Qualität der Gymnasien soll nicht nur vom schulischen Erfolg abhängen

Die Zuger Regierung will nicht, dass Daten zur Erfolgsquote von Gymnasien öffentlich werden.

Tijana Nikolic
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Die Zuger Regierung verzichtet auf eine generelle Publikation von Daten zum Studienverlauf von Maturandinnen und Maturanden . Im Bild die Kantonsschule Zug. (Bild: Stefan Kaiser, 28. Februar 2018)

Die Zuger Regierung verzichtet auf eine generelle Publikation von Daten zum Studienverlauf von Maturandinnen und Maturanden . Im Bild die Kantonsschule Zug. (Bild: Stefan Kaiser, 28. Februar 2018)

Das Bundesamt für Statistik erfasst seit Jahren schweizweit umfangreiche Daten zum Studienverlauf von Maturandinnen und Maturanden. Der ehemalige Kantonsrat Willi Vollenweider (parteilos/Zug) hatte sich seit längerer Zeit daran gestört, dass diese Daten nicht öffentlich sind, und reichte im November 2018 die Motion «Qualitäts-Management der Zuger Gymnasien mit Erfolg: Vorhandene Daten zum Studienerfolg publizieren» ein. So wollte Vollenweider die Herausgabe von Daten über Studienrichtungen und Abschluss von Zuger Maturanden an weiterführenden Schulen wie etwa Fachhochschulen, Universitäten oder die ETH erwirken und diese mit Daten des Bundes vergleichen.

Die Zuger Regierung unterstützt Vollenweiders Motion nicht, wie aus dem Bericht und Antrag des Regierungsrates hervorgeht. Ihre Ablehnung begründet sie mit zwei erfolglosen Vorstössen auf nationaler Ebene. Im Sommer 2016 reichte Nationalrätin Andrea Gmür-Schönenberger eine ähnliche Motion ein. Bundesrat und Nationalrat beantragten 2016 die Ablehnung der Motion.

Kantone sollen Daten publizieren

Gmür konterte gleich danach mit einem weiteren Vorstoss zum Thema. Der Nationalrat nahm diesen Vorstoss im September 2018 an, der Ständerat jedoch lehnte ihn im Juni dieses Jahres ab. Der Bundesrat schrieb damals in seiner Begründung, man sei sich der Bedeutung der Qualität der gymnasialen Ausbildung für den späteren Studienerfolg bewusst. Mindestens ebenso wichtig seien aber andere Faktoren wie die gewählte Studienrichtung, die Hochschule, der Maturitätstyp oder das Alter beim Eintritt in die Hochschule. Das Bundesamt für Statistik (BFS) dürfe zudem aus Datenschutzgründen keine Daten publizieren, die Rückschlüsse auf einzelne Gymnasien zulassen. Das BFS stelle die Daten zum Studienerfolg von Maturanden nach dem Gymnasium unter anderem den kantonalen statistischen Ämtern mit einem Datenschutzvertrag zur Verfügung. Gemäss dem Bericht der Zuger Regierung hatte sich auch der Kanton Zug für die Daten interessiert.

Wie der Bundesrat weiter schreibt, ist es diesen unter Berücksichtigung der massgebenden rechtlichen Grundlagen freigestellt, nach Bedarf und in Abstimmung mit den betroffenen Gymnasien entsprechende Daten zu publizieren. Die Kantone seien besser als das BFS in der Lage, die Daten der Gymnasien unter Berücksichtigung des kantonalen Kontextes auszuwerten und zu interpretieren. Der Ständerat seinerseits führte unter anderem aus, dass das Gymnasium nicht nur auf das Hochschulstudium vorbereite, sondern Maturanden auch befähige, Verantwortung und anspruchsvolle Funktionen in der Gesellschaft zu übernehmen. Indem man lediglich den schulischen Erfolg messe, missachte man diese Ziele und benachteilige jene Schulen, die ihre Schüler besonders gut auf ihre Zukunft als Bürger vorbereiten. Zudem vernachlässige eine Einstufung, die einzig auf der Beziehung zwischen dem schulischen Erfolg und der Qualität des Gymnasiums basiert, alle anderen Faktoren, die von hoher Bedeutung sein könnten, wie die spezifische Wahl, der Ausbildungsgrad der Eltern oder ökonomische Faktoren.

Regierung sieht von Standesinitiative ab

Auch nach den jüngsten Entscheidungen zur Motion Gmür könnte der Zuger Regierungsrat theoretisch beim Kantonsrat eine Standesinitiative beantragen. Dies, um sich bei den Bundesbehörden im Sinne des Motionärs für eine generelle Publikation der Daten einzusetzen. Der Regierungsrat sieht aber davon ab, weil er die Argumentation des Bundesrats und des Ständerats unterstützt, wie es im Bericht und Antrag heisst.

Wie erfolgreich sind Zuger Gymnasiasten?

Das Bundesamt für Statistik erhebt Daten zum Studienverlauf von Maturanden. Diese sind jedoch nicht öffentlich. In einem Vorstoss wird nun gefordert, dass sich der Regierungsrat beim Bund für die Herausgabe der Daten einsetzt.
Laura Sibold