Ramona Gubser ist die Heldin des Jahres

Am Mittwochabend wurden die «Unbekannte Heldin des Jahres» und drei weitere Personen mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet. Die Siegerin leistete einem Verunfallten erste Hilfe.

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Die «Unbekannte Heldin 2012» der Zentralschweiz: Ramona Gubser aus Baar. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die «Unbekannte Heldin 2012» der Zentralschweiz: Ramona Gubser aus Baar. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Sie war sprachlos. Denn eigentlich sei sie nach Luzern gekommen, um dem Helden des Jahres zu gratulieren. Dass Ramona Gubser, die 19-jährige Baarerin, am Ende der Wahl selbst zuoberst auf dem Treppchen stand und die Auszeichnung «Unbekannte Heldin des Jahres 2012» gewann, damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet. «Der Preis», sagte Ramona Gubser, «wird in meinem Zimmer ganz sicher einen Ehrenplatz erhalten, im Gestell, wo ich die wichtigen Fotos aufbewahre.» Mit der Trophäe verbunden ist ein Barpreis im Wert von 3000 Franken.

Ramona Gubser wurde unter vier Finalisten von einer Jury zur unbekannten Heldin erkoren. Laut Jurypräsidentin Esther Gasser Pfulg, Obwaldner Regierungsrätin, hat Gubser «nicht in einer Schockstarre verharrt, sondern professionell erste Hilfe geleistet, den Überblick behalten, sich um einen Verletzten gekümmert und gleichzeitig Passanten noch Anweisungen gegeben.»

Die «Unbekannte Heldin 2012» der Zentralschweiz: Ramona Gubser aus Baar. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
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Die Sieger (von links): Ramona Gubser aus Baar (Platz 1), Sara Muff auf Sempach (Platz 2), Familie Gutich aus Sursee (Platz 3) und Alina Cespedes aus Schachen (Platz 4). (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Knabuuzer-Juuzer aus Schachen mit Alina Cespedes (Bildmitte) umrahmten den Festakt. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Dass Ramona Gubser, die 19-jährige Baarerin, am Ende der Wahl selbst zuoberst auf dem Treppchen stand und die Auszeichnung «Unbekannte Heldin des Jahres 2012» gewann, damit hatte sie überhaupt nicht gerechnet. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
«Der Preis», sagte Ramona Gubser, «wird in meinem Zimmer ganz sicher einen Ehrenplatz erhalten, im Gestell, wo ich die wichtigen Fotos aufbewahre.» (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Mit der Trophäe verbunden ist ein Barpreis im Wert von 3000 Franken. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Anerkennungspreise gingen an Sara Muff, Sibylle und Bego Gutic sowie an Alina Cespedes (mit dem Rücken zur Kamera). (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Ramona Gubser (Heldin des Jahres) und Sara Muff (Platz 2) im Interviev mit Jérôme Martinu, Stv. Chefredaktor Neue Luzerner Zeitung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Die «Unbekannte Heldin 2012» der Zentralschweiz: Ramona Gubser aus Baar. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

So half sie dem Verletzten

Als Ramona Gubser letztes Jahr auf dem Weg an ihre Arbeitsstelle in Luzern war, fuhr sie mit dem Auto an einen Unfall heran. Sie entdeckte einen E-Bike-Fahrer, der unter einem Lastwagen lag. Sofort hielt sie ihr Auto an, um dem Mann zu helfen. Einer Passantin rief sie zu, die Ambulanz zu alarmieren. Ramona Gubser versuchte, den verletzten Mann unter dem Lastwagen hervorzuziehen und leistete erste Hilfe. Dank ihres raschen Eingreifens verlief die Rettung unkompliziert.

Der verletzte Mann meldete sich später nach dem Bericht in unserer Zeitung bei seiner Retterin. «Das war die schönste Reaktion. Ich habe mich gefreut, zu hören, dass es ihm besser ging», sagt Ramona Gubser.

«Unsere Helden sind Vorbilder»

Die drei Anerkennungspreise in der Höhe von je 1000 Franken gingen an Sara Muff aus Sempach, Bego und Sibylle Gutic-Zust aus Sursee und die sechsjährige Alina Cespedes aus Schachen. Sara Muff hat ganz ähnlich wie Ramona Gubser bei einem Strassenunfall in der Nacht einem Töfffahrer erste Hilfe geleistet. Bego und Sibylle Gutic-Zust pflegen ihren Sohn Benjamin zu Hause rund um die Uhr. Der 20-Jährige leidet an einer unheilbaren Erbkrankheit, welche die Muskulatur schwächt und schnell voranschreitet. Alina Cespedes schliesslich hat die richtige Notrufnummer gewählt und ihre Nachbarin alarmiert, als ihre Mutter bewusstlos am Boden lag.

Die «Neue Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben haben zum zweiten Mal den unbekannten Helden aus der Zentralschweiz gekürt. Bei der ersten Vergabe des Preises gewann Sophie Hüsler aus Kriens, die sich viele Jahre um ihre schwerzerebral gelähmte Tochter gekümmert hat. Für Jurypräsidentin Esther Gasser setzt die Aktion der «Neuen Luzerner Zeitung» einen «wohltuenden Kontrapunkt zur gesellschaftlichen individuellen Entwicklung. Alle Helden, die nominiert waren, packen engagiert an, können Vorbilder sein und das Gute in den Menschen stärken.»

Prominente Gäste an der Feier

An der gestrigen Feier traten nebst dem Gastredner Sepp Riedener (siehe Kasten unten) auch die Knabuuzer-
Juuzer aus Schachen auf, ein Kinder-Jodelchor, in dem die nominierte Alina Cespedes mitsingt. Zur Freude der rund 150 Gäste, unter denen Prominenz wie der Zuger Ständerat Joachim Eder, der Luzerner Kantonsratspräsident Urs Dickerhof, Polizeikommandant Beat Hensler und zahlreiche Wirtschaftsgrössen weilten.

Christian Bertschi

Das sind die Quartalshelden:

Sara Muff aus Sempach »
Alina Cespedes aus Schachen »
Familie Gutic aus Sursee »
Ramona Gubser aus Baar »

Riedener: «Achten Sie die kleinen Heldenreisen»

cb. Sepp Riedener, Verantwortlicher Seelsorge bei der Luzerner Gassenarbeit, formulierte an der gestrigen Feier einige Gedanken zum Thema «Unbekannte Helden». Hier seine Rede in einer leicht gekürzten Form:

«Helden und Mut haben verschiedene Gesichter. Es gibt die gespielten Helden im Film, Action-Figuren wie James Bond. Es gibt aber auch Personen, die sich ihr Leben lang heldenhaft einsetzen. Wenn ich Namen nenne, kommen bei Ihnen sicher Bilder auf: Mutter Teresa; Beatocello, der Schweizer Arzt in Kambodscha; Martin Luther King. Oder Nelson Mandela. Das sind Menschen, die heldenhaft gelebt haben.

Als Seelsorger auf der Gasse stehe ich oft im Kontakt mit unbekannten Helden. Lassen Sie mich die Geschichte von einer langjährigen Heroinsüchtigen erzählen. Sie hat alles konsumiert, was Gott verboten hat. Sie finanzierte sich ihr Gift mit Prostitution. Eines Nachts hat sie mit ihrem so genannten Freund masslos getrunken. Und sie haben sich gestritten. Ihr Freund warf die Frau im vierten Stock aus dem Fenster. Die Frau erlitt eine Querschnittlähmung, schwere Hirnverletzungen und einen totalen Sprachverlust. Geistig ist sie aber voll da. Sie fragte sich: Wo ist der Wert des Lebens? Sie hat nur noch minimalste Bewegungsmöglichkeiten.

Hier beginnt ihre Heldenreise. Sie kann ganz mühselig auf einem Computer schreiben, aber sie hat den Kampf gegen die Aussichtslosigkeit aufgenommen und ein Büchlein geschrieben, in dem sie ihr Gassenleben verarbeitet hat. Die Frau hat mir zu Weihnachten einen Stern aus Krällchen geschenkt. Sie hat es mir mit einem lautlosen Lachen übergeben – eine Stimme hat sie nicht mehr.

Am heutigen Abend ehren wir unbekannte Helden. Sie alle haben ebenfalls eine Heldenreise bestanden. Dass wir Menschen ehren, die diesen Weg gemacht haben, finde ich etwas Wunderbares. Solche Heldentaten passieren immer wieder neu, unscheinbar, unmerklich. Ich möchte Ihnen, liebe Quartalshelden, gratulieren zu dem, was Sie geleistet haben. Aber es muss weiter gehen. Ich plädiere dafür, die kleinen Heldenreisen zu achten, sie im Alltag zu sehen. Das ist eine Einladung, eine Aufforderung dazu. Wir müssen in eine Sehschule gehen und leidenschaftlich wahrnehmen, was Menschen im Guten tun. Diese Feier müssen wir in den Alltag hineintragen. Wir müssen besonders jene achten, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Sie sollen sich freuen über unsere herzhafte Zuneigung und darüber, dass wir ihre Heldenreise achten.»«Wir müssen leidenschaftlich wahrnehmen, was Menschen
im Guten tun.»

Jury: «Das braucht Mut»

cb. Zum zweiten Mal zeichnet die «Neue Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben den «Unbekannten Helden» des Jahres aus. Die Leserinnen und Leser trafen dabei die Vorauswahl. Von den gut 50 eingegangenen Vorschlägen aus der Leserschaft wählte ein Ausschuss der Redaktion pro Quartal zwei Personen aus, die in der Zeitung porträtiert wurden. Die Leser bestimmten dann jenen Quartalsheld, der in die Endausscheidung kam. Insgesamt beteiligten sich über 2000 Personen bei den Wahlen per Telefon oder E-Mail.

Am Mittwoch hat eine Jury aus den vier Quartalshelden den «Unbekannten Held des Jahres» gekürt. Die Jury setzte sich zusammen aus Martin Werlen, Abt Kloster Einsiedeln, alt Bundeskanzlerin Annemarie Huber-Hotz, alt Nationalrat Franz Steinegger, Erwin Bachmann, Verwaltungsratspräsident der LZ Medien Holding AG, und Beat Villiger, ehemaliger Direktor des Schweizer Paraplegiker-Zentrums in Nottwil. Jurypräsidentin war die Obwaldner Regierungsrätin Esther Gasser Pfulg.

Die Jury tat sich schwer mit ihrem Entscheid, die Wahl fiel am Ende knapp auf Ramona Gubser. Ausschlaggebend war für die Jury-Mitglieder, dass sie in einer schwierigen Situation im laufenden Verkehr einen Verletzten bei einem Unfall barg. «Das braucht speziellen Mut», sagte etwa Annemarie Huber-Hotz. Jurypräsidentin Esther Gasser freute sich, dass sich der Verletzte nach der Berichterstattung durch unsere Zeitung bei Gubser gemeldet hat. «Das ist ein schönes Zeichen und zeigt auch, dass die Retterin das Herz am richtigen Fleck hat.»

Auch dieses Jahr suchen wir wieder unbekannte Helden. Wir suchen Menschen in der Zentralschweiz, die durch aussergewöhnliche, aufopfernde, freiwillige Taten auffallen.
Schicken Sie uns eine kurze Beschreibung der Person mit Angabe von Namen, Adresse, Alter, Telefonnummer sowie Ihre eigenen Koordinaten per E-Mail an helden@lzmedien.ch oder per Post an LZ Medien, «Unbekannte Helden», Maihofstrasse 76, 6002 Luzern.