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RAD: Rückschläge sind für Martin Elmiger ein Neuanfang

Martin Elmiger befindet sich im Herbst seiner Karriere, fühlt sich aber noch motiviert wie beim Start seiner Profilaufbahn. Das habe auch sehr viel mit Kopfarbeit zu tun.
Beim Fototermin auf dem Platz vor dem Burgbachschulhaus in Zug trägt Martin Elmiger um sein linkes Handgelenk wegen seines Kahnbeinbruch vor drei Wochen noch eine Manschette. Doch der diesjährige Ehrenstarter der Zugerberg Classic arbeitet bereits wieder hart für sein baldiges Comeback. (Bild Stefan Kaiser)

Beim Fototermin auf dem Platz vor dem Burgbachschulhaus in Zug trägt Martin Elmiger um sein linkes Handgelenk wegen seines Kahnbeinbruch vor drei Wochen noch eine Manschette. Doch der diesjährige Ehrenstarter der Zugerberg Classic arbeitet bereits wieder hart für sein baldiges Comeback. (Bild Stefan Kaiser)

Marco Morosoli

So leicht steigt Martin Elmiger nicht vom Sattel. Bei der Flandern-Rundfahrt Anfang April 2016 hat sich der 37-jährige Chamer bei einem Massensturz sein linkes Handgelenk verletzt. «Unverschuldet», wie er beim Gespräch betont. Zu diesem ist er mit dem Velo ins Zentrum der Stadt Zug gekommen. Trotz Dauerregen und einer Manschette am lädierten Gelenk. «Ich wohne ja nicht weit weg von hier», fügt er beinahe entschuldigend an. Andere in seiner Situation würden es wohl gemächlicher angehen, Martin Elmiger ist da anders, ehrgeiziger, und sagt: «Ich muss natürlich noch auf gewagte Abfahrten verzichten, aber auf sicheren Strecken kann ich schon wieder fahren.»

Das Out beim Klassiker in Belgien wurmt Elmiger auch in der Distanz von zwei Wochen immer noch gehörig: «Ich habe seit dem vergangenen November auf diese Rundfahrt und das eine Woche später stattfindende Rennen von Paris nach Roubaix hingearbeitet. Jetzt konnte ich den Lohn für mein hartes Training nicht ernten.» So fehlt ihm nunmehr auch ein messbares Resultat seiner grossen Anstrengungen. Aber Elmiger hält nicht viel von Gedankenspielen über mögliche Rangierungen, wenn der Sturz ausgeblieben wäre. Vielmehr richtet er seinen Blick bereits wieder nach vorne und tröstet sich: «Ich hätte nach den beiden Klassikern eh eine Rennpause gemacht.» Jetzt nutze er diese Zeit eben, um sich wieder für neue Taten vorzubereiten. Wenn alles gut laufe, so macht sich Elmiger Mut, könne er vielleicht schon bei der Belgien-Rundfahrt Ende Mai wieder mit von der Partie sein. Einmal mehr aufstehen als umfallen, bedeutet Fortschritt, scheint Elmiger auf seine Fahnen geschrieben zu haben.

Nächster Einsatz als Ehrenstarter

Und «Stehaufmännchenqualitäten» hat er in seiner nunmehr schon fünfzehn Jahre dauernden Profikarriere schon mehrmals bewiesen. Freimütig sagt er: «Ich habe mir bereits sechs Mal das Handgelenk gebrochen.» Doch nicht nur während der Ausübung seines Berufes, wie er auch noch ergänzt: So habe er, erzählt er freimütig, als Teenager beim Burgbach-Schulhaus mit den Inline-Skates einmal eine Treppe falsch eingeschätzt. Die Folge: Er brach sich zum ersten Mal ein Handgelenk. Wenn er das nächste Mal zu diesem «Unfallort» zurückkehren wird, hat er eine offizielle Aufgabe. Martin Elmiger amtet als Ehrenstarter der diesjährigen «Zugerberg Classic» (siehe Box). Sie findet am nächsten Wochenende statt und hat ihren Startplatz beim Burgbach-Schulhaus. «Ich habe selber einmal an diesem Rennen teilgenommen», erinnert er sich. Doch er könne beim besten Willen nicht sagen, wann dies gewesen sei.

Der Reiz der Tour de Suisse

Beim nächsten Termin in der Heimat hofft Elmiger, sich dann wieder selber in den Sattel schwingen zu können. Heuer befindet sich der Tross der Tour de Suisse am Startwochenende Mitte Juni zum zweiten Mal im Kanton Zug. Und zwar in Baar. «Der Prolog führt nur einen Kilometer an meiner Wohnung vorbei», sagt Martin Elmiger, der jetzt mit seiner Frau und ihren beiden Töchtern in einem Quartier mit Mehrfamilienhäusern im Norden der Stadt Zug wohnt. Die Tour de Suisse sei für seinen Rennstall IAM ein Saisonhöhepunkt. In diesem wichtigsten Radsportanlass in der Schweiz wird Martin Elmiger wieder wie gewohnt Helferdienste für den IAM-Leader Matthias Frank verrichten.

Nur in der Gemeinschaft stark

Die Zeiten, in denen der persönliche Erfolg das Mass aller Dinge war, sind laut Elmiger vorbei: «Velofahren ist eine Teamsportart, die individuell ausgeübt wird.» Alles sei seit seinem Einstieg in den Radzirkus professioneller geworden: «Jeder hat innerhalb des Teams eine Aufgabe, um die er sich kümmern muss.» Der Erfolg stelle sich nicht ein, wenn keine gemeinsame Strategie verfolgt werde. Von Vorteil sei, so betont der gebürtige Chamer, dass er in seinem Alter schon über eine grosse Erfahrung verfüge: «Ich kann mich sehr gut einschätzen.» Er fühlt sich auch weiterhin zu grossen Taten bereit. Sein Schlüssel zum Erfolg: «Die Einstellung.» Und das gälte dabei nicht nur im Sport, sondern sei auch privat sein Leitspruch.

So motiviert er sich immer wieder aufs Neue und sagt: «Klar, auch ich steige nicht immer gleich gerne auf den Sattel.» Doch die Überwindung, die tägliche Herausforderung immer wieder anzunehmen, habe ihn vorwärtsgebracht. Und er weiss, dass er in seinem Beruf Privilegien hat. Zudem könne auch er beim Training nicht tricksen. Das würde eh früher oder später auffliegen. Er denkt deshalb gar nicht in solchen Szenarien, wenngleich er verrät, dass er ab und an auch einem guten Glas Wein zugetan sei. Und dazu gehöre auch ein gutes Essen.

Wichtiger Entscheid im Mai

Elmiger weiss aber auch, dass seine Karriere im Sattel endlich ist: «Ich werde sicher nicht noch einmal das Team wechseln», sagt er. Wie es mit seinem Arbeitgeber weitergehen wird, ist derzeit noch unklar: «Im Mai herrscht diesbezüglich wohl Gewissheit.» Gibt es IAM auch im kommenden Jahr noch, wird Elmiger weiterfahren. Motivation ist dabei sicher auch, dass der Prolog der Tour de Suisse im kommenden Jahr in Cham ihren Anfang haben wird. Dem Ort, wo seine Karriere begann – und womöglich auch ihr Ende finden wird. Noch sei es aber zu früh, um zu spekulieren.

Nichtsdestotrotz hat sich Elmiger schon Gedanken gemacht, was er später machen will: «Ich würde gerne mein Wissen, das ich in meiner Karriere gesammelt habe, an andere weitervermitteln.» Wie das konkret aussehen könnte, darüber hat Martin Elmiger aber bis jetzt noch nicht im Detail nachgedacht. Und er hätte dann zudem noch ein zweites Standbein. Seine Frau leitet in Affoltern am Albis eine Firma, die Lichtwerbung betreibt. An dieser Gesellschaft ist Elmiger beteiligt: «Ich könnte mir auch vorstellen, mich dort nützlich zu machen.» Doch für solche Überlegungen ist es noch viel zu früh – und so ist es gewiss, dass der Name Elmiger im Radzirkus auch weiterhin zu hören sein wird.

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