PROJEKT: Ein Kompetenzzentrum für ältere Arbeitslose geplant

Dass es über 50-Jährige auf dem Arbeitsmarkt nicht einfach haben, ist bekannt. Gemäss der Zuger HR-Fachfrau Mary Berchtold wird es aber schon mit 45 Jahren schwierig. Sie und ihre Mitstreiter wollen eine Institution aufbauen, die deren Vermittlung vereinfacht.

Christopher.gilb@zugerzeitung.ch
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Unternehmensberaterin Mary Berchtold erklärt ihr Projekt Revival45. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 18. Mai 2017))

Unternehmensberaterin Mary Berchtold erklärt ihr Projekt Revival45. (Bild: Werner Schelbert (Zug, 18. Mai 2017))

Seit ihr Projekt Revival45 auf der Homepage des Projektwettbewerbs der Zuger KB aufgeschaltet und auch darüber berichtet wurde, sei sie mit Anfragen überhäuft worden, erzählt Mary Berchtold. «Eine Person hilft mir jetzt unentgeltlich bei der Koordination, sonst wäre es zu viel», so die 55-jährige HR-Fachfrau.

Berchtold hat sich ein Jahr Auszeit – wie sie es nennt – von ihrer eigenen «Einfrau-Firma» in Zug genommen, um sich einem Projekt zu widmen, das sich aus ihren Erfahrungen in der HR-Beratung entwickelt hat. Gemeinsam mit vier Mitstreitern will sie ein Kompetenzzentrum für Stellensuchende, die älter als 45 Jahre sind, auf die Beine stellen. Das soll ein Bindeglied zwischen Stellensuchenden in diesem Alter und Unternehmen werden. Berchtold engagiert sich in der kantonalen Kampagne «Alter hat Potenzial», dieses soll auch mit dem Projekt gefördert werden. Personen hätten es nicht erst ab 50, sondern schon ab 45 Jahren ihrer Erfahrung nach immer schwieriger auf dem derzeitigen Arbeitsmarkt. «Die Unternehmen denken zu kurzfristig. Sie sehen ältere Arbeitnehmer, die halt einen Rucksack mitbringen, und schrecken zurück.» Dabei sind die altersdurchmischten Teams die stärkeren Teams.

Loyal und mit weniger Fehlzeiten

Beide Generationen profitierten voneinander, findet sie. Bei einer älteren Person wisse der Arbeitgeber zudem, was er habe. Fehler aus jüngen Jahren würden diese kein zweites Mal machen, auch seien die Fehlzeiten geringer. Das hänge auch damit zusammen, dass jüngere Angestellte noch stärker in die Familie eingebunden seien. Auch sei ein älterer Mitarbeiter loyaler. «Ältere Arbeitskräfte sind auch bereit, einen Kompromiss etwa beim Lohn einzugehen, besonders wichtig für sie ist aber, dass sie Wertschätzung erhalten.» Doch auch die älteren Arbeitskräfte selbst müssten sich bewegen. «Ich sage immer: Bis auf das Alter können sie alles verändern, etwa die Art, sich zubewerben.» Wenn ein Lebenslauf heute nicht online hinterlegt sei oder gewisse wesentliche Wörter beinhalte, falle er nämlich gleich durchs Raster.» Es gebe im Kanton Zug schon gute Angebote für ältere Stellensuchende, sagt Berchtold. Das geplante Zentrum solle eine Ergänzung dazu werden. «Über das Zentrum werden dann beispielsweise einerseits Unternehmen für altersdurchmischte Gruppen sensibilisiert, und anderseits den Arbeitslosen der Kontakt zu diesen Unternehmen vermittelt und sie dabei unterstützt, auf deren Bedürfnisse einzugehen.» Sie habe ein grosses Netzwerk, auf dem das Projekt aufbauen könne. «Wir haben schon etliche Produkte zur Unterstützung älterer Fachkräfte vorbereitet, die nur noch auf ihre Umsetzung warten.» Der Service des Netzwerks soll unentgeltlich sein. Das Ziel sei es, dass dieses irgendwann vom angeschlossenen Netzwerk finanziert werde.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch