PROZESS: Die nächste Instanz urteilt im Fall Romer

Am 14. Dezember befasst sich das Zuger Obergericht mit den Verfehlungen, die dem Ex-Stadtrat Ivo Romer vorgeworfen werden. Das Strafgericht hat ihn zu einer Gefängnisstrafe verurteil. Bei der nächsten Instanz ist wieder alles offen.

Marco Morosoli
Drucken
Teilen
Die Urteilseröffnung im Fall Ivo Romer findet erst Ende Jahr statt. (Bild: Archiv ZZ)

Die Urteilseröffnung im Fall Ivo Romer findet erst Ende Jahr statt. (Bild: Archiv ZZ)

Marco Morosoli

marco.morosoli@zugerzeitung.ch

Auf der aktuellen Verhandlungsliste des Zuger Obergerichtes wird mit Datum 14. Dezember 2017 ein Verfahren angekündigt, das einen Strafrechtsfall erneut aufrollen wird, der Ende 2012 im Kanton Zug wie auch schweizweit für einiges Aufsehen gesorgt hat. Dem Beschuldigten werden mehrfache Veruntreuung, mehrfache ungetreue Geschäftsbesorgung, mehrfache Urkundenfälschung, versuchter Betrug und gewerbsmässige Geldwäscherei vorgeworfen.

Die publizierten Hinweise zum besagten Verfahren S 17 5-6, die Durchsicht einer vorliegenden Anklageschrift der Staatsanwaltschaft und eines Urteilsdispositivs lassen darauf schliessen, dass es sich um den ehemaligen Zuger Stadtrat Ivo Romer handeln muss. Der gewesene Stadtzuger Finanzchef ist vom Strafgericht am 7. Februar dieses Jahres zu einer Gefängnisstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Von zwei Parteien liegt eine Berufung vor

Gegen das im Februar ergangene Verdikt des Strafgerichtes haben sowohl der Rechtsvertreter des Beschuldigten wie auch Dritte, welche Ersatzforderungen geltend machen, Berufung eingelegt. Tritt das Obergericht auf die Berufung ein, so fällt es ein neues Urteil. Dabei prüft diese Instanz laut der Schweizerischen Strafprozessordnung das Urteil nur in den angefochtenen Punkten. Es kann zu Gunsten der beschuldigten Person auch nicht ange­fochtene Punkte überprüfen, um ­gesetzeswidrige oder unbillige ­Entscheide zu verhindern. Das heisst, dass das Obergericht nicht an das Strafmass der ersten Instanz gebunden ist und eine andere Würdigung der vorliegenden Fakten vornehmen kann. Für den Prozess vor Obergericht sind zwei Tage anberaumt worden. Ob das Gericht sein Verdikt mündlich verkünden wird, ist noch unklar.

Ivo Romer soll in den Jahren 2006 bis 2012 bei einer mittlerweile verstorbenen Frau durch verschiedene Vermögensdelikte 3,8 Millionen Franken zweckwidrig auf in seiner Verfügungsgewalt stehende Konten abgezweigt haben. Auch an von ihm beherrschte Firmen sollen Gelder der betagten Frau geflossen sein. Da Ivo Romer bei angeordneten Befragungen wie auch im Verfahren vor Strafgericht von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht hat, ist er anhand von Indizien abgeurteilt worden. Fakt ist, dass das Vermögen der Frau in der Zeit, in ­welcher Ivo Romer ihr Vermögensverwalter gewesen ist, von 6,5 Millionen Franken auf 15 000 Franken geschrumpft ist.

Die Staatsanwaltschaft hat in einer sehr aufwendigen Untersuchung verschiedene vorliegende Bankunterlagen bewertet und die Vorgänge in einer 301 Seiten umfassenden Anklageschrift im ­Detail zusammengefasst. Die Staatsanwaltschaft hat dabei eine Freiheitsstrafe von sechs Jahren und zehn Monaten gefordert.

Svea Anlauf als Vorsitzende des Strafgerichtes hat im Februar die Schuld von Ivo Romer als «erheblich» eingestuft. Erschwerend taxierte Anlauf, dass der Beschuldigte «weder Einsicht noch Reue» gezeigt habe.

Zu Gunsten des ehemaligen Stadtzuger Finanzvorstandes hat nur ein Aspekt gesprochen: die mediale Vorverurteilung. Ein Wochenmagazin hat Ende 2012 den Fall ins Rollen gebracht und Vorwürfe präsentiert, welche nicht die Qualität von Fakten gehabt haben. Nach deren Ver­öffentlichung ist Romer am 4. Dezember 2012 von seinem Amt zurückgetreten.

Der Fall Romer hat eine politische Dimension

Der Fall Ivo Romer hat auch politische Folgen gezeitigt. Eine parlamentarische Untersuchungskommission (PUK) hat sich eingehend mit dem Fall und dem Verhalten des übrigen Stadtrates befasst. Der Bericht ist am 5. August 2014 veröffentlicht worden. Die PUK hat festgestellt: «Die festgestellten Fehlleistungen sind insbesondere auf das unglückliche Zusammenwirken verschiedener Ursachen und Umstände zurückzuführen und nicht auf absichtliches Wegsehen oder ungenügendes Engagement der jeweils beteiligten Personen.»