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PROJEKT: Riesiges Sportzentrum in Cham geplant

Hans-Peter Strebel schwebt ein «schweizweit einzigartiger Komplex» vor. Dieser soll nicht nur dem von ihm präsidierten EVZ zugutekommen.
Raphael Biermayr
Hans-Peter Strebel, EVZ-Präsident und -Fan: «Die Finanzierung ist gesichert, auch wenn mir etwas zustiesse.» (Bild: pd)

Hans-Peter Strebel, EVZ-Präsident und -Fan: «Die Finanzierung ist gesichert, auch wenn mir etwas zustiesse.» (Bild: pd)

Raphael Biermayr

Für den EVZ beginnt mit der kommenden Saison eine neue Zeitrechnung. Durch die Einführung eines NLB-Teams bekennt er sich zu hohen Ambitionen und zur Absicht, dereinst ein Fanionteam mit einem Gutteil an Eigengewächsen zu stellen. Letzteres ist das erklärte Ziel von Hans-Peter Strebel (67). Der Klubpräsident ist bereit, dafür sehr viel Geld zu investieren – «als Privatmann», wie er betont.

Geht sein Vorhaben auf, steht ab der Saison 2019/20 in Cham ein Sportkomplex von «zumindest in der Schweiz einzigartigen Dimensionen». Dieser soll zwei Trainingseisfelder beinhalten und wenigen hundert Zuschauern Platz bieten. Darüber hinaus sind Unterkunftsmöglichkeiten geplant, dank denen es gemäss Strebel denkbar sei, beispielsweise das Eishockeynationalteam während Zusammenzügen zu beherbergen.

ETH-unterstütztes Training

Das Herzstück des Projekts ist das Athletikzentrum. Dank der jüngst vereinbarten Zusammenarbeit mit dem ETH-Muskelphysiologen Marco Toigo sollen die Talente der EVZ Academy sowie weiterer Sportarten dort in den Genuss «eines ganzheitlichen Trainings unter neuesten wissenschaftlichen Aspekten» kommen, wie Strebel erklärt.

Bei diesem Thema blüht der ohnehin begeisterungsfähige Macher richtig auf. Seine Hände wirbeln durch die Luft über der Tischplatte in einem Sitzungszimmer im Zuger Parkhotel. Der Wissenschaftler in ihm dringt durch: Der einstige Apotheker entwickelte bekanntlich erfolgreiche Medikamente, die ihn zum Multimillionär machten. Strebel geht es um mehr, nämlich um die Schaffung des Bewusstseins, wofür sie ihre täglichen Übungen machen. Spricht er von den künftigen Möglichkeiten im Athletikzentrum, fliegen Begriffe wie «Biopsie», «Muskelzusammenspiel» oder «Ernährungslehre» durch das Zimmer.

Schliesslich zeichnet er mit der rechten Hand eine aufsteigende Kurve und kommentiert sie mit den Worten: «Ich will, dass der EVZ stetig von innen her wächst. Eine erfolgreiche Zukunft ist nur auf der Basis der eigenen Nachwuchsförderung möglich.»

Klappt nun die Durchlässigkeit?

Damit spricht Strebel indirekt ein altbekanntes Problem des Vereins an. Dieser hat zwar beachtliche Resultate im Elite-Junioren-Bereich vorzuweisen, hat aber nur sehr selten eigene Kräfte ins NLA-Team gebracht. Das lag und liegt einerseits an der Bereitschaft der Trainer, Wagnisse einzugehen. Andererseits und vor allem aber an der Tatsache, dass der Sprung vom Junioren- ins Aktiveishockey enorm hoch ist. Diese Lücke will Strebel schliessen. Mit erheblichen Investitionen hat er bereits die Academy sowie das NLB-Vorhaben ermöglicht.

In seinen fünf Monaten als EVZ-Präsident hat Strebel gemerkt: Man nimmt ihm seine Äusserung kaum ab, sein finanzielles Engagement würde sich ausschliesslich auf den Nachwuchsbereich und nicht auch auf die NLA-Equipe beziehen. So gab es Stimmen, die ihn respektive sein Vermögen mit der Heimholung der Identifikationsfigur Raphael Diaz in Verbindung brachten. «Natürlich ärgert mich so etwas – weil es einfach nicht stimmt», sagt Strebel. Er kämpft vehement gegen die Meinung an, er würde am Ende für Defizite geradestehen. «Das Unternehmen EVZ muss aus dem Betrieb heraus kostendeckend sein», erklärt er seinen Standpunkt. Er hält grundsätzlich nichts von der Abhängigkeit von Vereinen von Mäzenen.

Das Erreichen einer hohen Identifikation mit dem Klub ist fraglos ein grosser Antrieb für das Engagement des EVZ-Fans der ersten Stunde. Er sehnt sich nach dem Gefühl aus fast vergessenen Zeiten, als man auch die persönlichen Hintergründe der Spieler kannte und Nähe lebte. Das ist im Profisport fraglos eine romantische Einstellung, doch Strebel leistet es sich immerhin, etwas zu unternehmen und damit die Hoffnung auf eine Wiederkehr dieses Gefühls aufrechtzuerhalten.

Eishockey und Ausbildung

Bedenken, dass er deshalb möglicherweise überhastete Entscheidungen trifft, begegnet Strebel mit einem Lächeln. «Ich war ja schon länger im Verwaltungsrat des EVZ und habe mir gemeinsam mit der Führungscrew viele Gedanken gemacht, wie der Klub weiterkommen könnte», sagt er. Das Ergebnis trägt auch Strebels Anspruch nach «umfassender Verantwortung für die Nachwuchsspieler» Rechnung: Das Prinzip der Academy fusst auf einer mit der Eishockeyausbildung einhergehenden Lehre.

Er hat die Stiftung Enfi (Eishockey-Nachwuchs-Förderung Innerschweiz) anschubfinanziert. Sie unterstützt Eishockeytalente respektive deren Eltern bei der Finanzierung der Ausbildungskosten mit Stipendien und Ausbildungskrediten. Die können von den Spielern im Falle einer erfolgreichen Karriere in der Form von 5 Prozent des Jahreslohns zurückbezahlt werden.

Für sämtliche seiner Investitionsbereiche sei Strebel die langjährige Finanzierungssicherheit sehr wichtig, «auch, wenn mir etwas zustiesse».

Das gilt auch für den Komplex in Cham, den finalen Stein im Mosaik der EVZ-Nachwuchsförderung. Wie teuer der ihn zu stehen kommen wird, könne er noch nicht abschätzen. Das Projekt sei im Planungsstadium, es gibt deshalb noch nicht einmal Visualisierungen. Was den genauen Standort in Cham anbelangt, will sich Strebel aus Vorsicht nicht äussern: Der Vertrag für das Bauland sei noch nicht unterzeichnet. In den kommenden Wochen soll das erfolgen, anschliessend will Strebel eine Medienkonferenz geben, den Standort offenlegen und das Projekt erläutern.

Der Betrieb des Zentrums soll über Mieten gedeckt werden – «auch vom EVZ», unterstreicht Strebel. Darüber hinaus sollen andere Vereine und Sportler die Infrastruktur nutzen.

Gründe für den Standort Cham

Dass das Sportzentrum in der Ennetseemetropole zu Stande kommen soll, habe mit dem «verkehrstechnisch gut erschlossenen Grundstück» und der Nähe zu Zug zu tun. Im Kantonshauptort selbst sehe er keine Möglichkeit, es zu realisieren. «Die Homebase des EVZ bleibt aber in Zug», stellt Strebel klar.

Wo die NLB-Partien ab dem Jahr 2019 ausgetragen werden, stehe zum jetzigen Zeitpunkt nicht fest.

Das legendäre Eissportzentrum im Bösch

bier. Neue Hallenprojekte des EVZ standen immer wieder im Raum, weil der stets wachsende Verein des Öfteren an die Kapazitätsgrenzen stiess. So auch vor 20 Jahren, als der damalige EVZ-Präsident Fredy Egli verlauten liess, man prüfe, eine Trainingshalle – damals stand nur das Hertistadion – in Baar zu errichten. Karl Betschart, der dem damaligen 2.-Liga-Klub SC Herti vorstand, hatte angeregt, auf dem Spinnereiareal zu bauen. Daraus wurde nichts, die Trainingshalle kam bekanntlich neben dem Hertistadion zu stehen.

Der Initiant landete vor Gericht

Betschart verfolgte schliesslich ein eigenes, mittlerweile legendär gewordenes Projekt weiter. Im Hünenberger Industriegebiet Bösch sollte 1997 mit dem «Eiszentrum Zugerland» eine dritte Halle im Kanton erstellt werden – für den SC Herti sowie andere Vereine. Auch daraus wurde nichts – und Betschart landete später vor Gericht: Er wurde wegen Verschleppens des Konkurses der Betreibergenossenschaft des «Eiszentrums Zugerland» im Dezember 2011 zur Zahlung von 130 000 Franken verurteilt.

Er zog den Fall bis vor das Bundesgericht weiter, welches das erstinstanzliche Urteil aber bestätigte. Nach langem Ausharren trat er deshalb schliesslich als Baarer Gemeinderat zurück.

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