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Preisverleihung von Alzheimer Zug: Eine bescheidene Heldin des Alltags

Am Samstag ist Welt-Alzheimertag. Mit dem «Fokus-Preis» zeichnet Alzheimer Zug die couragierte Coiffeurin Priska Bucher für ihr beherztes Handeln aus.
Haymo Empl
Alzheimer Zug verleiht den Fokus Preis 2019. Daniela Bigler Billeter, Leiterin Geschäfts- und Beratungsstelle Alzheimer Zug, Priska Bucher, Inhaberin Haar Atelier Cham und Gewinnerin, und Monika Pirovino-Zürcher, Vorstandsmitglied (von links). (Bild: Patrick Hürlimann, Zug, 19. September 2019)

Alzheimer Zug verleiht den Fokus Preis 2019. Daniela Bigler Billeter, Leiterin Geschäfts- und Beratungsstelle Alzheimer Zug, Priska Bucher, Inhaberin Haar Atelier Cham und Gewinnerin, und Monika Pirovino-Zürcher, Vorstandsmitglied (von links). (Bild: Patrick Hürlimann, Zug, 19. September 2019)

Am Donnerstagabend fand im Alterszentrum Zug Neustadt eine Preisverleihung der besonderen Art statt: Die Hairstylistin Priska Bucher als Inhaberin des «Haar Atelier Cham» wurde mit dem «Fokus-Preis» ausgezeichnet. Alzheimer Zug verleiht jährlich zum Weltalzheimertag diese Auszeichnung einer Zuger Persönlichkeit oder Organisation, die in besonderer Weise mit dem Thema Demenz in Verbindung steht.

Die Geschichte der Coiffeurin ist berührend; eine Stammkundin begann nach und nach, immer wieder dieselben Geschichten im Salon zu erzählen, Termine wurden vergessen. «Und immer hatte sie gute Ausreden», erinnert sich die Coiffeurin. «Nach einigen verpassten Terminen habe ich sie jeweils kurz vorher angerufen und auf den Termin hingewiesen.»

Vage Vorahnung

Am Donnerstag während der Preisverleihung erinnerte Monika Pirovino-Zürcher, Vorstandsmitglied von Alzheimer Zug als Moderatorin des Abends, wie wichtig es ist, dass die Bevölkerung sich dem Problem «Demenz» bewusst sei und auch entsprechend Verantwortung übernehme. «Es sind 46 Millionen Menschen weltweit, die an Alzheimer und/oder Demenz leiden – 157 000 sind es in der Schweiz», so Monika Pirovino-Zürcher weiter. «Letztendlich betrifft uns diese Krankheit alle direkt oder indirekt.»

Coiffeurin Priska Bucher schaute nicht zu, sondern griff ein: «Ich hatte einfach Angst, dass die Kundin finanziell ausgenützt würde. Denn es war offensichtlich, dass sie nicht nur bei mir mehrmals zahlen wollte». Es sei nicht einfach gewesen, richtig zu handeln und sie habe ja auch nicht gewusst, was genau los sei. «Schliesslich kontaktierte ich Alzheimer Zug um zu fragen, was man da machen kann». Sie hätte gespürt, dass sie eingreifen müsse. «Es war zuerst einfach so ein Gefühl, dass etwas nicht stimmte». Zudem sei die Kundin noch Auto gefahren. «Ich wollte verhindern, dass ihr oder jemand anderem etwas passiert», resümierte die Preisträgerin am Donnerstag. Das beherzte Handeln hatte sich gelohnt, denn im Fall dieser Kundin konnte eine Lösung gefunden werden – sie wohnt nach wie vor zu Hause in ihrer gewohnten Umgebung, wird aber entsprechend betreut.

Nicht wegschauen

Der «Fokus-Preis» soll auch auf die Problematik des «Wegschauens» aufmerksam machen. Daniela Bigler Billeter ist die Leiterin der Geschäfts- und Beratungsstelle Alzheimer Zug und verknüpfte bei der Preisübergabe eine Herzensangelegenheit: «Ich wünsche mir eine Gesellschaft, in der sich Menschen mit Demenz und auch ihre Angehörigen aufgehoben und integriert fühlen und in der sie die Achtung, Unterstützung und Betreuung erhalten, die sie für ein Verbleiben in ihrer gewohnten Umgebung benötigen». Ein Anliegen, welches eigentlich selbstverständlich sein sollte. Aber in einer Zeit in der es – so scheint es – nur noch um Selbstoptimierung und virtuelle Kontakte geht, ein nachvollziehbarer Wunsch. «Umso mehr, weil sich die Pharmagiganten erst kürzlich wieder aus der Alzheimerforschung zurückgezogen haben und damit viele Hoffnungen zerschlagen wurden.»

Auffallend an der Preisverleihung war, wie engagiert sich das ganze Team zeigte. Es war offensichtlich, dass alle Beteiligten mit vollem Einsatz und viel Herzblut versucht haben, auf die Problematik «Alzheimer» einzugehen. Couragierte Personen fallen oft durch Bescheidenheit auf. So auch die Hairstylistin: «Ich freue mich über den Preis und er erfüllt meinen Berufsstolz. Denn ich konnte jemandem wirklich helfen. Für einmal war ich nicht nur die stille Zuhörerin.»

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