Leserbrief
Rassismus gegen die Gastronomie?

«Migros bekennt sich zur Gleichstellung – und gerät in die Kritik», Ausgabe vom 1. April

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Die Migros bekennt sich zu Gleichstellung und Diversität – und wird angefeindet. Nicht etwa, weil der Koch ein Schwarzer ist, sondern weil der Schwarze ein Koch ist. Moralistinnen kritisieren, dass der Schwarze in einem minderwertigen Beruf (vornehmere Formulierung: niedrig qualifiziert) arbeitet und wittern Rassismus. Dabei realisieren diese Bessermenschen und auch der unreflektierte Journalist nicht, dass sie eine ganze Branche diskreditieren.

Ja, in der Gastronomie werden nicht die grossen Löhne bezahlt. Aber hier arbeiten Menschen, die uns durch galanten Service ein Lächeln ins Gesicht zaubern, uns mit kreativer Kulinarik verwöhnen, uns aus dem Alltag entführen. Zumindest war das vor Corona so. Ich vermisse diese geselligen und dienstfertigen Menschen aus Küche und Service!

Und jetzt dies: Viele dieser Menschen haben derzeit keinerlei Perspektive und fürchten um ihre Existenz. Als wäre das nicht genug, müssen sie jetzt lesen, dass sie in einem minderwertigen Beruf arbeiteten, der für einen Schwarzen nicht gut genug sei. Was müssen diese Menschen ungeachtet ihrer Hautfarbe bei so viel Verachtung ihrer Gilde gegenüber wohl empfinden, nebst allem, was sie sonst schon durchmachen? Ist das nicht auch eine Form von Rassismus?

Wenn wir uns der fortschreitenden Verblödung unserer Gesellschaft entgegenstellen wollen, sollten wir der wild wuchernden Empörungskultur und Symbolpolitik endlich eine klare Abfuhr erteilen. Diese bringen uns als Gesellschaft nämlich nicht weiter. Im Gegenteil: Wer sich mit Gender- und Rassismusfanatikern anbiedert, muss damit rechnen, dass der Schuss nach hinten losgeht. Dabei ist es im Grunde ganz einfach: Es sollte selbstverständlich sein, jedem Menschen, ungeachtet von Hautfarbe, Geschlecht und Herkunft mit Anstand und Respekt zu begegnen. Das schliesst übrigens auch weisse Männer über 50 ein, die gerne Auto fahren und Fleisch essen.

Also, öffnet endlich die Restaurants! Gutes Essen verbreitet Friede, Freude und Geselligkeit.

Thomas Lötscher, alt Kantonsrat, Neuheim