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PROJEKT: Kaffi-Talk gegen die Einsamkeit

Trotz einer immer enger miteinander vernetzten Welt nimmt die Einsamkeit in unserer Gesellschaft zu. Eine Zuger Initiative versucht Gegensteuer zu geben. Mit Erfolg.
Marco Morosoli
Klaus Rütschi (48) von der Dargebotenen Hand Zentralschweiz hat den «Kafi-Talk» mitbegründet. (Bild: Werner Schelbert (Steinhausen, 15. März 2018))

Klaus Rütschi (48) von der Dargebotenen Hand Zentralschweiz hat den «Kafi-Talk» mitbegründet. (Bild: Werner Schelbert (Steinhausen, 15. März 2018))

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Ein Donnerstagnachmittag im Migros-Restaurant im Einkaufszentrum Zugerland in Steinhausen. Es ist gut besetzt. Sieben Frauen sitzen dicht gedrängt um einen Tisch. Dieses Kaffeekränzchen ist aber keines der üblichen Art. Die Frauen kennen sich nicht. Sie sind hierhergekommen, um ungezwungen mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen. Eine Kommunikationsart, die ihnen im Alltag nicht so oft vergönnt ist. Die Hürde, sich einfach an einen bereits von einer anderen Person besetzten Tisch zu gesellen, ist weggeräumt. ­Türöffner ist eine Tafel mit der Aufschrift «Kafi-Talk». Klaus Rütschi, der Geschäftsleiter der Dargebotenen Hand Zentralschweiz, ist zufrieden: «Wir sind beim Kafi-Talk bis jetzt noch nie alleine gewesen.» Mit «wir» schliesst Rütschi Michèle Omlin von der Gesundheitsdirektion des Kantons Zug und Esther Bättig vom Fachzentrum Eff-Zett mit ein.

Klaus Rütschi hat mit diesen Partnerorganisationen, die wie die Dargebotene Hand auch zum Netzwerk Psychische Gesundheit gehören, den Kafi-Talk angestossen und ist oft auch selber vor Ort. Eine Einrichtung, die es so in der Schweiz bisher nicht gibt. ­Kopien dieser Veranstaltung anderswo sind erwünscht.

Für einmal fehlen die Männer am Tisch

Für das Treffen am besagten Donnerstag hat Rütschi die ­Gesprächsleitung übernommen. Er ist aber kein Moderator im eigentlichen Sinne. Dies überlässt er den sieben Frauen, die ­gekommen sind. «Männer sind bei uns seltener anzutreffen», ­erzählt er. Wieso das so ist, vermag Rütschi nicht zu erklären. Eine der anwesenden Frauen sagt: «Männer holen sich eher eine jüngere Frau, damit sie nicht alleine sind.» Die Anwesenden reden über ihre Hobbys. Die eine hat gerne gestrickt, weiss aber heute nicht mehr, für wen sie dies tun sollte. Eine andere hat Glas geritzt und erzählt, wie sie früher der Tiffany-Glaskunst gefrönt habe. Heute würden die Werkzeuge dafür im Keller liegen: «Ich weiss nicht, ob junge Leute noch Interesse an solchen Werken ­haben.» Eine weitere Frau weiss auch warum: «In vielen Wohnungen herrschen heute leere Wände vor.» Die Anwesenden machen sich gegenseitig Mut, die alten Hobbys wieder zu betreiben. Derweil beklagt sich eine andere Frau darüber, dass sie stets in der Gruppe etwas machen müsse. Viel lieber würde sie wieder einmal mit jemandem in die Ferien fahren. Zum Kafi-Talk ist sie aber trotzdem gekommen und sinniert schon fast philosophisch: «Wir kommen auf die Welt, aber keiner weiss, wann er gehen muss.» Diese Bemerkung sitzt, macht kurze Zeit sprachlos, und dann wird aber weiterdiskutiert. Häufige Themenwechsel sind Programm. Keiner soll bei der Diskussion die Führungsrolle übernehmen. Jeder darf etwas ­sagen. Aufgrund der guten Resonanz, so Klaus Rütschi, «wird das Angebot bis in den Juli verlängert». Treffpunkte sind im Zweiwochenrhythmus das Coop-Restaurant in Zug (jeweils am Dienstag) und das Migros-Restaurant im Zugerland (Donnerstag).

Rütschi weiss auch von speziellen Momenten zu berichten: «Einmal sind zwei Frauen ins Gespräch gekommen, die einst bei einem Grossverteiler gearbeitet haben, sich aber seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben.» Eine andere Begegnung, so vermutet Rütschi, ist zu einer Freundschaft geworden: «Sie sind miteinander weggegangen und seither nicht mehr aufgetaucht.» Gerne ­würde der Geschäftsführer der Dar­gebotenen Hand Zentralschweiz Freiwillige animieren, seine Rolle zu übernehmen. Solche Personen werden derzeit gesucht. Auch die Ausweitung des Angebotes auf andere Zentralschweizer Kantone sei wünschenswert: «Unser Ziel ist es, eine Gesprächsplattform aufzubauen.» Die Botschaft ist angekommen. Die Mehrzahl der Frauen an diesem Donnerstagnachmittag wollen wiederkommen. Und vielleicht gesellen sich beim nächsten Kafi-Talk auch ein paar Männer dazu.

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