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PROJEKT: Erste Wohnung für Obdachlose im Kanton Zug

Seit Februar stehen für mehrere Obdachlose aus dem Kanton Zug Zimmer in einer Wohnung bereit. Diese wurden im Rahmen des Projekts «Ein Bett für Obdachlose» gemietet. Weitere sollen folgen.
Christopher Gilb
Obdachlose sollen nicht menschenunwürdig leben müssen. (Symbolbild: Keystone/Martin Gerten)

Obdachlose sollen nicht menschenunwürdig leben müssen. (Symbolbild: Keystone/Martin Gerten)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Es war eine Überraschung: Erst kurz vor Eingabeschluss hatte der Verein «Ein Bett für Obdachlose» sein Projekt beim Jubiläumswettbewerb der Zuger Kantonalbank eingereicht und konnte sich trotzdem zu den Gewinnern zählen.

Die insgesamt zwölf Gewinnerprojekte werden von der Bank mit maximal 50 000 Franken gefördert. Zum Ziel hat das Projekt, die Situation der Obdachlosen im Kanton Zug zu verbessern. Es basiert auf einer Situations- und Bedürfnisanalyse bei zehn Betroffenen, die der Projektkoordinator Bernhard Tobler initiiert hat. Diese hat zum Ergebnis, dass sich Betroffene vor allem einen festen Schlafplatz wünschen.

Irritationen in den Gemeinden

Nun wurde ein erstes Etappenziel erreicht. «Wir haben zwei Hauptziele: Erstens kurz- und zweitens langfristige Hilfe zu bieten», so Tobler. Ersteres sei beispielsweise die Schaffung einer Anlaufstelle, wo Obdachlose kurzfristig etwa in einer kalten Nacht ein Bett finden würden. Denn es gebe zwar bereits Notzimmer in verschiedenen Zuger Gemeinden. Doch sei die örtliche Zuständigkeit bei Obdachlosen aber oft unklar, sodass die Notzimmer für sie oft keine Option seien.

Und beim Ziel der langfristigen Hilfe gehe es darum, eine feste Wohnadresse für ehemalige Obdachlose, als Art Zwischenschritt zurück in ein normales Leben, bieten zu können. «So eine Wohnung zu finden, ist gerade im Kanton Zug gar nicht einfach, und dann gibt es auch manche Vorbehalte betreffend der zukünftigen Bewohner», sagt Tobler.

«Wir hatten aber Glück und konnten eine 4,5-Zimmer-Wohnung mieten, die seit dem 1. Februar bewohnt ist und Platz für maximal drei Personen bietet.» Doch diese soll nicht die einzige Wohnung bleiben. «Gut wäre es, mindestens über eine weitere zu verfügen», so Tobler.

Bewohner bezahlen Miete

Finanziert wird die Wohnung unter anderem vom Fördergeld der Zuger Kantonalbank. Aber auch die Bewohner leisten einen Beitrag. «Dieser ist abhängig von der Situation der Obdachlosen», erklärt die Gassenarbeiterin Sandra Heine von der Fachstelle «Punkto Eltern, Kinder & Jugendliche». Sie und ihre Kollegen übernehmen die Betreuung der Mieter.

«Es gibt Obdachlose, die über ein geregeltes Einkommen aus Arbeit, Rente oder der Sozialhilfe verfügen. Sie beteiligen sich gemäss ihrer Möglichkeit an der Miete. Andere wiederum haben keinerlei Einkünfte und können sich deshalb noch nicht beteiligen», so Heine.

Wichtig sei für die einstigen Obdachlosen vor allem, wieder eine eigene Adresse zu haben. «Nebst dem, dass sie wieder ein Leben in einer menschenwürdigen Umgebung haben, ist es ihnen nun wieder möglich, ein selbstständiges Leben anzustreben und sich eine eigene Wohnung und Arbeit zu suchen. Bei den bisherigen Bewohnern handle es sich um Personen, die aus sehr unterschiedlichen Gründen in eine Notlage gekommen und schon länger in Kontakt mit der Gassenarbeit seien.

Es sei noch zu früh, ein Fazit zu ziehen. «Wir evaluieren das Projekt alle drei Monate und passen unser Konzept laufend an die Bedürfnisse der Bewohner an», so Heine.

Bisher habe es aber keine negativen Rückmeldungen beispielsweise aus der Nachbarschaft gegeben. Eine strikte Wohnzeitbeschränkung sei jedenfalls nicht vorgesehen. «Jeder soll sich die Zeit nehmen, die er braucht, bis er in die Selbstständigkeit gehen kann. Der Mensch steht klar im Vordergrund», zeigt Heine auf.

Weitere Interessenten

Wie Tobler sieht auch sie Bedarf für weitere Wohnungen. «Auch andere Obdachlose aus dem Kanton Zug wünschen sich einen festen Schlafplatz.» Betreffend einer kurzfristigen Schlafmöglichkeit sind die Projektverantwortlichen derweil noch nicht weitergekommen.

«Das ist auch schwierig, denn so ein Platz muss betreut sein, es reicht also nicht nur eine Räumlichkeit zu haben, es braucht auch die entsprechende Infrastruktur», sagt Tobler.

Seit kurzem sei ja die Heilsarmee im Kanton Zug aktiv, vielleicht könne man gemeinsam ein Angebot erarbeiten.

Ziel sei es, dass irgendwann die Gemeinden die Verantwortung über die Angebote übernehmen würden. «Das braucht seine Zeit. Bisher war die Reaktion eher eine Überraschung, dass es im Kanton Zug überhaupt richtige Obdachlose gibt», so Tobler.

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