Rätsel um mittelalterliches Frauengrab in Baar

Warum wurde eine Frau in der frühmittelarterlichen Siedlung im heutigen Baar anders herum begraben als ihre Zeitgenossen? Eine wissenschaftliche Publikation zur Rettungsgrabung vom Jahr 2000 gibt Antworten, wirft aber auch Fragen auf.

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Grosse Glasperlen wurden in die Gräber gelegt. (Bild: PD)

Grosse Glasperlen wurden in die Gräber gelegt. (Bild: PD)

Auf einer Baustelle in Baar wurde vor zehn Jahren ein frühmittelalterliches Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert nach Christus entdeckt. Die Auswertungen der Rettungsgrabungen zeigen nun: Die damaligen Baarerinnen und Baarer genossen ein recht gutes Leben, wie an Buchvernissage am Mittwoch erklärt wurde. Dennoch, im verglichen mit heute lebten sie nicht lange.

Ein 34-43 Jahre alter Mann war zusammen mit einem 8-9-jährigen Knaben bestattet worden. (Bild: PD)

Ein 34-43 Jahre alter Mann war zusammen mit einem 8-9-jährigen Knaben bestattet worden. (Bild: PD)

Die Männer starben durchschnittlich mit 43 Jahren, die Frauen mit 38 - viele von ihnen im Kindbett. Jedes vierte Neugeborene erlebte seinen ersten Geburtstag nicht. Zudem wurden die Toten nach genauen Vorgaben begraben: Sie wurden auf den Rücken gelegt, der Kopf zeigte gegen Westen, das Gesicht mit Blick zum Sonnenaufgang im Osten gerichtet. Die Hände lagen neben oder auf dem Körper.

Ein Grab gab Rätsel auf

Eine einzige Ausnahme entdeckten die Archäologen. Eine Frau war auf dem Bauch liegend begraben worden, ihr Kopf wies nach Sonnenaufgang, das Gericht war zum Boden gedreht. Die Hände hatte man ihr auf dem Rücken zusammengebunden, die Beine waren überkreuzt. Und den Gürtel hatte man ihr laut Hochuli verkehrt herum umgelegt - also mit der verzierten Seite nach innen.

Die rätselhaften Unterschiede werfen eine ganze Reihe von Fragen auf. Hatte die Frau schon im Leben eine besondere Stellung? Galt sie als Hexe? Hatte sie sich selbst das Leben genommen? Man wird es wohl nie wissen, wie Hochuli einräumte.

Modetrends auf der Spur

Auch frühmittelalterlichen Baarer Modetrends kamen die Forschenden aufgrund der Grabfunde auf die Spur. Sie erkannten, wie die Frauen Schuhe und Wadenbinden, wie die Männer Mäntel trugen.

Grosse Glasperlen wurden in die Gräber gelegt. (Bild: PD)

Grosse Glasperlen wurden in die Gräber gelegt. (Bild: PD)

Den Frauen wurden zudem ihre farbigen Glasperlenketten mit ins Grab gegeben. Die Perlen waren nicht zufällig aufgefädelt, sondern in bestimmten Farbrhythmen und -symmetrien. Und: Je mehr Perlenreihen um den Hals einer Dame hingen, desto höher stand sie auf der sozialen Leiter.

Auch die Männer erhielten Grabbeigaben. Ihnen wurde etwa ihr Schwert mit auf die Reise gegeben. Es wurde ihnen aber nicht in der üblichen Art am Gurt befestigt, sondern in Stoff gewickelt neben sie gelegt.

Insgesamt 208 Skelette

Insgesamt bargen die Archäologen 208 Skelette und über 5000 Einzelfunde in einem Gräberfeld aus dem 7. Jahrhundert nach Christus. Es lag in der heutigen Schwemmebene der Lorze im zugerischen Baar. Auf einer Baustelle waren im Jahr 2000 die Arbeiter auf menschliche Knochen gestossen. In der umgehend eingeleiteten Rettungsgrabung kam ein Gräberfeld zum Vorschein.

Die Funde wurden sichergestellt und dokumentiert. Forschende verschiedener Fachgebiete untersuchten und analysierten sie. Ihre Erkenntnisse hat Katharina Müller im Buch «Gräber, Gaben Generationen» festgehalten. Erschienen ist es als Doppelband 48 in der Reihe Antiqua der Gesellschaft Archäologie Schweiz in Basel.

sda/bep