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Pures Gold!

Livio Brandenberg über eine denkwürdige TV-Show aus dem Jahr 2001.
Livio Brandenberg
Livio Brandenberg, Redaktor «Zuger Zeitung». Bild: Stefan Kaiser

Livio Brandenberg, Redaktor «Zuger Zeitung». Bild: Stefan Kaiser

Es geschah aus heiterhellem Himmel: 17 Jahre nach einem der denkwürdigsten TV-Aufritte der jüngeren Schweizer Unterhaltungsgeschichte hat der «Blick» Anfang der Woche Nadir hervorgeholt. Wen? Was?

Im Jahr 2001, der genaue Tag lässt sich nicht mehr eruieren, strahlte der kurz darauf eingegangene private Fernsehsender TV3 die Talksendung «Fohrler Live» aus, Thema: «Jugend und Gewalt – ich schlage zu!» Es sollte eine Sendung werden, die viele aus meiner Generation nie mehr vergessen werden und die einige «Einzeiler» geliefert hat. Doch der Reihe nach.

Nach dem 90er-Jahre-Vorspann läuft der damalige Jungmoderator Dani Fohrler auf die Kamera zu und eröffnet, was seine Karriere (mit) definieren sollte. Das Thema hat es in sich, genauso wie die Gäste: Als Erster wird Osman (18) hereingebeten. Er trägt weisse Hosen, ein weisses Ding auf dem Kopf, das einer Badekappe ähnelt, weisse Buffalo-Schuhe (mit den hohen Sohlen) und ein diabolisches Grinsen. Gleich zu Beginn erklärt er, warum er rasch dreinprügelt. Es geht um «Ehre», «Stolz», «Wenn mich eine aluegt, Mann, dänn isch nüme guet.» Es ist der Anfang von Ende.

Denn so ziemlich ab da entgleist das Ganze. Als nächstes kommen Figuren wie Sadush (17), der schon mit Waffen im Ausgang gewesen sein will und natürlich ebenfalls prügelt wie ein Profi. Im Duo gehen er und Osman nun auch aufs Publikum los. Bis «Gewaltgegnerin» Patrizia (17) mit Kurzhaarfrisur das Podium betritt. Dann gehen sie auf Patrizia los. Die Sendung läuft komplett aus dem Ruder. Und es wird immer besser, ein Gast nach dem anderen bedient Klischee um Klischee. Jason (24) sagt in heftigem Züridüütsch und hoher Stimme, wie er gerne auch mal einfach Leute im Ausgang «umenandfätzt». Dann folgen noch ein Hells Angel, ein Türsteher und und und ...

Bis eben Nadir aus dem Publikum aufsteht. Der 15-Jährige trägt einen Kapuzenpulli ohne Ärmel und äussert am Ende eines wirren Plädoyers, welches Pistolenschüsse und Bombensplitter beinhaltet, einen der wohl bekanntesten Sätze unter heute 30- bis 40-jährigen Schweizern: «Wenn epper schräg aluegt, denn säg ich: ‹Sorry, wottsch du min Fettli ha?›»

Mein Favorit ist aber ein anderer junger Herr aus dem Publikum mit Flaumschnauz, der Osman und Sadush verteidigt: «Sie sind wie andere Männer, eifach sie händ ihre Stolz und wänn ihre Stolz sie händ, das isch für ihne das Wichtigste, vielleicht öppis wichtiger als ... Gold!» Wahrlich: pures Gold.

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