Pro
Kontroverse um die Öffnungszeiten

Am 7. März wird im Kanton Zug über ein flexibleres Ladenschlussgesetz abgestimmt.

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Mitglieder von der Alternativen - die Grünen Zug stellen Plakate gegen längere Ladenöffnungszeiten auf.

Mitglieder von der Alternativen - die Grünen Zug stellen Plakate gegen längere Ladenöffnungszeiten auf.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 5. Februar)

Pro

Gian Brun, Präsident Jungfreisinnige Zug, Hünenberg

Gian Brun, Präsident Jungfreisinnige Zug, Hünenberg

Bild: PD

Für mich ist klar: Die gesellschaftlichen Bedürfnisse haben sich geändert. Moderne Familienstrukturen, vermehrte Einzelhaushalte und neue Arbeitszeiten verlangen eine Anpassung der Ladenöffnungszeiten. Wir möchten flexiblere und zeitgemässe Rahmenbedingungen schaffen, damit der Detailhandel die Öffnungszeiten nach den Bedürfnissen der Kunden des Kantons Zug ausrichten kann.

Darum fordert die Initiative für zeitgemässe Ladenöffnungszeiten, dass die Läden im Kanton Zug neu unter der Woche bis 20Uhr und am Samstag bis um 18Uhr öffnen dürfen. Dies geschieht nach unternehmerischem Ermessen – jedes Geschäft kann frei wählen, ob es von der Liberalisierung Gebrauch machen will.

Die Kantone um Zug herum kennen bereits heute liberalere Ladenöffnungszeiten. Dies führt dazu, dass viele Zugerinnen und Zuger mit dem Auto über die Kantonsgrenze fahren, um ohne Stress den Einkauf am Abend zu tätigen. Der Umsatz in unseren hiesigen lokalen Läden geht dadurch verloren. Das kostet uns Arbeitsplätze und befeuert das Ladensterben. Der Spar in Hünenberg sieht beispielsweise das Potenzial der erweiterten Ladenöffnungszeiten und hat bereits angekündigt, von der neuen Regelung Gebrauch zu machen.

Die leichte Anpassung der Öffnungszeiten ist eine Massnahme gegen das Ladensterben und den Einkaufstourismus hinter der Kantonsgrenze, sowie eine Anpassung an die gesellschaftliche Realität.


Kontra

Momentan können wir von 6 bis 19Uhr wochentags und samstags bis 17Uhr einkaufen. Daneben gibt es längere Öffnungszeiten für Tankstellenshops und Läden beim Bahnhof. Wir können bereits heute unsere Einkäufe fast rund um die Uhr erledigen.

Isabel Liniger, Kantonsrätin SP, Baar

Isabel Liniger, Kantonsrätin SP, Baar

Bild: PD

Die Kosten für Ladenbesitzerinnen und Ladenbesitzer und Nutzen für uns Konsumentinnen und Konsumenten stehen in einem Missverhältnis. Denn eine Stunde mehr Einkaufszeit für uns Konsumentinnen und Konsumenten bedeutet für das Verkaufspersonal mehr als nur 60 Minuten später nach Hause gehen zu dürfen. Studien belegen, dass sich die Frequenzen im Laden nur stärker verteilen aber nicht mehr verkauft wird. So führt das zu mehr Präsenzzeit, was weniger Erholungszeit bedeutet.

Die Liberalisierung geht also auf Kosten der Angestellten. Und kleinere Läden geraten noch stärker unter Druck. Inwiefern der Status quo, bis 19Uhr einkaufen zu können, nicht mehr unseren gesellschaftlichen Realitäten entspricht, kann ich als junge Frau nicht nachvollziehen. Gerade mit flexibleren Arbeitszeiten, Jobsharing und Teilzeitarbeiten ist das Einkaufen in den gewohnten Stunden möglich – oder eben im Tankstellenshop, am Bahnhof oder online.

Dass die Läden eine Stunde länger offen sind, verbessert meine Lebensqualität also kaum. Ob das Verkaufspersonal abends jedoch noch Zeit für Vereine hat oder nicht, und ob ein Vater oder eine Mutter eine Stunde später zu Hause ist, kann hingegen einen enormen Unterschied ausmachen.

Symbolbild zur Abstimmung. Mitglieder von der Grünen Alternative Zug stellen das Plakat gegen die längeren Ladenöffnungszeiten auf. Bild: Matthias Jurt (Zug, 06. Februar 2021)

Symbolbild zur Abstimmung. Mitglieder von der Grünen Alternative Zug stellen das Plakat gegen die längeren Ladenöffnungszeiten auf.



Bild: Matthias Jurt (Zug, 06. Februar 2021)

Bild: Matthias Jurt (zug, 05. Fe / Luzerner Zeitung