RÄBECHÜNG: Feuertod der Symbole

Viele waren am Dienstag gekommen – Zivilisten im Alltagsgrau, aber auch bunt gewandete und bemalte Fasnächtler –, um den traditionellen Feuertod des Räbechüngs mitzuerleben.

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Ein Maskentanz der besonderen Art - ums lodernde Feuer. (Bild Patrik Pauli/Neue ZZ)

Ein Maskentanz der besonderen Art - ums lodernde Feuer. (Bild Patrik Pauli/Neue ZZ)

Bevor es so weit war, zeigten an die 20 Guggenmusigen, was sie selbst nach einer strapaziösen Zeit noch draufhatten. Das Publikum liess sich anstecken und wippte im Rhythmus der Melodien oder bewegte sich in einer Polonaise durch die Menge.

Das Fasnachtsende stimme ihn traurig, sagte Stephan Müller von den Minifodrios. Er sah aber eigentlich nicht so aus, zumal seine Guggenmusig noch einige Auftritte in den Beizen vor sich hatte, was die Fasnacht mit grosser Wahrscheinlichkeit weit über Mitternacht hinaus verlängerte.

Räbevater ist überwältigt
Pünktlich um 19.45 Uhr trat der Räbevater Xaver I. mit Gefolge auf den Platz. Angeführt von Tambouren und umrahmt von Fackeln tragenden Gäuggeln, gingen die Honoratioren der Räbefasnacht ein letztes Mal zu Fuss durchs Dorf, zurück auf den Brandplatz.

Dann wurde der Räbechüng aus luftiger Höhe heruntergeholt und auf den Scheiterhaufen befördert. Xaver I. wandte sich ein letztes Mal ans Räbevolk, dankte angesichts der «überwältigenden Erinnerungen» allen Beteiligten und entzündete mit einer Fackel den präparierten Holzstoss. Im Nu wurde der Räbechüng ein Raub der Flammen, begleitet vom Getöse der explodierenden Knallkörper.

Mit Blick aufs nächste Jahr
Wie der Räbechüng starben auch der Steigrind in Steinhausen und das Hünenberger Fasnachtssymbol den Flammentod. Eine andere Art, das Fasnachtsende zu begehen, kennen die Oberägerer Legoren mit dem Fasnachtsvergraben. Mit der alten Tradition ersparen sie sich den Aufwand, um das Fasnachtssymbol neu zu bauen. Echte Fasnächtler dürfte dies kaum anfechten, ebenso wenig wie das Ende der närrischen Tage. Wie sagte doch der Zeremonienmeister Oliver Betschart, nachdem der Räbechüng zu Asche geworden war: «Die Fasnacht 2008 ist tot, es lebe die Fasnacht 2009.»

Hansruedi Hürlimann