PUBLIC VIEWING: Grillparty mit Unentschieden

Gestern Abend fieberten zahlreiche Fans im Lättich mit der Nati. Trotz Nervenkampf um das 1:1 herrschte eine lockere Feierabend-Atmosphäre.

Wolfgang Holz
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Der Fast-Sieger-Schluck zum Abpfiff: Freudige Stimmung herrschte. (Bilder Stefan Kaiser)

Der Fast-Sieger-Schluck zum Abpfiff: Freudige Stimmung herrschte. (Bilder Stefan Kaiser)

Wolfgang Holz

Eigentlich beginnt der Abend ganz optimistisch. Ein älterer Kosovare ist sich ganz sicher, dass die Schweiz mit 3:1 gegen die Rumänen gewinnt. «Weil wir so viele internationale Spieler in der Mannschaft haben, die für die Schweiz kämpfen – das ist gut so.» Doch wenig später, als Stancu von Lichtsteiner im Strafraum am «Hämmli» gezogen wird und der Unparteiische auf Elfmeter entscheidet, ist die schöne Feierabendstimmung unter den Fans beim Public Viewing des FC Baar erst einmal im Keller. Der Kosovare pafft plötzlich eine Zigarette nach der anderen. Und das Gewitter, das draussen donnert, lässt das Wasser an den Zeltblachen nur noch herunterrinnen. «So etwas darf einfach nicht passieren», schimpft der Kosovare, der selbst jahrelang als Schiedsrichter gepfiffen hat.

Würste, Pizzas, Burger

Die gedrückte Stimmung ändert sich vorläufig auch nicht, als nach 32 Spielminuten der Baarer Gemeinderat einmarschiert. Andreas Hotz im Nati-Dress fragt hoffnungsvoll: «Hatten wir schon eine Chance?» Und Sicherheitschef Pirmin Andermatt verrät, dass man trotz Gemeinderatssitzung immer wieder aufs Spiel gelinst habe. «In der zweiten Halbzeit müssen die Schweizer jetzt aber losstürmen – sonst kommt es nicht gut.»

Die anderen Fans im Zelt und vor den Bildschirmen rund ums Vereinshaus nehmen es derweil so gelassen wie möglich – was einem angesichts der grossen kulinarischen Auswahl an Würsten, Burgern und Pizzas nicht schwerfällt. Nervenfutter ist gefragt. «Das ist ja eine Katastrophe, was die bis jetzt zusammengespielt haben», schimpft FC Baar-Präsident Martin Pulver. Der SP-Kantonsrat, den roten Schal um den Hals gewunden, ist indes beeindruckt von der körperlichen Stärke der Rumänen. «Die haben schon gegen die Franzosen so gut gespielt.» Ein älterer Fan am Stehtisch, der mit den Fingern durch seinen faszinierend langen Bart fährt, meint stoisch: «Noch sind ja nicht 90 Minuten gespielt. Da kann noch eine Menge passieren.» Und Recht hat er.

Die Erlösung

Denn wenig später, in der 56. Minute, als Mehmedi, der verlorene Sohn aus dem ersten Match, aus halblinker Position im Strafraum den Ball in die rumänischen Maschen knallt, tönt der Jubel im Zelt für einige Augenblicke grenzenlos. Der Abend scheint gerettet – ja, vielleicht ist ja sogar noch mehr drin. Als Embolo in der 63. Minute eingewechselt wird, geht ein Raunen durchs Publikum: «Endlich», sagt einer, der gerade, an die Theke gelehnt, den dritten Kaffee Lutz serviert bekommen hat. Shaqiri hat es dagegen nicht so leicht bei den Baarer Zuschauern. Als er vergeblich versucht, einen Fallrückzieher aufs rumänische Tor zu machen, nehmen die Unmutsbekundungen zu: «Heiii!» schallts verärgert durchs Public-Viewing-Zelt. Als der kleine Nati-Star dann ausgewechselt wird, winkt derjenige mit dem Kaffee Lutz mit der Hand kurz nach hinten: Weg! Doch beim Schlusspfiff schäumen die Bierbecher: Die Schweiz hat das Unentschieden geschafft.

Mit Hawaii-Ketten und Nati-Tenü am Fanen: Marika und Anna-Maria Albrecht (links im Bild). Rechts: Nach dem 1:0 der Rumänen zog sich so mancher Fan kurz zurück. (Bilder Stefan Kaiser)

Mit Hawaii-Ketten und Nati-Tenü am Fanen: Marika und Anna-Maria Albrecht (links im Bild). Rechts: Nach dem 1:0 der Rumänen zog sich so mancher Fan kurz zurück. (Bilder Stefan Kaiser)