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Profitierte die katarische Herrscherfamilie vom Leopard-2-Deal?

Deutsches Kampfpanzer-Geschäft mit Katar: Die ominöse Firma Kingdom Projects soll einem Verwandten des Emirs gehören.
Christopher Gilb, Sönke Iwersen, Martin Murphy, Lars-Marten Nagel
Ein Leopard 2 während eines Nato-Manövers in Polen im Juni 2019. 62 davon lieferte der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann an Katar. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Ein Leopard 2 während eines Nato-Manövers in Polen im Juni 2019. 62 davon lieferte der Rüstungskonzern Krauss-Maffei Wegmann an Katar. (Bild: Sean Gallup/Getty Images)

Der deutsche Rüstungskonzern Kraus-Maffei Wegmann (KMW) gerät bei einem der grössten Aufträge seiner Geschichte weiter ins Zwielicht. 2012 wurde für 1,9 Milliarden Euro Kriegsgerät an das Emirat Katar verkauft. Im Juni berichtete CH Media in Zusammenarbeit mit dem deutschen Handelsblatt, dass dabei mindestens 28 Millionen Euro an eine Briefkastenfirma geflossen sein könnten, die Firma Kingdom Projects in Doha. KMW bestritt, dass es sich um Schmiergeld gehandelt haben könnte. Kingdom Projects habe zwar nicht nur «eine Vergütung für lokale Unterstützung» erhalten, sondern auch «eine Erfolgsprovision». Vor Auftragsvergabe habe KMW diesen Geschäftspartner jedoch einer umfassenden Compliance unterzogen. Auffälligkeiten seien nicht gefunden worden.

Auffällig wäre zum Beispiel, wenn KMW an eine Firma gezahlt hätte, die der Herrscherfamilie in Katar gehört. Genau dies berichtet nun «Intelligence Online», ein Branchenportal für die französische Rüstungsindustrie. Demnach gehört zu den Gesellschaftern von Kingdom Projects Nasser bin Ahmed Al Thani. Er gehöre zu einem Zweig der Al-Thani-Familie, die Katar beherrscht. Sein Vater trage den gleichen Namen wie der Ex-Chef der katarischen Staatssicherheit: Ahmed bin Nasser bin Jassim Al Thani. Staatsoberhaupt ist seit 2013 Emir Scheich Tamim bin Hamad Al Thani.

«Handgeld ist Teil des normalen Business»

Schon im Juni wollte der Waffenkonzern aus München auf Anfrage weder den Gesellschafter von Kingdom Projects benennen, noch die Höhe der Zahlungen. Kingdom Projects bestritt sogar eine Geschäftsbeziehung zu KMW. Nun mit dem Bericht von «Intelligence Online» konfrontiert, reagierten sowohl Kingdom Projects als auch KMW gar nicht mehr.

«Das Geschäft ist für die Katarer bis heute sehr wichtig», sagt Andreas Krieg vom Kings College in London. Er war von 2013 bis 2017 an der Führungsakademie des katarischen Verteidigungsministeriums tätig.

«Die modernen Panzer und Haubitzen trugen dazu bei, Saudi-Arabien von einem Einmarsch 2017 abzuhalten.»

Warum brauchte es die zuvor unbekannte Firma Kingdom Projects, um den von allen Seiten begrüssten Auftrag abzuwickeln? Die Zugehörigkeit zur royalen Familie müsse nicht zwingend bedeuten, dass der mutmassliche Hintermann Nasser bin Ahmed Al Thani tatsächlich der Regierung des Landes nahestehe, sagt Krieg. «Es handelt sich hierbei um die grösste Königsfamilie am Golf. Das sind Tausende Al Thanis. Viele haben wirtschaftliche Interessen, die mit der Regierung nichts zu tun haben.»

Korruption werde in Saudi-Arabien, Katar und den Vereinigen Arabischen Emiraten jedoch anders gesehen als in Europa. «Die Stammesgesellschaften funktionieren mit Handgeld, das ist Teil des normalen Business», erklärt Krieg. Bei grossen Rüstungsgeschäften gebe es häufig Mittelsleute, die an beiden Seiten verdienen würden. Katar habe zuletzt immer weniger solcher Praktiken zugelassen, so Krieg weiter.

«Scheich Tamim bin Hamad Al Thani stellt sich als Anti-Korruptions-Kämpfer dar.»

Es sei gut vorstellbar, dass früher vereinbarte Zahlungen inzwischen zurückgehalten werden. Vielleicht erklärt dieser Umstand, warum Kingdom Projects überhaupt bekannt wurde. Ein deutscher Waffenhändler, der im Ägerital im Kanton Zug lebt, reichte im Dezember 2018 Klage gegen Kingdom Projects ein. Er verlangte für Vermittlungsdienste 2,5 Prozent des Auftragsvolumens – fast 50 Millionen Euro. Im Februar nahm er seine Klage ohne Angabe von Gründen zurück. Unserer Zeitung wollte er keine Erklärung hierfür nennen.

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