es heisst, der Sturm Lothar hätte im Dezember 1999 eine Menge Schlamm aufwirbelt, der die Laichplätze bedeckte und die Eier absterben liess. In den letzten Jahren aber hätte sich die Planktonzusammensetzung im See verbessert. Es könnte sein, dass diese natürlichen Voraussetzungen für die Felchen mittlerweile wieder günstiger geworden sind.»

In der Regel muss im Kanton Zug nämlich der Mensch nachhelfen, damit Berufs- und Sportfischer noch etwas nach Hause bringen: Das kantonale Amt für Wald und Wild hält die Felchenpopulation dank Aufzucht auf gutem Niveau. Und der berühmte Zuger Rötel wäre ohne Zucht sogar ausgestorben, sagte der Verantwortliche vor wenigen Jahren gegenüber unserer Zeitung.

Die bessere natürliche Situation bezüglich Felchenbestand beziehe sich gemäss Daniel Gloor allerdings nur auf den Zugersee. Im Ägerisee sei keine Veränderung festzustellen.

Der Fischereivereinspräsident hofft, dass seine Leidenschaft «wieder etwas mehr an Bedeutung gewinnt». Er hat den Eindruck, dass «der Naturschutz an der Wasseroberfläche aufhört und die Fischer auf das Fangen respektive Töten von Tieren reduziert werden. Dabei tragen auch wir vom Fischereiverein zum Naturschutz bei.»

Gloor erwähnt in diesem Zusammenhang das sogenannte Tannlihauen; eine Anlassreihe, bei der Tannenbäume versenkt werden, deren Äste Egli als Laichplätze dienen. Neben erwähnter Brutanlage im Fischereimuseum verfüge der Verein ausserdem über eine selbstbewirtschaftete Fischenze in Buonas, wo die Artenvielfalt gestärkt werde.

Grossen Wert legt man darauf, dass die Kinder wissen, wie man mit den Fischen umgeht, das betrifft auch das ethische Verwerten eines Lebewesens als Lebensmittel.

Grossen Wert legt man darauf, dass die Kinder wissen, wie man mit den Fischen umgeht, das betrifft auch das ethische Verwerten eines Lebewesens als Lebensmittel.

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 22. August 2020)

Das «ethische Verwerten» eines Lebewesens

Daniel Gloor ist der Ansicht, dass auch die Nachwuchsausbildung zum Umweltbewusstsein beiträgt. «Wir legen grossen Wert darauf, dass unsere Jungs und Mädchen wissen, wie man mit den Fischen umgeht.» Dazu zähle auch «das richtige Töten, damit die Tiere nicht leiden, sowie das ethische Verwerten eines Lebewesens als Lebensmittel».

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