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Mein Lieblingsgegenstand: Praktisch, schön – und wertvoll

In unserer Sommerserie verrät unsere Journalistin, wieso ihre zeitlose Papieragenda viel mehr ist als nur ein gewöhnlicher Terminkalender.
Rahel Hug
Ihre Agenda erinnert Rahel Hug stets daran, was alles noch Schönes bevorsteht. Doch nicht nur Termine, auch To-Do-Listen oder Beobachtungen haben Platz im Büchlein. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 8. Juli 2019)

Ihre Agenda erinnert Rahel Hug stets daran, was alles noch Schönes bevorsteht. Doch nicht nur Termine, auch To-Do-Listen oder Beobachtungen haben Platz im Büchlein. Bild: Stefan Kaiser (Zug, 8. Juli 2019)

Würde ich meine Agenda verlieren oder würde sie geklaut, wäre das schlimm für mich. Schlimmer fast, als wenn mir mein Portemonnaie oder mein Handy abhandenkommen würde. Meine kleine, schöne Agenda der Qualitätsmarke Moleskine ist mein Lieblingsgegenstand. Ein Arbeitskollege meinte bei der Besprechung dieser Sommerserie leicht abschätzig, es sei doch bünzlig, die Agenda als liebstes Objekt zu bezeichnen. Da muss ich dagegenhalten. Denn meine Agenda ist für mich weit mehr als nur ein hundskommuner Terminkalender.

In dieser Zeitung habe ich mich bei anderer Gelegenheit bereits als analogen Menschen geoutet. Ich mag Bücher und Magazine statt E-Reader und E-Paper, richtige Kassen im Coop statt das Self-Check-Out, Bargeld statt Kreditkarten. Das hübsche Büchlein aus cremefarbenem, an den Ecken abgerundetem Papier, mit Leseband und Falttasche am Buchende und mit hochwertigem Einband ist für mich ein Anker im Sturm unserer schnelllebigen, digitalisierten Zeit. Private Termine auf dem Handy eintragen? Interviews und Pressekonferenzen im Outlook? Sich von Facebook an Geburtstage erinnern lassen? Bei mir Fehlanzeige. Für all das ist meine liebe Agenda da.

Beobachtungen, 
Geburtstage, Filmtipps

Aber sie hat noch weit mehr Funktionen. To-Do-Listen finden sich genauso in meiner Agenda wie private Notizen und Beobachtungen sowie sämtliche Adressen und Geburtstage meiner Liebsten. Ich notiere mir Bücher, die ich unbedingt noch lesen will, und Filme, die mir empfohlen wurden. Durch den Eintrag eines Wochenendes im Grünen, einer Hochzeit im Bekanntenkreis oder eines Jassabends steigt bei mir die Vorfreude auf diesen Anlass. Beim Blick auf die Wochenübersicht erinnert mich meine Agenda daran, was alles noch Schönes bevorsteht. Stichwort Jassabend: Auch als Ersatz für eine Jasstafel hat das schlichte Büchlein bereits hergehalten.

Aufgehört habe ich allerdings damit, meine Passwörter für alle möglichen Internetportale schön kompakt auf einer hinteren Seite aufzulisten. Ich musste mir eingestehen, dass das dann doch etwas gar riskant ist. Und zugegeben: Es gibt auch unschöne Momente beim Aufschlagen des Kalenders: Dann nämlich, wenn ich merke, dass ich mir terminmässig zu viel aufgehalst und keinen freien Abend für mich habe. Seit vielen Jahren kaufe ich mir jeweils bereits im November die Moleskine-Agenda für das neue Jahr. Ich freue mich jeweils, wichtige Termine und Reisen, die bevorstehen, einzutragen. Meine alten Agenden habe ich alle in einer Kiste aufbewahrt, sie sind für mich eine Art Tagebücher.

Später darin geschmökert habe ich ehrlicherweise noch nie, doch mich von ihnen endgültig zu trennen, das geht irgendwie gar nicht.

Das «Maulwurfsfell» ist 
ein Stück Geschichte

Das gegenwärtige Moleskine-Notizbuch wurde übrigens nach Beschreibungen der Notizbücher entworfen, die der britische Schriftsteller Bruce Chatwin auf seinen Reisen benutzte. Wie auf Wikipedia nachzulesen ist, waren diese beliebt im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts, handgefertigt von kleinen, französischen Buchbindereien, die die Pariser Papierwarengeschäfte belieferten. Sie wurden von avantgardistischen Künstlern gebraucht, die im Freien zeichneten, schrieben und ihre Eindrücke auf Papier festhielten. Das Wort «Moleskine» ist die französische Variante des englischen «Moleskin», was wörtlich übersetzt «Maulwurfsfell» heisst. Es ist die Bezeichnung für den beschichteten Baumwollstoff, der für Schulranzen, Tischtücher und den Einband besagter Notizbücher verwendet wurde.

Besonders gut gefällt mir persönlich das Zitat von Bruce Chatwin, der über seine Notizbücher gesagt haben soll: «To lose a passport was the least of one’s worries: to lose a notebook was a catastrophe.» Anders gesagt: Das Verlieren eines Reisepasses ist eine Trivialität, der Verlust eines Notizbuches eine Katastrophe. Da kann ich nur zustimmen. Auf dass du, handliche, praktische und doch stilvolle Agenda stets bei mir bleibst!

In der Sommerserie der «Zuger Zeitung» stellen die Redaktorinnen und Redaktoren ihre Lieblingsgegenstände vor.

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