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Eine Zuger Non-Profit-Organisation sucht Praktikumsplätze und Experten

Die Zuger Non-Profit-Organisation B360 fördert seit bald zehn Jahren den Austausch von Fachwissen zwischen der Schweiz und Afrika. Doch es fehlen noch immer Firmen und Privatpersonen aus dem Kanton Zug, die sich engagieren.
Laura Sibold
Alt Regierungsrat Matthias Michel hat kürzlich im namibischen Windhoek zwei sogenannte Career Starter Workshops geleitet. (Bild: pd)

Alt Regierungsrat Matthias Michel hat kürzlich im namibischen Windhoek zwei sogenannte Career Starter Workshops geleitet. (Bild: pd)

Entwicklungshilfe hat oft einen fahlen Beigeschmack: So schickt etwa ein reiches, fortschrittliches Land Gelder oder Hilfsgüter in ein weniger entwickeltes und erleichtert damit sein Gewissen. Die Non-Profit-Organisation B360, die 2009 von der Zugerin Sabina Balmer gegründet wurde, wählt einen anderen Weg. Sie bietet afrikanischen Studenten Praktika in der Schweiz an und ermöglicht es europäischen Fachexperten, an Universitäten in Afrika zu unterrichten.

Aus diesem Grund weilte kürzlich auch der ehemalige Regierungsrat Matthias Michel in Namibia. Er leitete zwei Career Starter Workshops an einer namibischen Universität und half jungen Menschen bei der Vorbereitung auf die Berufswelt. «Innerhalb einer Woche vermittelten wir den Studierenden, wie man sich in einem Jobinterview gut präsentiert, und brachten ihnen diverse Business-Modelle näher», erklärt Michel.

In Zug fand bisher noch kein Praktikum statt

Das grosse Plus der Schweiz sei das viele Fachwissen, betont Sabina Balmer. Demgegenüber sei es in Afrika oft schwer eine gute Ausbildung und fundiertes Know-how zu erhalten. Aus diesem Grund hat die ehemalige Bankerin einen dualen Ansatz entwickelt. Im Programm Südwärts geben europäische Fachexperten während einiger Wochen ihr Wissen an den Partneruniversitäten in Namibia, Südafrika und Sambia ehrenamtlich weiter.

Auf der anderen Seite können Studierende im Programm Nordwärts ein dreimonatiges Praktikum bei Schweizer Firmen absolvieren. Seit der Gründung im Sommer vor zehn Jahren haben bereits 74 Studenten in der Schweiz gearbeitet und über 200 Europäer in einem afrikanischen Land unterrichtet. Dabei tragen alle Interessengruppen das Projekt auf ihre Weise mit. Die europäischen Fachleute investieren Zeit und Wissen, die Partneruniversitäten im Süden organisieren die Unterkunft und geben Unterstützung vor Ort. Die Partnerfirmen in der Schweiz bieten Praktikumsplätze an, die Gastfamilien sorgen für ein Zuhause.

Zuger Know-how in Namibia

Während seines Einsatzes für B360 konnte alt Regierungsrat Matthias Michel an einer öffentlichen Veranstaltung vor 250 Leuten auch Zuger Erfahrungen weitergeben. Die Namibia University of Science and Technology organisierte einen Abend zum Thema «Public Private Partnership». Die enge Zusammenarbeit zwischen Staat und Privaten steht in Namibia erst am Anfang. Am Podium mit Vertretern von Staat, Wirtschaft und Wissenschaft brachte Matthias Michel Beispiele aus der Schweiz und Zug ein. Als grösstes Zusammenarbeitsfeld von Staat und Privatwirtschaft erwähnte er das schweizerische Berufsbildungssystem. Dieses Modell wäre auch für andere Länder interessant, meinte er. (ls/pd)

Die Projektplanung, Flüge und weitere Kosten werden durch Spenden gedeckt. «Mir ist der Austausch auf Augenhöhe sehr wichtig», betont Sabina Balmer. Seit der Gründung arbeite man mit vielen Gönnern, Fachleuten und mit insgesamt elf Unternehmen zusammen, so sind etwa die Credit Suisse, Roche Basel und Media Schneider fixe Partner. Leider habe man jedoch noch keine Firmen aus dem Kanton Zug an Bord, so die B360-Präsidentin. «Wir haben einige Zuger Gönner und Privatpersonen, die sich als Fachexperten in Afrika oder als Freiwillige in der Schweiz engagieren – aber Unternehmen, die Praktikumsplätze anbieten, fehlen noch.» Unter den Zugern, die sich bereits für B360 einsetzen, finden sich neben alt Regierungsrat Matthias Michel auch weitere bekanntere Namen wie die ehemalige Kantonschemikerin Susanne Pfenninger und der Zuger alt Bürgerrat Michael Annen. Er könne es sowohl Privatpersonen als auch Firmen nur nahelegen, sich für B360 zu engagieren, sagt Matthias Michel. «Der Kanton Zug hat eine Vielzahl an Firmen, die Praktika anbieten könnten. Ich denke da zum Beispiel an die Bereiche Pharma, Biomedizin und Engineering.»

Sabina Balmer betont, dass die Unternehmen konkret angeben können, in welchem Bereich sie Praktikanten brauchen. «Beispielsweise hat sich eine Firma mit einem Praktikumsplatz in Computer Science gemeldet. Am Montag fliege ich nach Afrika und werde in Namibia für sechs Schweizer Firmen Studenten aus den Studienrichtungen Computer Science, Maschinenbau, Lebensmittelsicherheit und Biomedizin rekrutieren.»

Ein drittes Programm wird aufgebaut

Des Weiteren sollen die Studierenden während der drei Monate in der Schweiz operativ tätig sein und im Unternehmen einen Beitrag leisten. «Wir übernehmen die Organisation des Praktikums samt der Arbeitsbewilligung. Die Firmen betreuen die Studenten während der Arbeitszeit, während der Freizeit ist die Gastfamilie zuständig», erklärt Balmer weiter. In Namibia, Südafrika und Sambia baut die Zugerin zurzeit das dritte Programm Südsüd auf. Dabei sollen lokale Firmen mit europäischen Fachexperten unterrichten. Und auch Studenten, die sich dank B360 neues Know-how aneignen konnten, geben dieses zu Hause weiter.

Weitere Informationen: www.b360-education-partnerships.org

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